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fremden Gäste wurde Friedrich von dem aufgebrachten Vater wie ein lleiner
Knabe auf die herabwürdigendste Weise gescholten, ja körperlich gemißhandelt.
Ja Friedrich Wilhelm I., der sich in seinem Zorne nicht zu beherrschen vermochte,
fuhr unbesonnen genug mit den Worten heraus: „wenn er von seinem Vater
so behandelt worden wäre, hätte er sich todtgeschossen, aber Friedrich habe
keine Ehre und lasse sich Alles gefallen“.
Daher ist wohl zu begreifen, wie der Kronprinz jede weitere Bedenklichkeit
fahren ließ und nur noch eine geeignete Gelegenheit für seinen Plan abwartete.
Eine Reise nach Oberdeutschland, welche der König, wie es verlautete, unternahm,
um an mehreren fürstlichen Höfen für des Kaisers Absichten zu wirken,
und zu gleicher Zeit seiner Tochter in Anspach einen Besuch abzustatten, wurde
von Friedrich zur Ausführung ausersehen. Verabredungen mit Katte, um die
nöthigen Anordnungen wegen der Flucht zu treffen, mit Keith, von Wesel aus
sich in die Niederlande zu begeben, waren getroffen. Den jüngeren Keith, welcher
noch als Page in des Königs Diensten stand, hatte man ebenfalls in das
Geheimniß gezogen. Am 16. Juli ging die Reise von Berlin ab. In Steinfurth,
einem Dorfe zwei Stunden von Sinzheim, machte der Kronprinz den
ersten Versuch zur Flucht. Schon wurden die gesattelten Pferde vorgeführt,
denn man wollte die nicht allzuentfernte französische Grenze erreichen; aber Alles
war mit jugendlichem Leichtsinn angelegt, und deshalb durch den geringsten
Zwischenfall vereitelt. Der Page, dem gerechter Weise vor den schweren Folgen
bangte, warf sich dem König zu Füßen und gestand ihm so viel als er wußte.
Noch hielt dieser an sich, denn er wollte vollgültigere Beweise. Diese wurden
dadurch gewonnen, daß man auch Briefe von Katte über den Gegenstand auffing.
Als man von Darmstadt abgegangen war, brach endlich der Sturm los.
Statt den Kronprinzen nach Frankfurt hineinzulassen, brachte man ihn auf eine
Jacht des Königs, deren er sich zur Fahrt nach Wesel bedienen wollte. Drei
Offiziere hatten den Auftrag, über Friedrich zu wachen. Am Morgen des 8.
August fand eine Zusammenkunft des Königs mit dem Flüchtling statt. Es wird
erzählt, der zur höchsten Wuth gereizte Vater habe den Sohn mit seinem Stock
so heftig ins Gesicht gestoßen, daß Blut herabgeflossen sei, was sich nach den
schon früher vorgefallenen Scenen wohl glauben läßt, und daß Letzterer, über
diese unwürdige Behandlung empört, in die bekannten Worte ausgebrochen:
„Nie hat ein brandenburgisches Gesicht solche Schmach erlitten“. Der Oberst-Lieutenant
von Rochow erhielt den strengen Auftrag, mit seinem Kopf dafür zu
haften, daß der Prinz nach Wesel komme, und ihn, sei es „todt oder lebendig“
dort abzuliefern, worauf dieser erwiederte, man könne sich auf die Leute verlassen,
denen der Prinz zur Obhut übergeben wäre.
Am 12. langte der Zug in Wesel an, und hier erfolgte das erste Verhör
vor dem Könige. Auf die Frage, warum er habe entweichen wollen, erwiederte
der Prinz: „Weil Sie mich nicht wie Ihren Sohn, sondern wie einen gemeinen
Sklaven behandelt haben.“ — Ihr seid nichts als ein gemeiner Deserteur, der