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nach dem jetzigen Stande der Dinge möglich fsind, und Schutzzölle seien
daher verfehlt.
Diese außerordentlich abstrakte Theorie ist sehr vielen Einwänden ausgesetzt.
Man sieht ja leicht, daß und wie hierbei die durchaus unbewiesenen
Theorien von den Produktionskosten und von den nöthigen Arbeitsmengen
als des einzig maßgebenden Preisbestimmungsgrundes zu Grunde liegen.
Ferner ist zu sehen, wie der Kapitalgewinn als einziger Maßstab der Höhe
nationalen Einkommens fungirt, und wie bei dem Worte Kapital im
Grunde nur an den „Lohnsonds“ gedacht ist, der nöthig ist, eine Anzahl
von Arbeitstagen möglich zu machen — — doch sehen wir von all diesen
Schwächen in der Herleitung der Theorie von den relativ geringsten Produktionskosten
ab und betrachten diese nach ihren Folgen, indem wir uns
sogar auf Ricardo's allgemein theoretischen Standpunkt stellen, so ist Folgendes
klar:
Ricardo gesteht selbst zu, daß mehrere Länder zusammengenommen
nicht in derselben Weife ein einheitliches Wirthschaftsgebiet find, wie ein
Land. Er folgert aber daraus nicht, daß ein Land unter Umständen im
Gegensatz zu anderen seinen größten Vortheil zu erstreben Grund haben
konne, sondern er folgert daraus nur, daß in Folge der leidigen Landesgrenzen
man sich oft unvermeidlicher Weise in Störungen des idealen Zustandes
fügen müsse, so daß ausnahmsweise das Kapital nicht dem größten
Gewinn nachziehe 2c.
Warum muß man sich in diese Störungen fügen? Ich sehe keinen
Grund ein.
Bleiben wir bei dem Beispiel von dem englischen Tuch und portugiesischen
Wein. Wenn wirklich nicht nur der Wein, sondern auch das
Tuch in Portugal an sich besser und billiger hergestellt werden kann, so
wird allerdings das englische Kapital der Tuchindustrie nicht ohne Weiteres
nach Portugal auswandern. Aber es ist durchaus möglich, es liegt im
Interesse Portugals und der ganzen Welt, daß in Portugal eine Kapitalvermehrung
stattfinde, welche, nachdem der Weinbau in seiner möglichen
Ausdehnung mit Kapital gesättigt ist, nunmehr eine allmählich aufwachsende
Tuchindustrie mit Kapital speist und dadurch ins Leben ruft. Diese aufstrebende,
unter günstigeren Verhältnissen arbeitende portugiesische Tuchindustrie
wird dann mit der englischen siegreich konkurriren und die in der
englischen Tuchindustrie ungünstig angelegten Kapitalien werden sich durch
unterlassene Erneuerung verbrauchter Kapitalien 2c. allmählich vermindern.
Es wäre thöricht von Portugal, wollte es eine Tuchindustrie erziehen,
so lange es seine sich vermehrenden Arbeitskräfte und Kapitalien mit noch
größerem Vortheil im Weinbau beschäftigen kann. Aber es wäre noch
thörichter, wollte Portugal sich mit einem gewissen Maximum seiner Bevölkerung
und seines Kapitals begnügen und ewig auf eigene Tuchindustrie
verzichten.
Eben wenn und weil ein Verkehr zwischen zwei Ländern nicht auf
absolut, sondern nur auf relativ geringeren Produktionskosten beruht, liegt
der Fall vor, daß ein Land Erwerbszweige, zu denen es alle natürlichen
Bedingungen hat, in Folge zurückgebliebener wirthschaftlicher Entwickelung
noch nicht besitzt, und dann thut es gut, sich der Reihe nach diese Er-