Full text : Unser Preußen.

104  Zweiter  Zeitraum.

Löwen  für  das  Christentum  und  das  Deutschtum  gewonnen.  Das  erste  Bistum  des
Landes  war  Julin,  das  später  nach  Kammin  verlegt  wurde.  Zahlreiche  deutsche  Aniedler,
  meistens  aus  Niedersachsen,  ließen  sich  im  Lande  nieder  und  besetzten  es  um
o  dichter,  je  näher  es  der  Heimat  lag;  im  Osten  kämpft  das  Deutschtum  noch  heute
mit  dem  Polentum.  Die  Deutschen  fanden  ihren  besten  Halt  in  den  befestigten  Städten,
z.  B.  in  Stettin,  Stralsund,  Stargard  und  Greifswald,  die  entweder  von  vornherein
von  Deutschen  gegründet  wurden  oder  doch  ihr  slavisches  Gewand  bald  ablegten,
und  in  den  Klöstern,  deren  wichtigstes  die  Cisterzienser-Abtei  Eldena  bei  Greifswald
war.  Die  eingeborenen  Fürsten  ließen  sich  schon  1181  als  deutsche  Reichsfürsten  in
den  Reichsverband  aufnehmen.  Die  von  Heinrich  dem  Löwen  beanspruchte  Lehnshoheit
  über  Pommern  erbten  mit  seinem  Sturze  die  Askanier,  nach  ihnen  die  Hohen- 



 

 

 

 

Einnahme  von  Rügen.

zollern;  aber  die  zähen,  kriegstüchtigen  Pommern  behaupteten  im  ganzen  allen  Angrisfen
  der  Nachbarn  gegenüber  ihre  Selbständigkeit,  und  im  Vertrage  zu  Grimnitz
(1529)  mußte  Joachim  I.  sich  mit  dem  Erbrecht  begnügen  (S.  29).  Fast  200  Jahre
war  das  herzogliche  Haus  in  zwei  Linien,  Wolgast  und  Stettin,  gespalten,  bis
Bogislaw  X.  (1478—1523)  das  ganze  Land  wieder  vereinigte.  Früh  des  Vaters
beraubt  und  von  seiner  Mutter  vernachlässigt,  wurde  er  von  einem  Bauern  erzogen.
Er  unterdrückte  die  Wegelagerei  und  das  grausame  Strandrecht  und  verschaffte  den
Gesetzen  wieder  Gehorsam.  Der  Reformation  war  er  abgeneigt;  um  so  rascher  breitete
sie  sich  nach  seinem  Tode  unter  der  vorsichtigen  Leitung  Dr.  Bugenhagens  aus.  Schon
seit  1456  besaß  das  Land  in  Greifswald  eine  Universität.  Bald  nach  Bogislaws
Tode  spaltete  sich  das  Herzogshaus  wieder  in  zwei  Linien,  die  aber  während  des
Dreißigjährigen  Krieges  beide  ausstarben;  doch  vermochte  der  Große  Kurfürst  damals
nur  Hinterpommern  zu  gewinnen  (S.  52).