— Unser Dommerland
gnädige, deutsche Gott; er wird uns Weisheit und
Kraft geben, das Rechte zu tun und das Würdige
zu beschließen, oder Europa versinkt auf Jahrhunderte
unter Vergessenheit und Staub.“) „Geist der
Zeit" (III 195). Es geht auch daraus hervor, daß
er unter den Feinden Deutschlands die Franzosen,
Engländer und Russen nennt, mit denen wir es in
dem gegenwärtigen Kriege tatsächlich zu tun haben.
Unter diesen waren vor Ausbruch des gegenwärtigen
Krieges die Engländer und Russen uns bisher
immer befreundet gewesen. Aber Arndt sah eine
Auseinandersetzung mit ihnen als unabweislich voraus.
Er charakterisiert auch diese Nationen in derselben
Weise, wie wir sie jetzt kennen lernen. Er
nennt Frankreich „das wütende, verruchte und bluttriefende
Frankreich, ohne Freiheit, ohne Gott, ohne
Tugend“ (III 189). Er sagt von den Franzosen:
Ein Bolk, in welchem alles mechanische Fertigkeit
geworden ist, in welchem das Denkende oben liegt
umd das Empfindende zurückgetrieben oder zur Lüge
und Fratze übertrieben ist, in welchem die sinnenden
und schaffenden Geister, die uns wieder zu den
Bildern des verlorenen himmlischen Zustandes zurückmahnen,
ja zurückspielen, ausgeleert sind, ein
solches Volk hat die schönste Seite des Daseins verloren,
das, was den irdischen Zustand zuweilen
noch mit überirdischer Freude bedecken kann; ein
solches Bolk kann keine Reue haben über verlorenes
Glück, keine Sehnsucht nach höheren Gütern, die
Erde mit ihren Lüsten und Begierden fesselt es
ganz, die irdischen und elementarischen Geister, deren
Name Stol, Ehrsucht, Eitelkeit, Habsucht, kurz
deren Name Suchten ohne Unterschied sind, treiben
es in wilden Leidenschaften umher und schließen
das eitle und armselige Leben hier auf Erden schon
zu.“ (II. 87f.) Deshalb nennt Arndt auch die
Franzosen mit Recht „europäische Chinesen“, die es
bis zu einem gewissen Grade der Kultur bringen,
dann aber stehen bleiben und sich nicht weiter ent
wickeln.
Ebenso abfällig ist auch sein Urteil über die
Engländer. Er sagt über dieses Volk: „Englands.
Politik in Hinsicht Deutschlands ist in jeder Hinsicht
engherzig und erbärmlich, in Hinsicht Preustens
undankbar und schleichend, welchem es doch
am meisten zu verdanken hat, daß es wieder in
Hammover ist, daß es gebietend in Belgien und
Holland steht und daß es in Spamien nicht mehr ir,
dem gewaltigen Kampfe verbluten muß. England
zeigt es klar, daß es Deutschland nicht stark machen
will, dam es Preußens Stärke eher verkleinern als
vermehren will. Nun die Angst vor Frankreich vorbei
ist, tritt der alte Krämer wieder auf, der unsere
Meere und Ströme beherrschen und ganz
Deutschland womöglich in ein englisches Warenlager
verwandeln will. England möchte gern auch
mächtig in Deutschland stehen und es in einer Abhängigkeit
erhalten, daß es sich nie in eigener Freiheit
bewegen könne. Und wie schlecht erscheint es
und mit welchem kleinlichen und unverschämten
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Geize tritt es bei uns auf, wenn man es mit dem
Kaiser Alerander von Rußland vergleicht! Dieser
hat Oheime und Schwäger und Vettern und Schwestern,
welche auf deutschen Fürstenthronen sitzen.
Aber er hat seinen Ruhm lieber gehabt als seine
Sippschaft und für sie nicht um Land und Bolk gemäkelt
und geworben. England hingegen, mit welchem
plumpen Eigennutze stellt es sich hin, und wie
läßt es sich von einigen hannoverschen Aristokraten
leiten und durch deren kleinliche Vorteile gegen die
einzige Macht mißbrauchen, wodurch Deutschland in
sich selöst sicheren Halt und gegen Frankreichs Ehrsucht
die nötige Festigkeit gewinnen kännte. Es ist
wirklich empörend, daß es Preußen Länder und
Herrlichkeiten abdringt und Deutschlands und Preußens
Sachen so schwächlich einrichten möchte, daß
sie immer von dem Schwanze seiner Politik nachgeschleppt
und in alle Kriege hineingerissen werden
müßten, in welche es mit Frankreich oder den
bourbomischen Häufern verwickelt werden bkönnte“
(II. 48f.). Die Gegenwart lehrt, wie richtig Arndt
den Charakter der Engländer gezeichnet hat.
Ueber Rußland sagt Arndt: „Wir stellen keineswegs
in Abrede, daß Rußland eine gewaltige
Macht, daß es ein Riese ist — der erste Blick auf
die Weltkarte würde uns Lügen strafen, wenn wir
anderes behaupten wollten — auch wissen wir, daß
vorzüglich das russtsche Fußheer furchtbar ist und
wie die Römer und die Spanier unter Cordova
und Novara in geschlossenen Reihen zu siegen und
zu sterben versteht. Aber diesem Riesen fehlt gegen
uns die Beweglichkeit und Leichtigkeit, womit der
fvanzösische Tiger uns jeden Tag anspringen kanm.
Er ist ein Symbol jenes antediluvianischen Mamut,
dessen Urgebeine in den Sümpfen Nordamerikas
und in den Eisfeldern der Samojeden und Tschuktschen
eingefroren liegen. Wenn man dieses Riesenmammut
aus den unendlichen Räumen seiner weiten
Weideplätze gegen Westen treiben und versetzen
will, nimmt es im Zuge an Stärke und Kraft ab
und gelangt ermattet und abgemagert kaum mit
einem Vierteil seiner angeborenen Gewaltigkeit zu
dem Kampfplatz, wo es streiten soll“ (III. 105
vergl. damit S. 35).
In diesem Kriege muß Deutschlands Grenze anders
festgelegt werden als bisher. Der Nhein darf
nicht mehr Deutschlands Grenzo sondern muß
Deutschlands Strom sein (vergl. „Der Rhein
Deutschlands Strom, aber nicht Deutschlands
Grenze“ v. J. 1813). Die urdeutschen Landesteile
z. B. Belgien müssen wieder zu Deutschland geschlagen
werden. („Ueber Preußens rheinische Mark
und siber Bundesfestungen“. 1815: „Die Frage
über die Niederlande und die Rheinlande, 1831“.
— „Belgien und was daran hängt, 1834).
Vor allem muß Deutschland aber wieder einen
Herren haben, der als Heerkönig an der Spitze seines
Landes steht. „Das große und herrliche deutsche
Volk darf nicht ferner schwächlich und verächtlich
sein, damit einige kümmerliche Dynastien ihr
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