Full text : Meyers Großes Konversations-Lexikon. Zweiter Teil. (2)

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gewehr,  7)  leichte  Herstellung  in  Massen.  Für  den
arabiner,  die  Waffe  der  Kavallerie  und  einiger
Spezialtruppen,  gelten  im  allgemeinen  dieselben
forderungen.  Nur  bedingt  die  notwendige  geri
Länge  des  Laufes  eine  schwächere  balllstische  Leistung.
Die  Hauptteile  des  Gewehres  find  Lauf,  Vifiereinrichtung,
  Verschluß.,  Mehrladevorrichtung  und  Schaft.
Der  Lauf  hat  den  Zweck,  dem  Geschoß  die  Richtung
  und  die  nötige  Drehung  zur  Erhaltung  seiner
Stabilität  zu  geben.  in  Herstellungsmaterial  ist
bester  Stahl  mit  den  Eigenschaften  zäh,  fest  bei  ausiebiger
  Dehnung.  Durch  Zusatz  von  Nickel,  Kobalt,
olfram,  Chrom  u.  a.  ist  der  heutige  Gewehrstahl  von
außerordentlicher  Güte  (Festigkeit  7—  8000  kalqem,
Elastizitätsgrenze  —5000  kg'ocm,  Dehnung  18—25
Proz.).  Der  Stahlstab  wird  geschmirdel.  ewalzt,  gebohrt,
  gezogen,  abgedreht  und  gerichtet.  *  Fertigseellung
  des  Laufes  in  der  Massenherstellung  sind  beim
schen  Armeegewehr  1/98  67  verschiedenartige  Bearbeitungen
  notwendig  (geschmiedeter  Laufstab  2500
,  fertiger  Lauf  1286  g).  Entsprechend  dem  nach  der
dung  zu  abnehmenden  Gasdruck  nimmt  auch  die
Wandstärke  des  Laufes  ab.  Zwecks
besserer  Einlagerung  in  den  Schaft
ist  der  Lauf  mit  mehreren  Absätzen
versehen,  die  auch  beim  Heißwerden
  demselben  eine  weitergehende
Rusbehnung  gestatten.  heoretisch
  müßte  der  Lauf  so  lang  sein,
daß  die  treibende  Kraft  an  der
Mündung  gleich  Null  ist,  um  die
Gesamtmasse  der  Pulvergase  auszunutzen.
  Aus  Gründen  der  Handlichkeit
  muß  jedoch  diese  Forderung
fallen  gelassen  werden.  Im  allgemeinen  beträgt  die
Länge  eines  Infanteriegewehrlaufes  700—800  mm.
die  eines  Karabiners  430—490  mm.  Die  Bohrung
des  Laufes,  die  „Seelee,  besteht  aus  dem  glatten
Patronenlager  und  dem  zylindrisch  gehaltenen  "
zogenen  Teil.  Das  Patronenlager  paßt  sich  den  Abmessungen
  der  Patronenhülse  an.  Der  gezogene
Teil  faßt  eine  Anzahl  von  Lüger  (Textfig.  1),  die
dem  Geschoß  eine  gesicherte  Führung  geben  sollen.
Die  Drehung  der  Züge  oder  der  Drall“  (rechts  und
links)  ist  mit  Ausnahme  vom  italienischen  Armeeewehr,
  das  Progressivdrall  (zunehmenden  Drallwinel)
  besitzt,  bonstant.  Die  Drehung  der  Züge  wird  in
Winkeln  oder  Längen  ausgedrückt:  Drallwinkel  ist  der
Winkel,  den  die  Führungskante  eines  Feldes  mit  einer
in  der  Seelenwand  gedachten,  der  Seelenachse  gleich.
laufenden  Linie  bildet.  Die  Drallänge  ist  die  Länge,
welche  angibt,  wie  lang  der  gezogene  Teil  sein  müßte,
wenn  die  Züge  in  ihm  gerade  eine  volle  Umdrehung
emacht  hätten.  Die  Stärke  des  Dralls  ist  meist  erahrungsgemäß
  festgestellt,  wie  überhaupt  die  Drallverhältnisse
  noch  wenig  geklärt  sind.  Aus  Gründen
einer  bequemen  Herstellung  werden  meist  vier  Züge
geschnitten,  seltener  3,  5,  6  und  7.  Die  Tiefe  der  Züge
beträgt  0,1—0,2  mmr,  ihre  Breite  2,3—4,5  mm.  Die
Art  der  Züge  bei  verschiedenen  Militärgewehren  geht
aus  den  Textfiguren  2—4  hervor.  Welches  als  das
beste  Zugsystem  angesprochen  werden  kann,  läßt  sich
nicht  sagen.  Deutschland  bevorzugt  den  rechtwinkligen
Zug  mit  oben  abgerundeten  Ecken.  Gemessen  wird
die  Seelenweite  des  Laufes  oder  das  Kaliber  zwischen
wwe  gegenüberliegenden  Feldern;  es  schwankt  zwichen
  6  und  8  mm.  Einige  Kaliberstufen  sind  aus  der
Tabelle  auf  S.  284  zu  ersehen.  Um  dem  Geschoß  den

