Full text : Deutsches Kolonialblatt. XXX. Jahrgang, 1919. (30)

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3.  Stauzen  und  Prägen.  Aus  den  serliggewalzten
  Metallstreifen  wurden  durch  eine  mechanisch
  angetriebene  Stanzmaschine  die  Münzplättchen
  herausgestanzt.  Diese  Maschine,  eine
kombinierte  Stanze  und  Schere,  mit  der  man
sonst  im  Werkstättenbetrieb  Bleche,  Platten  und
Stabeisen  zu  schneiden  pflegte,  wurde  gleichzeitig
zur  Prägemaschine  umgebaut,  so  daß  auf  der
einen  Seite  die  Stanze  arbeitete,  während  auf
der  anderen,  wo  bisher  die  Schere  sich  befand,
die  Prägeapparatur  angebracht  wurde.  Der  Antrieb
  für  Stanze  und  Schere  war  gemeinsam,
doch  waren  für  jede  besondere  Ausschaltvorrichtungen
  vorhanden.

Nachdem  die  ausgestanzten  Münzplättchen
»um  sie  genügend  weich  zu  machen  —  in  einem
Glühofen  gut  geglüht  worden  waren,  kamen  sie
in  eine  schief  zur  Achse  aufgesetzte  zylindrische
Reinigungstrommel,  in  welcher  sie  einige
Stunden  lang  durch  ein  Gemisch  von  feinem
Quarzsand  und  Sägemehl  trocken  abgerieben
wurden,  dabei  ihre  scharfen  Kanten  verloren  und
eine  gleichmäßige  matte  Oberfläche  erhielten.

Die  in  besten  Stahl  geschnittenen  Originalsiempel
  wurden  zur  Herstellung  der  Negative
mittels  einer  hydraulischen  Presse  in  weichen  Stahl
eingedrückt,  die  erhaltenen  Matrizen  scharf  gehärtet
  und  daun  versenkt  in  Stahlklötze  eingesetzt,
die  mittels  starker  Schrauben  und  Klammern  an
der  als  Schere  ausgebildeten  Maschinenseite  befestigt
  wurden,  derart,  daß  der  Unterstempel  mit
dem  starren  Unterteil  der  Maschine,  der  Oberstempel
  mit  dem  auf=  und  niedergehenden  Oberteil
  fest  verbunden  war.  Damit  erzielte  man
durch  einen  einmaligen  Druck  der  schweren  Maschine
  wohl  eine  sehr  kräftige  Prägewirkung;  indessen
  brachte  das  Fehlen  einer  starren  Führung
des  pressenden  Oberteiles  den  Mißstand  mit  sich,
daß  sich  die  Druckwirkung  nicht  ganz  gleichmäßig
über  die  Oberfläche  der  Münzplatte  verteilte  und
daß  sich  der  Oberstempel  beim  Ausüben  des
Druckes  um  ein  Geringes  seitlich  über  den  Unterstempel
  hinwegschob.  Die  Folge  dieses  Ausweichens
  war  eine  starke  Abnugung  der  Matrizen,
die  selten  mehr  als  10  000  Prägungen  aushielten
und  dann  ausgewechselt  werden  mußten;  zum
Teil  aber  lag  dieser  schnelle  Verschleiß  wohl  auch
an  der  Qualität  des  zur  Verfügung  stehenden
Stahles.  Die  Münzen  wurden  im  glatten
Ring  geprägt;  hierzu  diente  eine  sog.  Brille,  die
mit  Hand  eingesetzt  wurde.  Nachdem  erst  das
Bedienungspersonal  sich  genügend  eingearbeitet
hatte,  erfolgte  die  Arbeit  kontinnierlich,  d.  h.  jeder
Hub  der  Maschine  lieferte  eine  Münze.  Trotzdem
das  Aufgeben  und  Abstreichen  mit  Hand  geschehen
mußte,  war  die  Leistung  ziemlich  bedeutend  (bis
600  Stück  in  der  Stunde).

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—D

Ursprünglich  wurde  unr  mit  einer  einzigen
Maschine  geprägt.  Eine  Aufang  März  1916  von
Kigoma  herangebrachte  und  in  der  Münze  aufgestellte
  zweite  Maschine  der  gleichen  Bauart  gestattete
  aber  bald  eine  Verdoppelung  der  früheren
Tagesleistung,  die  von  etwa  5000  Münzen  in  den
beiden  ersten  Monaten  auf  10  000  bis  20  000
Stück  in  der  späteren  Zeit  stieg.

Noch  ist  kurz  der  Herstellung  der  Fünjshellermünzen
  Erwähnung  zu  tun.  Ihre  Prägung
erfolgte  teils  auf  einer  der  vorgenannten  Maschinen,
  wobei  nach  Maßgabe  des  Bedarfs  zeitweilig
  an  Stelle  des  Zwanzighellerstempels  ein
solcher  für  fünf  Heller  eingesetzt  wurde,  teils  verwendet
  man  eine  kleine,  von  Hand  bediente
hydraulische  Presse.  Die  hierfür  gebaute  Prägeapparatur
  enthielt  fünf  in  einen  zylindrischen
Stahlkörper  eingesetzte  Matrizenstempel  in  skizzierter
Anordnung,  so  daß  die  geringe  Leistungsfähigkeit
der  Maschine  fünffach  ausgenutzt  werden  konnte.
Der  angewandte  Druck  betrug  etwa  150  Atm.
Im  übrigen  war  die  Herstellung  der  weniger
wichtigen  Fünfhellermünzen  ziemlich  beschränkt.

Nachstehende  Tabelle  veranschaulicht  die  Leistungen
  in  der  Ausprägung  von  Scheidemünzen.

 

 

 

 

 

“  0eet
Monat  Zwangigheller  Fünfheller  süemne
Stück  Rup.  STiück  Rup.  Rup.
Febr.  1916  74800  14966)  8800  440]  15  400
März  118  700  29  710  06200  310%60  050
April  211500  412  002800  610  13510
Mai  302  000  60  10|8  200  171062110
Juni  362  500  72  500  16000  S8S00|J3  00
Juli  -  448  000  89  600  8000  100%0  %
August  72  500  141  500  191  000  9  5501  050
Zcpt.  11  700  2310025000  1250  3590
bis  5.  Sept.
zusammen  637  700  326  910  302  000  15  100  12015

Von  der  Gesamterzeungung  an  Zwanzighellerstücken
  sind  1300000  Stück  =  80  v.  H.  Messing-=münzen
  und  330  000  Stück=  20  v.H.  Kupfermünzen.
  Für  die  Fünfhellermünzen  kam  ausschließlich
  Messing  zur  Verwendung.  Das  Metallgewicht
  aller  ausgegebenen  Münzen  beziffert  sich
auf  rund  20  000  kg.

Daß  die  Leistungen  der  Münze  anfangs
gering  waren,  darf  nicht  wundernehmen;  war  doch
die  Prägung  von  Münzen  für  die  Kolonie  eine
durchaus  neuartige  Sache,  zu  deren  Ansführung
weder  geeignete  Maschinen  und  Apparate  noch
theoretisch  und  praktisch  ausgebildetes  Personal
zur  Verfügung  standen.  Vielmehr  mußte  der
ganze  Münzbetrieb  unter  ständigen  Versuchen
lediglich  mit  den  im  Lande  selbst  vorhandenen
primitiven  Hilfsmitteln  geschaffen  und  mit  ungeschulten
  Arbeitskräften  dauernd  auf  der  höchst-