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bei, und so kamen sie nach und nach sogar mit den übrb
gen allgemeinen Kirchengesetzen in ein fast vollkommen
gleiches Ansehen. ·
Man hat allgemein zugegeben, daß bis auf die Kirchen-Versammlung
von Chalcedon (vom Jahr 454) Jeder nach
Gutduͤnken sich seine Codices canonum gesammelt, jede Kirche
eiwa ihren eigenen gehabt habe, wenigstens schon dadurch einen
von den übrigen verschiedenen, weil sie manche Provinzial=Verordnung
ihres Sprengels aufnahm, von denen eine andere
Kirche vielleicht gar nichts wußte. Manche Kirchen
wurden wohl auch fast bis auf diese Zeit hin durch Observanz
regiert, wenigstens war ein geschriebenes Kirchengesetzbuch nicht
gerade nothwendig, weil über den kaiserlichen Verordnungen
der Statthalter wachte, und auf die Beobachtung der auf
Synoden abgefaßten Schlüsse der Bischof, der etwa selbst
zugegen war, drang. Man darf sich gar nicht wundern, daß
eine Gesellschaft so lange ohne ein geschriebenes Gesetzbuch
bestehen konnte, denn hatte doch Rom selbst, ehe die zwölf
Tafeln aufkamen, keine Sammlung geschriebener Gesetze.
Die Synode von Chalcedon soll eine neue Epoche
in der Gesetzgebung der Kirche machen. Weil man
bei so viclen widersprechenden Synodalschlüssen wirklich eigentlich
nie recht wissen konnte, welche denn gültig seyen, weil
einige selbst der vorzüglichsten (z. B. die Konstantinopolitanischen
und Ephesischen) wirklich noch sireitig waren, und bei
der großen Ausbreitung der chrisilichen Kirche, die in diesem
geitalter schon statthatte, Manches etwa auch noch nicht so
allgemein bekannt war, so soll die Synode von Chalcedon ein
gewisses Kirchengesetzbuch festgesetzt und gebilligt
haben. « · " '
Man kann hier an einem merkwürdigen Beispiel sehen,
wie man oft aus ein paar historischgewissen Umständen, durch