Full text : Geschichte der Hohenzollern.

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überwinden  können,  welcher,  wenn  Sie  ihn  hätten  zum  Freunde  haben  wollen,
so  wie  er  Ihr  naher  Verwandter  ist,  mit  Ihnen  Europa  in  Furcht  und  Schrecken
hätte  setzen  können.  Ich  schreibe  dies  aus  dem  Innersten  meines  Herzens,  und
wünsche,  daß  es  Eindruck  machen  möchte;  wollen  Sie  aber  die  Sache  aufs
Aeußerste  treiben,  so  werde  ich  Alles  versuchen,  was  mir  meine  Kräfte  verstatten.
  Wenn  Ihnen  Ihre  Bundesgenossen  beistehen,  wie  es  ihre  Schuldigkeit
ist,  so  sehe  ich  im  Voraus,  daß  es  um  mich  wird  gethan  sein;  allein  es  wird
mich  rechtfertigen,  daß  ich  einen  Mitkurfürsten  von  der  Unterdrückung  habe  retten
wollen,  daß  ich  zu  der  Vergrößerung  des  Hauses  Bourbon  nichts  beigetragen,
und  daß  ich  zwei  Kaiserinnen  und  drei  Königen  habe  widerstehen  müssen.“

Dieser  Brief  half  bei  der  Hartnäckigkeit  der  Hülfsmächte  so  wenig  als
alle  übrigen  Vermittelungsversuche;  ja  im  Gegentheil  wurde  auch  noch  ein  Subsidientraktat
  zwischen  Frankreich  und  Dänemärk  abgeschlossen,  jedoch  ohne  weiteren
  Erfolg  für  den  gegenwärtigen  Kampf,  da  der  Hof  von  Kopenhagen  jeder
kriegerischen  Bewegung  abgeneigt  war.

Das  erste  Zusammentreffen  in  diesem  Jahre  fand  zwischen  den  Franzosen
und  dem  neuorganisirten  Heere  der  Verbündeten  unter  Ferdinand  von  Braunschweig
  statt.  Auch  an  die  Spitze  der  Franzosen,  welche,  80,000  Mann  stark,
die  Schmach  von  Roßbach  rächen  sollten,  war  ein  neuer  Feldherr,  Graf  von
Clermont,  Abt  von  St.  Germain,  getreten,  ein  Prinz  von  Geblüt,  und  keinesweges
  geeignet,  den  erfahrenen  Richelieu  zu  ersetzen.  Bald  wurden  in  ganz
Frankreich  wohlverdiente  Spottlieder  auf  ihn  gesungen,  denn  kaum  hatte  er  am
14.  Februar  den  Oberbefehl  in  Hannover  übernommen,  so  setzte  sich  der  Prinz
Ferdinand,  obschon  er  nur  30,000  Mann  den  80,000  Franzosen  entgegenstellen
konnte,  in  Bewegung,  und  zwang  die  Feinde  auf  allen  Seiten  zu  einer  so
wilden  und  regellosen  Flucht,  daß  sie  das  rechte  Rheinufer  vollständig  räumten
und  den  Gegnern  nicht  einmal  hier  eine  Grenze  stecken  konnten.  Mehr  als
11,000  Mann  hatten  sie  auf  diesem  schmachvollen  Rückzuge  an  Gefangenen
  verloren.

Prinz  Ferdinand  überschritt  den  Rhein  unterhalb  Emmerich,  und  griff  trotz
der  verhältnißmäßig  geringen  Zahl  seiner  von  unaufhörlichen  Anstrengungen  und
Kriegsmühen  erschöpften  Truppen  kühn  den  jetzt  zum  Widerstand  entschlossenen
Feind  bei  Krefeld  am  23.  Juni  an.  Hier  gewann  er  einen  vollständigen
Sieg  und  krönte  damit  seinen  ruhmvollen  Feldzug.  Freilich  war  trotz  aller
dieser  Erfolge  des  Prinzen  Lage  noch  immer  bedenklich,  denn  Wesel  und
Geldern  waren  in  den  Händen  der  Franzosen,  der  Prinz  Soubise  stand  in
Frankfurt  und  Hanau,  der  Herzog  von  Broglio  in  der  Nähe  von  Kassel.  Letzterer
  hatte  das  schwache,  vom  Prinzen  Ferdinand  zur  Deckung  seines  Rückens
aufgestellte  Observationscorps  geschlagen,  und  ihm  dadurch  die  Möglichkeit,  seinen
Sieg  weiter  zu  verfolgen,  genommen.  Daher  mußte  er  über  den  Rhein  zurückgehen,
  allein  auch  unter  diesen  schwierigen  Verhältnissen  zeigte  er  sich  seines
großen  Meisters  würdig.  Durch  einen  eben  so  kühnen  als  geschickt  ausgeführten