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nußbestände, die den Vergleich mit der Nordküste
der Gazellenhalbinsel sehr wohl aushalten. Auch
im übrigen war der Bestand an Palmen in allen
Dörfern sehr reichhaltig. Von Dagoi aus führte
ein 24 Kilometer langer Marsch über Bogia
nach Potsdamhafen. Ich fand dort alles
ruhig. Die Orakoza-Leute hatten sich seit der
letzten Züchtigung still verhalten.') Sie müssen
noch mehrere Verwundete haben, da sie sich durch
Vermittlung der Iku-Leute wiederholt Verband-
zeug bei der Mission bestellten.
Von Potsdamhafen aus lief ich nochmals
Tombenam an. Wie zu erwarten war, wurden
mir die Gefangenen nicht ausgeliefert. Tom-
benam sowie Kaiten waren verlassen. Ich setzte
mich auf der Insel Pataky fest. Diese ist nun-
mehr durch einen breiten Sanddamm mit dem
Festland verbunden. In Pataky blieben wir
einen Tag. Dort wurden fünf große Tanz-
trommeln der Tombenam= und Kaiten-Leute be-
schlagnahmt. Diese Trommeln können, mangels
des dazu nötigen Holzes, in Hatzfeldhafen nicht
hergestellt werden, sondern werden gegen Eber-
zähne von der Vulkaninsel Manam eingetauscht.
Sie stellen infolge ihres Wertes ein äußerst ge-
hütetes Besitztum der Eingeborenen dar und
waren sorgfältig im Busch versteckt. Vier, zum
Teil sehr große Kanus wurden durch Zerschlagen
unbrauchbar gemacht und außerdem die Häuser
der beiden Eingeborenen Gomoi und Matabul
verbrannt. Im übrigen habe ich beide Dörfer
unversehrt gelassen. Auf dem Rückweg wurde
nochmals Malala angelaufen und von dort aus
in zwölfstündiger ununterbrochener Fahrt die
Heimreise vollendet.
Die Ergebnisse der Expedition möchte ich
folgendermaßen zusammenfassen:
Die eingetretene Bestrafung ist genügend. Es
wäre eine nutzlose Grausamkeit gewesen, die
Dörfer niederzubrennen. Ich nehme an, daß die
Eingeborenen das Einsehen gehabt haben, daß es
sich um eine verdiente Bestrafung gehandelt hat
und daß es vielleicht beim nächsten Besuch des
Dorfes gelingt, in friedlichen Verkehr zu treten.
Ein Niederbrennen der Dörfer hätte höchstwahr-
scheinlich einen Wegzug der Eingeborenen von
der Küste zur Folge gehabt.
Wenn mir auch die Gebiete zwischen
Friedrich-Wilhelmshafen, Elisabethhafen
und Kronprinzhafen noch nicht genauer be-
kannt find, so möchte ich doch jetzt schon die Be-
hauptung wagen, daß die Herstellung eines Reit-
weges zwischen Friedrich-Wilhelmshafen und
Potsdamhafen nicht einmal das Maß von
Kapital und Arbeit erfordern würde, wie die
*) Val. „D. Kol. Bl.“ 1908, Nr. 5, S. 231 f.
Herstellung einer Straße zwischen Friedrich-
Wilhelmshafen und Stephansort. Der von
mir begangene Teil des Geländes gestattet nur
an wenigen Stellen das Reiten nicht. Im
übrigen würde es sich nur um die Verbreiterung
der bereits bestehenden, ganz komfortablen Ver-
bindungswege zwischen den einzelnen Dörfern
handeln sowie um die Korrektur einiger schwieriger
Stellen. Flußläufe sind nicht zu überbrücken.
Die baldige Inangriffnahme eines derartigen
Reitweges erscheint höchst wünschenswert, weil
damit die Organisation der gesamten zahlreichen
Küstenbevölkerung in Angriff genommen werden
könnte. Häuptlinge sind in den sämtlichen Ort-
schaften vorhanden. Das ganze Wesen der Ein-
geborenen zeigt deutlich, daß sie fast nie mit den
Europäern in Berührung gekommen sind. Die
Eingeborenen machen ganz entschieden den Ein-
druck, als ob sie leicht lenkbare und weißem
Einfluß unschwer zugänglich zu machende Leute
seien.
Die Fruchtbarkeit des Bodens in dem größten
Teile des besichtigten Geländes ist erstaunlich.
Ich sah riesige Eingeborenen-Pflanzungen. Der
Tabakbau der Eingeborenen steht in hoher Blüte.
Die Ergiebigkeit der Palmen an dicken großen
Nüssen ist enorm.
Nach Angabe der Eingeborenen findet sich
Gutta in den Hängen der Tamberrokette sowie
am Prinz August= und Prinz Adalbert-Berge.
Persönliche Nachforschung war mir wegen Zeit-
mangels leider nicht möglich. Der Eingeborenen-
name für die Gutta lautet „nebegru"“.
Der Arbeiteranwerbung in diesen Gebieten
sowie auch im Hinterlande werden noch aus-
gezeichnete Resultate zu prophezeien sein. Die
Dorfältesten von Malala haben mir acht ihrer
Leute auf drei Jahre unter der Bedingung an-
vertraut, daß sie einmal, um ihre Heimat und
ihre Verwandten zu sehen, mit dem „Seestern“
kommen dürften.
Bei den Kannidalen der Kdmiralitäts-Inseln.")
Die Usiai-Leute hatten im Februar d. Is.
eine Bootsbesatzung von vier Mann überfallen
und aufgefressen. Sofort nachdem die Bestrafung
der Eingeborenen beim Gouvernement beantragt
war, trat der „Seestern“ eine Reise nach den
Admiralitäts-Inseln an.
Er ging am 21. April in der großen Nord-
lagune der Admiralitätsgruppe vor der Insel
Ponam vor Anker. Dort wurden 40 ein-
*) Aus dem Bericht des Kaiserl. Bezirksamtmanns
von Herbertshöhe über eine Reise nach den Admira-
litäts-Inseln und nach Eitapé.
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