Metadata : Deutsche Heerführer im Kriege 1914. Band 2. (2)

in  der  historischen  Abteilung  eine  Betätigung  fand,  die  seinen
Kenntnissen  und  Intentionen  vollkommen  entsprach.  Im
Jahre  1872  wird  von  der  Goltz  Vermessungsdirigent  bei  der
topographischen  Abteilung.  Wir  sehen  ihn  dann  im  Jahre  1874
beim  Generalstab  der  6.  Division  und  im  Juni  1877  als  Kom—
pagniechef  beim  96.  Infanterie-Regiment.  Diese  Versetzung
soll  mit  der  Herausgabe  des  Buches  „Léon  Gambetta  und  seine
Armee“  (Berlin  1877)  im  Zusammenhang  gestanden  haben.  In
diesem  Werke,  das  bei  seinem  Erscheinen  in  militärischen  Kreisen
großes  Aufsehen  erregte,  befürwortete  nämlich  Freiherr  von  der
Goltz  die  zweijährige  Dienstzeit.  Nachdem  er  gerade  ein
Jahr  lang  als  Kompagniechef  tätig  gewesen  war,  wurde  er
wieder  zur  kriegsgeschichtlichen  Abteilung  des  Großen  General—
stabes  zurückberufen  und  gleichzeitg  zum  Major  befördert.  Ab—
gesehen  von  den  wenigen,  kurzen  Unterbrechungen  wirkte  Frei—
herr  von  der  Goltz  nahezu  zwölf  Jahre  hindurch  im  General—
stab.  Neben  der  Fertigstellung  des  groß  angelegten  General—
stabswerkes  über  den  deutsch-französischen  Krieg  von  1870/71
vollendete  Freiherr  von  der  Goltz  in  dieser  Zeit  folgende  Werke:
„Die  Operationen  der  zweiten  Armee  bis  zur  Kapitulation  von
Metz“  (erschienen  1874),  „Die  sieben  Tage  von  Le  Mans“  (1874),
„Die  Operationen  der  zweiten  Armee  an  der  Loire“  (1875)  und
das  bereits  genannte  Buch  „Léon  Gambetta  und  seine  Armee“,
das  ob  seines  wertvollen  Inhaltes  auch  ins  Französische  übersetzt
  wurde.  Des  Freiherrn  von  der  Goltz  wissenschaftliche
Tätigkeit  fand  auch  darin  ihren  Ausdruck,  daß  er  Kriegsgeschichte
  an  der  Kriegsakademie  lehrte.

Das  Jahr  1883  brachte  in  das  Leben  und  Wirken  des
kenntnisreichen  Offiziers  eine  einschneidende  Veränderung,  als
Freiherr  von  der  Goltz  am  1.  Juni  eine  ursprünglich  auf  drei
Monate  berechnete  Urlaubsreise  nach  der  Türkei  antrat.  Bald
nach  seiner  Ankunft  in  der  Türkei  trat  er  in  die  Dienste  der  türkischen
  Armee  über  und  blieb  nun  durch  12  Jahre  im  osmanischen
  Reich.  Freiherr  von  der  Goltz  wußte  sich  bald  das  Vertrauen
  und  die  Zuneigung  des  Sultans  in  solch  hohem  Maße