Fig-  1.  Laufquer--schnitt.


a  Zug,  d  Feld.

ere  teil  verbunden.  Einigen  Waffen  ist

III.  Technik  und  Kriegführung

Eintritt  in  den  gezogenen  Teil  zu  erleichtern  und  den
Kückstoß  beruhzönbelerrn.  sind  der  gezogene  Teil  und
das  Patronenlager  durch  einen  —
zur
Laufmaterials  umd  zu  ihrer  leichteren  Handhabung
ein  Laufmantel  oder  ein  Handschug  ausgelegt.
Die  Bisiereinrichtung,  aus  Bisier  und  Korn
t  I.  Fig.  1—6)  bestehend,  gibt  dem  Lauf  einen
ehöhun  für  bestimmte  Schußweiten.  Um
die  Fehler  des  Schützen  einzuengen,  find  lange  Bifierlinien
  vorzuziehen  (600—700  mm).  Man  unterscheidet
  Rahmen-,  Treppen-,  Rahmen--Treppen-,
Kurven-,  Quadranten-  und  Fernrohrvisiere.
tere  find  militärischerseits  erst  während  des  Krieges
auf  beiden  Seiten  in  die  Erscheinung  getreten.  Auf
englischen  Gewehren  angebrachte  Zielfernrohre  amerikanischen
  Ursprungs  find  etwa  18cmlang,  habensechsfache
  Vergröß  und  etwa  7  cm  Augenabstand:
als  en  vient  en  auf  Glasplatte  eingeritztes
Kreuz.  Fernerhin  ist  eine  Horizontallinie  eingeritzt,
die  auf  1000  Yards  die  Mannshöhe  von  1.758  m  angibt.
  Die  Skala  geht  bis  3000  Yards.  Anforderunen
  an  ein  Visier  sind:  Einfachheit  im  Einstellen  und
eies  Gesichtsfeld.

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Fis.  2  Onterreich.  Fis.  2.  Danemark.  Fe.  4.  Nußland.
Fi.  2—4.  gugprofile.

Der  Berschluß,  auch  kurz  das  Schloß  genannt,
bildet  den  rückwärtigen  Abschluß  der  Seele,  dient
als  Stoßboden,  besorgt  das  Spannen,  Abfeuern  und
wirft  die  abgeschossene  Patronenhülse  heraus.  Fast
allgemein  ist  der  Zylinderdrehverschluß  in  Anwendung
  (eine  in  einer  Hülse  bewegliche  Kammer,  in
deren  Bohrung  Schlagbolzen  mit  Feder  eingelagert
find),  der  durch  Seitwärts=  und  Rückwärtsbewegung
betätigt  wird.  Vereinzelte  Staaten  führen  den  Geradezugverschluß
  (Tafel  1,  Fig.  7),  einen  Verschlußzylinder,
  der  sich  schraubenartig  durch  Rückbewegung
des  Kammergriffs  in  einem  anderen  Hohlzylinder  bewegt.
  Hierdurch  ist  zwar  der  Ladegriff  vereinfacht,
aber  es  sind  auch  hiermit  einige  Nachteile  mit  in  Kauf

enommen,  wie  ungünstige  Hebelverhältnisse  beim
ern  derabgeschossenen  Patronenhülse,  Vorkommen
von  selbstlätigem  Offnen  des  Verschlusses  usw.  Von
besonderer  Bedeutung  beim  Verschluß  ist  die  Verriegelung,
  seine  saugende  Festlegung,  um  den  Stoß
der  Pulvergase  auszuhalten  und  den  rückwärtigen
gasdichten  Abschluß  der  Waffe  zu  gewährleisten.  Es
geschieht  dies  in  der  Weise  (Tafel  VI,  Fig.  1),  daß
durch  eine  Drehbewegung  des  Verschlußsystems  Warzen
  am  Verschlußzylinder  in  Ausschnitte  der  Kammerhülse
  gelegt  werden.  Günstig  ist  die  Warzenanordnung
  möglichst  weit  vorn,  und  zwar  je  eine  auf  jeder
Seite,  wodurch  die  Treffähigkeit  der  Waffe  ganz
bedeutend  erhöht  wird.  Eine  gute  und  feste  Verriegelung
  ist  die  Vorbedingung  für  eine  Gleichmäßigkeit
  der  Schußleistung.  Sämtliche  neuzeitlichen  Verschlußeinrichtungen
  sind  Selbstspanner,  d.  h.  durch
Vor=  oder  Rückwärtsbewegung  des  Schlosses  erfolgt
die  Spannung  des  Verschlusses  bei  möglichst  geringer
Kraftentfaltung  seitens  des  Schützen.