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Deutsch-MNeuguinea.
Dr. Friedericls Südsee - Reisen 1909.
Als Hauptmann Friederici nach Beendigung
der Bismarck= Archipel = Expedition des
Reichs-Kolonialamts im März 1909 in Colombo
(Ceylon) weilte, erhielt er von dem hanseatischen
Südseesyndikat") das Angebot, die Leitung
einer trefflich ausgerüsteten Expedition zu übernehmen,
die mit Hilfe eines zu diesem Zwecke
gecharterten Dampfers „Natuna“ in der Südsee
Phosphatinseln suchen und auf ihre Abbauwürdigkeit
untersuchen sollte. Nach Verständigung
mit den zuständigen Stellen in Deutschland übernahm
Friederici die Leitung dieser Expedition,
die am 24. März 1909 von Singapore auslief
und am 24. Oktober v. Is. dort wieder aufgelöst
wurde. Außer Friederici beteiligten sich an der
Expedition die Bergingenieure Pilz und Schön,
der Obersteiger Prager und der Zoologe Dr.
Wolf.
Die Fahrt ging zunächst nach Labuan, wo
Kohlen eingenommen wurden, dann nach der
deutschen Phosphatinsel Angaur im Palau=Archipel,““')
hierauf nach Neuguinea, wo bei
Sassano gelandet werden sollte. Beim Landungsversuch
kenterte das Boot infolge der Ungeschicklichkeit
der chinesischen Besatzung in der Brandung,
nur mit Mühe vermochte Friederici mit seinen
europaischen Begleitern und einem Teil der chinesischen
Bootsleute sich zu retten; vier Chinesen
ertranken; ein Teil der wissenschaftlichen und
sonstigen Ausrüstung ging verloren. Um der
Minderwertigkeit der chinesischen Schiffsbesatzung
entgegen zuwirken, wurden teils in Neuguinea
(Eitapé) teils im Bismarck-Archipel (Käwieng und
Lamassa) eine Anzahl Melanesier mit Zustimmung
der Behörden angeworben — zusammen achtzehn
Mann, die sich im Laufe der Expedition trefflich
bewährten und am Ende derselben wieder vollzählig
und in guter Gesundheit in ihrer Heimat
gelandet werden konnten.
Die Expedition berührte und untersuchte einen
Teil der Schouten-Inseln und der Neupommern
*, Das Syndikat setzt sich aus folgenden Firmen
miammen: Norddeutscher Llond, Deutsche Nationalbank-Bremen,
A. G. „Tellus“-Frankfurt a. M., Wm. O. Müller
4 Co.-Haag. Deutsche Bank-Berlin, Chemische Werke
dorm. H. & E. Albert-Bibrich a. Rh., A. G. der ehem.
Kroduktenfabrik-Pommensdorf,. Edmund J. H. Sinners-Lamburg.
*") Hier hatte schon 1907 eine an Bord der „Natung"
jabrende Erpedition des „Deutschen Südscephosphat-Smdikats-
das Vorhandensein eines groszen Phosphatlagers
festgestellt, zu dessen Ausbentung 1908 die
„Deutsche Südscephosphat-Aktiengesellschaft“ mit einem
dapital von 4½ Mill. Mark gegründet wurde. Der
Abban erfolgt unter Leitung des Regierungsbaumeisters
Tuektors Schönian.
im Süden vorgelagerten Eilande, ferner die Insel
Mait (Redland) südwestlich von Djaul (Sandwich-Insel),
schließlich eine größere Zahl der im Nordwesten,
Norden und Osten von Neumecklenburg
liegenden Inseln von St. Matthias an bis
Nissän. Das Sable Island der Karten (östlich
von Süd-Neumecklenburg) existiert nicht, wie gelegentlich
dieser Fahrt festgestellt werden konnte.
Nach Kohleneinnahme in Rabaul (Simpfonhafen,
Gazelle-Halbinsel) und Besuch der Neuen
Hebriden, der Fidji-Inseln und des Tonga-Archipels
wurde Apia angelaufen; hierauf wurden fünf
Inseln der Cook-Gruppe untersucht, sodann Papeete
(Tahiti) berührt und eine Anzahl der
Tuamotu-Inseln aufgenommen. Nach abermaligem
Anlaufen von Papeete und Apia und
einem kurzen Besuch des Vulkans von Savauli
kamen Annda (S. Cruz-Inseln), das Sikayana-Atoll
sowie Gower-Insel (britische Salomonen)
an die Reihe. Darauf ging die Fahrt nach den
deutschen Salomonen: die Westküste Bougainvilles
wurde an zwei Stellen betreten, die Insel
Buka von Dr. Friederici und Bergingenieur Schön
zweimal durchquert, worauf die „Natung“ wieder
nach dem Bismarck-Archipel zurückkehrte. Nach
der Untersuchung von einigen der kleineren Inseln
der Admiralitäts-Gruppe wurde wieder Eitapé
auf Neuguinea angelaufen, hierauf in den Karolinen
Jap, Mogormog und Feis“) besucht,
auf dem Rückweg nach Singapore noch Angaur
und Manila berührt.
Wenngleich die „Natuna“"-Expedition in erster
Linie wirtschaftliche Ziele verfolgte, so hat sie doch
auch bedeutende wissenschaftliche Resultate zu verzeichnen.
Ein Mitglied der Expedition, der Zoologe
Dr. Wolf, hat wertvolle zoologische Sammlungen
angelegt, Dr. Friederici und die übrigen
Mitglieder der Expedition aber haben zahlreiche
Beiträge zu einer genaueren geographischen und
geologischen wie ethnographischen Kenntnis der
von der Expedition berührten Inseln geliefert.
Vor allem aber war die zweimalige Durchquerung
der IJnsel Buka (30. August bis 1. Sept. 1909)
durch Dr. Friederici und Ingenieur Schön sehr
wichtig, da sie uns zum ersten Male genanere
Auskunft über das Innere dieser Insel gibt. Wohl
hatte der damalige Kaiserliche Richter Dr. Hahl
schon in den neunziger Jahren des vorigen Zahrhunderts
einmal Buka durchquert; doch ist über
die wissenschaftlichen Ergebnisse dieser Durchquerung
niemals Genaueres bekannt geworden; im Jahre
1908 aber führte ein Ausflug nach dem Innern
der Insel den Gonverneur Dr. Hahl und mich
nur bis zum Gipfel des Nuch-Berges im Süd-Feis,
wo schon die erste „Natung“"-Erpedition
ein Phosphatlager nachgewiesen hatte, wurde genau
untersucht.