Full text : Deutsches Kolonialblatt. XXVIX. Jahrgang, 1918. (29)

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Weise  hewor,  daß  die  Gesellschaft  ihre  Besitzungen
jedermann  ohne  irgendwelche  Beschränklung  und
Vorbehalt  zugänglich  macht.  Seit  sechs  Jahren  ist
sie  bemüht,  dem  einen  gemeinnützigen  Zwecken  dienstbaren
  Unternehmen,  das  ausschließlich  humanitäre
Ziele  verfolgt,  gedeihlichen  Fortgang  zu  geben,  und
stützt  sich  dabei  ausschließlich  auf  ihre  eigenen  Mittel
und  Hilfsquellen.  Sie  hat  bis  jetzt  übrigens  an  der
Begründung  von  Stationen  gearbeitet,  ohne  sich  mit
deren  eigentlicher  Organisation  zu  beschäftigen.  Vertreten
  wird  die  Gesellschaft  durch  ihren  Präsidenten
Herrn  Strauch,  Belgier  von  Nation,  der  in  ihrem
Namen  verhandelt;  in  der  Zahl  ihrer  Mitglieder  ist
namentlich  eines,  das  die  nötigen  Fonds  hergibt.

.  Man  muß  im  Auge  behalten,  daß  die  Gesellschaft
nur  eine  temporärc  ist,  die  eines  Tages,  wenn  sie  ihr
Werk  als  beendet  ansieht,  wieder  verschwindet.  Die
von  ihr  in  das  Auge  gefaßte  Aufgabe  ist,  im  Innern
Afrikas  einen  unabhängigen  Staat  zu  gründen,  als
Hüter  der  Freiheit  auf  dem  großen  Strom,  den  sie
dem  Handel  erichließen  will.  Die  Gesellschaft  treibt
selbst  keine  Geschäfte,  sie  ebnet  nur  den  Boden  für
dieselben,  sie  öffnet  ein  weites  Gebict  dem  Handel
aller  Nationen,  ohne  eine  derselben  zu  begünstigen.
Sie  wendet  sich  nur  an  das  Publikum,  wenn  es  nötig
ist,  Irrtümer  zu  berichtigen,  die  ihr  zur  Last  gelegt
werden,  sie  verlangt  von  niemand  das  geringste  Opfer,
obgleich  ihre  Bemühungen  und  Aufwendungen  jedermann
  zugute  kommen  sollen,  und  appelliert  ausjchließlich
  an  die  Börsen  ihrer  eigenen  Mitglieder.

Die  Gesellschaft  weiß  sehr  wohl,  daß  sie  den  neuen
Staat  mit  einer  politischen  Verfassung  ausstatten  und
finanziell  so  stellen  muß,  daß  dieser  nicht  gezwungen
ist,  seine  Mittel  aus  Zöllen  zu  entnehmen  und  daß
sie  gezwungen  ist,  eine  zu  seinem  und  zu  anderer
Schuß  dienende  Macht  zu  unterhalten.

Vor  der  Entsendung  Stanleys  nach  Afrika  hatte
die  Gesellschaft  ein  sehr  bedeutendes  Kapital  aufgebracht,
  dessen  Zinsen  für  den  gegenwärtigen  Unterhalt
  derselben  ausreichen.

An  dem  Tage,  an  welchem  sie  das  neue  Staatswesen
  in  die  Staatenfamilie  der  beiden  Hemisphären
eintreten  sieht,  wird  sie  denselben  das  von  den  Mitgliedern
  durch  Subskription  aufgebrachte  Vermögen,
als  ihrem  Rechtsnachfolger,  zedieren.

Die  Gesellschaft  wird  ihre  Schöpfung  den  anderen
Mächten  nicht  aufdrängen,  aber  sie  wird,  wenn  es
gewünscht  wird,  den  Beweis  vor  denselben  führen,
daß  sie  inistande,  ihr  Werk  lebensfähig  zu  erhalten,
ebenso  wie  sie  bereits  durch  ihre  Arbeiten  dargetan
hat,  daß  sie  dic  Mittel  besaß,  um  dasselbe  zu  begründen
und  zu  entwickeln.

