52 Zweiter Zeitraum.
Belehnung mit Preußen. Die preußischen Stände schienen von dem reformierten
Herrn nichts wissen zu wollen und bestritten ihm das Recht, vor
seiner Belehnung Regierungshandlungen vorzunehmen und mit ihnen zu verhandeln.
Dem Kurfürsten brannte der Boden unter den Füßen; denn seine
Anwesenheit in der Mark war dringend erforderlich. Daher beschloß er,
alles aufzubieten, um die Belehnung — wenn auch unter harten Bedingungen
— bald zu erlangen. Die höchsten polnischen Würdenträger, selbst
der König und die Königin, zeigten sich für Geld dem Kurfürsten geneigt.
Die Königin suchte den jungen, ausehnlichen Fürsten, dessen Verbindung mit
der Königin von Schweden die Katholiken damals fürchteten, auf ihre Seite
zu ziehen, und der König ließ ihm eine Verlobung mit seiner Schwester
nahe legen; aber der Kurfürst wich allen Anträgen geschickt aus und erhielt
doch endlich die Belehnung. Von den ihm auferlegten Verpflichtungen war
dem reformierten Fürsten gewiß die härteste, daß er im Herzogtum außer
den Lutheranern keine von der römischen Kirche abweichende Konfession
dulden dürfe.
Gustav Adolf hatte einst die Absicht gehabt, seine Tochter Christine,
seine einzige Erbin, mit dem Kurprinzen Friedrich Wilhelm zu vermählen,
um durch die Verbindung von Schweden und Brandenburg im Norden ein
großes evangelisches Reich zu gründen, das der katholischen habsburgischen
Macht das Gleichgewicht halten könne; Friedrich Wilhelm schickte deshalb
schon von Preußen aus eine Gesandtschaft nach Schweden, aber ohne Erfolg.
Denn Christine war einer Verheiratung überhaupt abgeneigt; noch mehr aber
traten die wenigen großen Familien. Schwedens, welche damals unter dem
Scheine der Monarchie die Herrschaft in Händen hatten, dem Wunsche des
Kurfürsten entgegen, weil er reformiert war, und sie fürchteten, daß er ihnen
ihre angemaßten Rechte entziehen werde. Friedrich Wilhelm wollte sich auch
nicht so weit herablassen, um die Hand der Königin zu bitten, sondern verzichtete
auf den Glanz der Königskrone. Bald nach seiner Rückkehr in die
Mark ließ er um die Hand der schönen und frommen Luise Henriette,
der Tochter jenes Heinrich von Oranien werben, der einst sein Lehrer
in der Kriegskunst gewesen war; im Jahre 1646 fand im Haag die Vermählung
statt.
Bisher hatten die schwedischen Abgeordneten bei den Friedensverhandlungen
in Osnabrück einen Streit mit Brandenburg zu vermeiden gesucht; von
jetzt ab aber traten sie mit ihren Forderungen rücksichtslos hervor. Sie beanspruchten
ganz Pommern, und der Kaiser wollte es lieber ihnen als dem
Kurfürsten überlassen. Wieviel Blut und Geld hatten die brandenburgischen
Fürsten um dies Land geopfert, wie oft war ihnen die Erbfolge zugesichert!
Auch jetzt wurde Brandenburgs Recht von niemand bezweifelt;
aber die Schweden beriefen sich darauf, daß sie das Land erobert hätten,
und weigerten sich, es herauszugeben. Nach langem Feilschen wurde endlich
am 24. Oktober 1648 der zu Münster und Osnabrück beratene Westfälische
Friede unterzeichnet. Pommern wurde geteilt; Brandenburg erhielt nur
Hinterpommern, als Entschädigung für Vorpommern aber Magdeburg,
Halberstadt, Minden und das Bistum Kammin. Mit dem Besitze