Metadata : Dokumente aus den russischen Geheimarchiven.

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setzung  einer  Sozialisierungskommission,  Neuregelung
der  Kommandogewalt  im  Heere,  zwangsweise  Wiedereinstellung
  der  Demobilisierten  in  ihre  alten  Betriebe,
Regelung  der  Wohnungsnot  durch  diktatorisches  Verfügungsrecht
  von  Bezirkskommissaren,  Erlaß  einer
Landarbeiterordnung)  und  durch  das  von  der  Nationalversammlung
  27.  Febr.  angenommene  überangsgesetz

  endgültig  mit  Gesetzeskraft  ausgestattet.

e  No##s  rfaßfun  setzte  an  Stelle  des  Reichstags
  die  Nationalversammlung,  an  Stelle  des  Bundesrats
  den  Staatenausschuß  (Vertreter  der  Freistaaten,
  auf  je  1  Million  Einwohner  1  Vertreter),  an
Stelle  des  Kaisers  den  von  der  Nationalversammlung
gewähsten  vorläufigen  Präsidenten,  an  Stelle  des

eichskanzlers  ein  verantwortliches  Reichsministerium
(mit  11  selbständigen  Ressortträgern).

Der  vom  Staatssekretär  des  Innern,  Preuß,  im
Januar  veröffentlichte  Entwurf  für  die  Reichsverfassung
  wurde  von  der  Regierung  mehr  der  bisbri
  en  bundesstaatlichen  Grundlage  angepaßt,  vom

erfassungsausschuß  der  Nationalversammlung  wiederum
  mehrdemokratisch-unitarisch  gestaltet,  bis  dann,
nach  Ausscheiden  der  Demokraten  aus  der  Regierung,
der  klerikal  =  sozialistische  Doppeleinfluß  der  neuen
Mehrheit  dem  Verfassungswerk  die  endgültige  Gestalt
gab.  Die  Verfassung  Wangte  31.  Juli  mit  262  gegen
75  Stimmen  bei  1  Emthaltung  zur  Annahme  und
wurde  am  13.  Aug.  veröffentlicht.

Unterdessen  hatte  die  Regierung  eine  vollständige
Neubildung  erfahren,  da  die  Demokraten  und  der
Ministerpräsident  Scheidemann  daran  festhielten,  daß
der  Versailler  Friedensvertrag  ((.S.  144  f.  unannehmbar
  sei.  Die  gesamte  Regierung  trat  deshald  am  20.
Juni  zurück  und,  nach  einem  emntägigen  inisterium
David,  bildete  am  21.  Juni  der  bisherige  Arbeitsminister
  Bauer  (Soz.)  eine  neue  Regierung,  in
der  Hermann  Müller  (Soz.)  das  Auswärtige,  David
(Soz.)  das  Innere,  Erzberger  (Zentr.)  den  stellvertretenden
  Vorsitz  und  die  Finanzen,  Wissel  (Soz.)  das
Wirtschafts.,  Schlicke  (Soz.)  das  Arbeits-,  Mayer--Kaufbeuren
  (Zentr.)  das  Cchadministerium,  iesberts
(Zentr.)  die  Post,  Bell  (Zentr.)  das  Verkehrswesen,
Noske  (Soz.)  das  Reichswehrministerium,  Schmidt
(Zentr.)  das  Ernährungsministerium  übernahmen.

Die  neue  Regierung  nahm  sofort  unter  Erzbergers
Führung  eine  große  Finan  zreform  in  Angriff:
er  brachte  eine  Vergnügungs-,  Rayon-,  erweiterte
Erbanfall-,  Schenkungs-,  Nachlaß-,  Tabak-,  Zündwaren-,
  Spielkarten-,  erhöhte  Zuckersteuer  sowie  die
Lorlage  eines  Reichsnotopfers  (12.  Juli)  ein.
Die  Ablehnung  der  von  Wissel  vertretenen  Planwirtschaft
  und  der  Abbau  der  Zwangswirtschaft  veranlaßten
  diesen  8.  Juli  zum  Rücktritt;  der  Ernährungsminister
  Schmidt  übernahm  sein  Ressort  im  Nebenamt.
  —  Am  17.  Juli  stimmte  die  Nationalversammlung
  einem  Reichssiedlungsgesetz,  am  7.  August  dem
Gesetz  Über  eine  außerordentliche  Kriegsabgabe  für
1919  und  über  eine  Kriegsabd  abe  vom  Vermögenszuwachs,
  am  15.  August  dem  Kohlenwirtschaftsgesetz,
am  16.  dem  Kapitalabwanderungsgesetz,  am  18.  dem
Hbfer.  und  Kapitulanten-Abfindungsgesetz,  am  19.
der  Tabaksteuer  und  der  Reichsabgabenordnung,  am
20.  einem  Anleihekredit  von  9  Milliarden  Mk.  und
einer  neuen  Erbschaftssteuer,  am  17.  dem  Gesetz  über
Erhebung  eines  Reichsnotopfers  und  18.  Dez.  1919
einer  Erhöhung  der  Umsatzsteuer  zu.  Gegen  Ichresende
  setzte  eine  von  der  preußischen  Landesversammlung
  ausgehende  Propaganda  für  eine  Anderung  der