Im  Interesse  des  Unternehmens,  wie  im  Interesse
der  Zivilisation  in  Afrika  wünschte  die  Gesellschaft,
sich  mit  Frankreich,  ihrem  Nachbar  am  Kongo,  in
offizieller  Weise  zu  verständigen,  da  ihr  daran  lag,
daß  Konflikte  zwischen  den  französischen  und  ihren

 

Agenten  vermieden  würden.  Dies  ist  geschehen,
Frankreich  wünschte  eine  Bürgschaft  für  die  Dauer
der  Gesellschaft  und  erbat  sich  eine  offizielle  Erklärung,
die  besagte,  daß  die  Gesellschaft  ihr  Territorium  an
keine  andere  Macht  weder  abtreten  noch  verkaufen
wolle.  Eine  solche  Erklärung  ist  abgegeben  worden,
aber  aus  Besorgnis,  daß  ein  derartiger  Vertrag  nicht
etwa  die  der  Gesellschaft  seindlich  gegenüberstehenden
Unternehmungen  ermutigen  möchte,  hat  die  Gesellschaft
einen  Vorbehalt  in  die  mit  Frankreich  getroffene  Vereinbarung
  eingefügt.  Indem  sie  nämlich  sich  die
Freiheit  vorbehielt,  ihren  Besitz  zu  Gelde  zu  machen
und  dabei  Frankreich  ein  Vorrecht  einräumte,  hat  die
Gesellschaft  ihre  Gegner  darauf  aufmerksam  machen
wollen,  daß  etwaige  Anstrengungen,  dem  internationalen
  Werk  zu  schaden,  sich  im  Fall  eines  Ge
lingens  gegen  die  Urheber  solcher  Besitzstörung  wenden
könnten.  Dank  dieser  Übereinkunft  ist  der  Friede
zwischen  Frankreich  und  der  Gesellschaft  gesichert,  und
hat  die  Republik  zugesagt,  das  Gebiet  und  die  Stationen
derselben  zu  respektieren,  ebenso  die  von  den  Häuptlingen
  erworbenen  Rechte.  Wenn  die  Gesellschaft  in
Zukunft  die  Wahrnehmung  machen  sollte,  daß  es  ihr
nicht  gelinge,  ihre  Schöpfung  von  den  Mächten  anerkannt
  zu  jehen,  dann  hat  sie  jederzeit  das  Recht,
diese  letzteren  auf  Frankreich  zu  übertragen.

Die  Gesellschaft  hat  niemals  danach  gestrebt,  den
Besitz  der  gesamten  Ufer  des  Kongo  zu  erlangen,  sie
hat  nur  gestrebt,  eine  räumlich  genügende  Ausdehnung
sich  zu  sichern,  damit  ihr  Besitz  in  wirksamer  Weise
die  Freiheit  des  Handels  in  dem  großen  Kongotal
gewährleiste.  Das  Abkommen  mit  Frankreich  verbürgt
diese  Freiheit,  und  es  wird  von  den  anderen  europäischen
  Mächten  abhängen,  sic  ihrerseits  cbenfalls
dadurch  anzuerkennen,  daß  sie  mit  der  Gesellschaft
darüber  in  Unterhandlungen  eintreten,  oder,  was  noch
besser  wäre,  indem  sie  mit  dem  neuen  Staatswesen,
das  von  der  Gesellschaft  bei  Proklamation  einer
politischen  Verfassung  für  dasselbe  in  das  Leben  gerufen
  werden  wird,  sich  ins  Einvernehmen  setzen

Der  Artikel  stammte  von  einem  belgischen  Journalisten,
  Victor  Gantier,  der  seit  Anfang  der  siebziger
Jahre  in  Berlin  lebte.“)  Er  besaß  ein  ziemlich  weit
gehendes  Wissen  und  war  unter  anderem  auch  der
Verfasser  eines  etymologischen  Wörterbuches  der
geographischen  Ortsnamen  Belgiens.  Korrespondent
des  „Echo  du  Parlement“  in  Brüssel  und  des
vPrécurseur“  in  Antwerpen,  war  er  zugleich  im
*)  Gantier,  der  etwa  1903  in  Berlin  aus  dem
Leben,  Schied  stand  mit  dem  Tagesschriftsteler  Lossius

09)  der  zur  Zeit,  als  v.  Hammerstein  Chef=Kradh
  der  Kreuzzeitung  war,  für  diese  die  kolonialen
  Berichte  und  Notizen  lieferte  und  später  für  die
Tägliche  Rundschau  und  Blätter  in  der  Provinz  derartige
  Berichte  verfaßte,  in  Verbindung.  Auf  diesem
Wege  sind  manche  den  Kongo  betreffende,  günstig
lautende  Nachrichten  in  die  deutsche  Presse  gebracht
worden.