3. Die innere Festigung. durch Friedrich Wilhelm I. 103
doch meistens ohne Erfolg. Am meisten schmerzte ihn das Blutbad, welches
die Polen 1724 in Thorn unter den Evangelischen anrichteten. Diese Stadt
war evangelisch, doch fand sich dort ein Jesuitenkloster. Als bei einer Prozession
die Zöglinge desselben einige zuschauende Bürger gröblich mißhandelten,
stürmten die erbitterten Bürger das Kloster und zerstörten einiges Hausgerät.
Dafür mußten die Evangelischen nicht nur harte Geldbuße zahlen, sondern
verloren auch die einzige ihnen noch gebliebene Kirche, und zehn der angesehensten
evangelischen Bürger wurden mit dem Tode bestraft.
3. Muswärtige Derhälknisse.
Auf die auswärtigen Verhältnisse verstand sich Friedrich Wilhelm
nicht so gut wie auf die inneren; er war zu offen und ehrlich, um zu heucheln,
daher wurde er von den fremden Diplomaten leicht und oft hintergangen.
Er selber sagte über die Beschäftigung mit der äußeren Politik: „Ich wollte,
ich wärc dieser Teufelsgeschichten frei, weil sie mich von den Dingen abziehen,
die mir nützlicher sind.“ Da ihm alle Ausländerei verhaßt war, hatte es
der kaiserliche Gesandte, Graf Seckendorf, und der vom Kaiser bestochene
Gencral Grumbkow leicht, ihn fast immer auf habsburgischer Seite festzuhalten,
um so mehr, da der Kaiser ihn stets mit der Aussicht auf Jülich und
Berg lockte, das infolge des Kleveschen Erbvergleichs von 1666 nach dem
Aussterben des Hauses Pfalz-Neuburg an Preußen fallen mußte. Beim
Begiun der Regierung Friedrich Wilhelms war der Spanische Erbfolgekrieg
noch nicht beendet; im Frieden zu Utrecht erhielt Preußen trotz aller Opfer
nur Obergeldern und zwar als Ersatz für die in Frankreich liegenden Teile
der oranischen Erbschaft. Einen besseren Gewinn machte Friedrich Wilhelm
im Nordischen Kriege (1700—1721). Nachdem der jugendliche Schwedenkönig
seine Gegner, den Dänenkönig, Peter den Großen von Rußland und
August den Starken von Polen und Sachsen, besiegt hatte, erlitt er bei Pultawa
in der Ukraine eine schwere Niederlage und flüchtete nach der Türkei. Während
er dort in fruchtlosem Trotz fünf Jahre vergeudete, fielen seine Feinde über
sein Land her; zu ihnen gesellten sich jetzt auch noch Preußen und Hannover.
Friedrich Wilhelm I. hatte nämlich 1713 mit Peter dem Großen und
dessen Verbündeten den Vertrag zu Schwedt geschlossen, in welchem diese
ihm gegen Ersatz der Kriegskosten das von ihnen eroberte Stettin in Verwahrung
gaben. Als nun Karl XII. endlich aus der Türkei zurückkehrte,
forderte er die wichtige Festung zurück; von einer Entschädigung für Friedrich
Wilhelm wollte er aber nichts wissen. Da griffen auch die Preußen unter
Führung Leopolds von Dessau zu den Waffen und eroberten im Bunde
mit den Dänen Rügen und Stralsund; nur mit genauer Not entkam Karl
nach Schweden. Im Frieden erhielt Hannover 1719 die Gebiete der früheren
Bistümer Bremen und Verden, Preußen 1720 Stettin und alles Land
zwischen Oder und Peene nebst den Inseln Usedom und Wollin, so daß es jetzt
„einen Fuß am Meere hatte und am Commercio der Welt Anteil nehmen konnte“.
Pommern (po more d. i. am Meere), ursprünglich von der Recknitz bis zur
Weichsel reichend, war wie Brandenburg einst von Wenden bewohnt und wurde durch
die Predigt des Bischofs Otto von Bamberg (1124) und das Schwert Heinrichs des