Deutsche  Vaterlandspartei  —  Deutsch-flämische  Gesellschaft

Reichsverfassung  im  Sinne  des  Einheitsstaates  neu
ein.  Da  zugleich  der  Kanpf  um  das  Betriebsräteges
  )z;J  Anfang  Januar  1920  die  erbittertsten  Formen
annahm,  wurde  der  Bestand  der  Reichsverfassungernstlich
  in  Frage  gestellt.  Okt.  1919  wurde  ein  neues  Reichsministerium
  für  Wiederaufbau  errichtet,  das  Portefeuille
  erhielt  der  demokratische  Nürnberger  Oberbürgermeister
  Geßler;  gleichzeitig  traten  die  Demo.
kraten  Schiffer  (Justiz)  und  Koch  (Inneres)  neu  in
die  Regierung  ein.  David  wurde  Minister  ohne  Portefeuille.
  Das  Ergebnis  der  im  November  1919  auf.
gelegten  Sparprämienanleihe  (3800  Mill.  Mk.)  war
dürftig.  Der  Reichsetat  für  1918  balancierte  im
ordentlichen  Haushalt  mit  7332,,6  Mill.  Mk.,  im  außerordentlichen
  Haushalt  mit  40726  Mill.  Mk.  Der  ordentliche
  Haushalt  für  1919  schließt  mit  15  310  Mill.
Mk.,  der  außerordentliche  mit  41  344  Mill.  Mk.  ab.

Literatur:  „Deutschland  und  der  Weltkrieg(hrsg.  von
O.  Hintze,  F.  Meinecke,  H.  Oncken  und  H.  Schumacher:  Leipz.
1915,  2  Bde.);  O.  Hoetzsch,  Der  Krieg  und  die  große  Politik
das.  1917—  18,  3  Bde.);  Beiträge  zur  Kegswir#  chaftK4

rsg.  von  der  Volkswirtschaftl.  Abteilung  des  Kriegsernährungsamtes;
  Berl.  1916—18,  43  Hesth-  »Vom  inneren
Frieden  des  beutschen  Volkes=  (hrsg.  von  F.  Thimme;  Leipz.
1916,  2  Bde.).  »Die  Arbeiterschaft  im  neuen  Deutschland-(hrsg.
  von  F.  Thimme  u.  C.  Legien;  das.  1915);  P.  Leusch,
Die  Sozialdemokratie,  ihr  Glück  und  ihr  Ende  (das.  1916),
Fürst  B.  v.  Bälow,  Deutsche  Politik  (Berl.  104  ör  ;  Junius
alter,  Das  deutsche  Reich  auf  dem  Wege  zur  geschichtlichen
Episode  (Neudruck,  Münch.  1919);  A.  6oeSr  e  u.  H.  Groß-=mann,
  Englands  Handelskrieg  und  die  deutsche  Industrie
(Stuttg.  1915  u.  1917,  2  Bde.);  „Recht,  Verwaltung  und
Politik  im  Neuen  Deutschland-  chrsg.  von  A.  Bozi  und  H.
Heinemann;  das.  1916);-Sämtliche  Kriegsgesetze,  =  verordnungen
  und  -bekanntmachungen=  (hrsg.  von  der  Redaktion
des  deutschen  Reichsgesetzbuches  für  Industrie,  Handel  und
Gewerbe;  Berl.  1915ff.);  W.  Kapp,  Die  Maidenkschrift  aus
dem  Jahre  1916  (Gera  1918);  P.  Rohrbach,  Die  alldeutsche
  Gefahr  (Berl.  1919);  W.  Solf.  Weltpolitik  und
Kolonialpolitik  (das.  1918);  K.  Mahler,  Die  Programme
der  polit.  Parteien  in  Deutschland  nach  dem  Kriege  (4.  Aufl.,

ipz.  1919);  Bethmann  Hollwegs  Kriegsreden=  (hroeg.  von
F.  Thimme;  Stuttg.  1918);  Bethmann  Hollweg,  Betrachtungen
  zum  Weltkrieg  (Berl.  1919);  E.  Lubendorff.
Meine  Kriegserinnerungen  (das.  1919);  H.  Delbrück,
Krieg  und  Politik  (bas.,  3  Teile);  K.  Helfferich,  Der  Weltkrieg
  (3  Bde.;  das.  1919);  „Deutsche  Dokumente  zum  Kriegsausbruch
  (Kautsky-Akten)-,  hreg.  v.  Graf  Montgelas  und
Prof.  Schücking  (4  Bde.;  af.  1919).

Deutsche  Vaterlandspartei,  2.  Sept.  1917
unter  Führung  Lerzog  Joh.  Albrechts  von  Mecklenburg,
  des  Generallandschaftsdirektors  Kapp  und  des
Groadmirals  v.  Tirpitz  gegr.  Vereinigung,  die  die
Stärkung  des  Siegeswillens  und  die  Propagierung
eines  Siegfriedens  in  Deutschland  gegenüber  dem  Gedanken
  eines  Verständigungsfriedens  bezweckte.  Sie
wollte  keine  polit.  Partei  sein,  konnte  sich  aber  bei  der

entralen  Stellung  des  Streites  um  die  Kriegsziele  im
arteikampf  schlechterdings  nicht  davon  fernhalten.
Die  Anhänger  der  Reichstagsmehrheit,  besonders  die
Sozialdemokratie,  traten  schroff  gegen  die  D.  V.  auf.
eutsche  Volkspartei,  s.  Nationalliberale  Partei.

Deutsch-finnischer  Verein,  unter  Graf  v.  d.
Goltz  1919  gegründete  Vereinigung  der  deutschen
Finnlandlämpfer,  gibt  die  Zeitschrift  -Deutsch-finnische
  Brücke“  heraus.

Deutsch-finnländische  Gesellschaft,  April  1917
unter  Vorüch  Rud.  Euckens  in  Berlin  gegr.  Gesellschaft
  zu  wechselseitiger  Förderung  kultureller,  wissenschaftl.
  und  wirtschaftl.  Interessen  der  beiden  Länder.

Deutsch-flämische  Gesellschaft,  März  1917  in
Berlin  gegr.  Gesellschaft  zur  Förderung  der  Flamen