Full text : Kriegs-Gesetze – Verordnungen und Bekanntmachungen Heft 6 (6)

Verkehr  mit  Hafer  und  Gerste.

selbstgezogene  Saatgerste  für  Saatzwecke  liefern,  sofern  sie  sich  nachweislich
  in  den  letzten  zwei  Jahren  mit  dem  Verkaufe  von  Saatgerste
befaßt  haben;  die  Reichsfuttermittelstelle  bestimmt,  in  welcher  Weise  der
Nachweis  zu  erbringen  ist;

Artikel  II.

Diese  Verordnung  tritt  mit  dem  Tage  der  Verkündung  in  Kraft.

Bekanntmachung
der  Reichsfuttermittelstelle  über  den  Vertrieb  von  Saatgerste
  und  Saathafer.
Vom  18.  Januar  1916.

Für  die  vollständige  und  ordnungsgemäße  Bestellung  der  Felder  im  Frühjahr
1916  ist  die  rechtzeitige  Sicherstellung  von  ausreichendem  guten  Saatgut  unbedingt
erforderlich.  Infolge  der  für  die  Entwicklung  der  Feldfrüchte  leider  vielfach  sehr
ungünstigen  Witterung  des  Jahres  1915  haben  Gerste  und  Hafer  durch  Notreife,
Zweiwüchsigkeit-  und  Auswuchs  stark  gelitten,  und  viele  Landwirte  sind  infolgedessen
sicht  im  Besitz  des  erforderlichen  keimfähigen  und  keimkräftigen  Saatgutes.

Mehr  noch  als  in  anderen  Jahren  ist  es  aber  im  nächsten  Frühjahr  Pflicht  jedes
Landwirtes,  mit  dem  Saatgut  sparsam  umzugehen.  Es  darf  also  nicht  etwa  versucht
werden,  durch  verstärkte  Aussaatmengen  eine  mangelhafte  Beschaffenheit  des  Saatgetreides
  auszugleichen,  sondern  es  muß  das  als  Saatgut  bestimmte  Getreide  nach
Feststellung  seiner  Keimfähigkeit  durch  sorgfältige  Herrichtung  und  Sortierung

zu  einem  keimkräftigen  Saatgut  gemacht  werden,  dessen  Aussaat  in  der  bei  Hafer

vorgeschriebenen  Höchstmenge  von  1½  Doppelzentnern  auf  das  Hektar  eine  sichere
Ernte  verspricht.  .  ·

Soweit  der  einzelne  Landwirt  nicht  in  der  Lage  ist,  sich  aus  seinen  geernteten
Vorräten  ein  solches  Saatgut  herzustellen,  muß  er  sofort  für  einen  entsprechenden
Ersatz  sorgen  und  es  muß  ihm  daher  Gelegenheit  gegeben  werden,  Saatgetreide
in  der  erforderlichen  Menge  zu  kaufen.

Die  Erfahrungen  in  den  letzten  Monaten  mit  dem  Handel  von  sogenanntem
Zaatgetreide  haben  aber  gelehrt,  daß  vielfach  gutes  Saatgetreide  in  Nichtachtung
der  gesetzlichen  Vorschriften  seiner  Bestimmung  entzogen,  oder  mangelhaftes  Saatgut
zu  unsinnigen  Preisen  gehandelt  worden  ist.

Die  Reichsfuttermittelstelle  hat,  abgesehen  von  den  allgemeinen  Bestimmungen
für  den  Eisenbahnversand  (Rundschreiben  vom  31.  August  v.  J.,  R  III  1320),  besondere
  nähere  Bestimmungen  bisher  nur  für  den  Verkehr  mit  Saatgerste  erlassen.
  (Rundschreiben  vom  6.  August  v.  J.,  R  II  160,  S.  2  zu  1.;  Rundschreiben
vom  22.  November  v.  J.,  R  1  2540.)  Es  erscheint  daher  notwendig,  die  Bestimmungen
über  den  Verkehr  mit  Saatgerste  und  Saathafer  in  Ubereinstimmung  zu  bringen,
und  diese  für  Saatgerste  im  wesentlichen  unveränderten,  dagegen  für
Saathafer  neuen  Bestimmungen  in  Verbindung  mit  der  Abänderung  und
Ergänzung  der  einschlägigen  gesetzlichen  Vorschriften  durch  die  Verordnung  vom
17.  Januar  1916  wie  folgt,  zu  treffen:

J.

„In  erster  Linie  dürfen  die  Kommunalverbände  die  Aufgabe  haben,  den
Bedarf  an  Saatgetreide  ihrer  Bezirke  zu  sichern.

Soweit  die  Kommunalverbände  Lager  von  Saatgetreide  für  ihre  Bezirke
selbst  einrichten  oder  unter  ihrer  Verantwortung  einrichten  lassen  wollen,  aus  denen
le  zur  Saatzeit  entsprechend  zubereitetes  und  keimkräftiges  Saatgetreide  an  die
Gandwirte  ihres  Bezirks  abgeben,  sind  wir  bereit,  ihnen  auf  Antrag  geeignetes
60  eireide  aus  ihrem  eigenen  Bezirk  oder  aus  anderen  Kommunalverbänden  (§  20
Abs.  26  der  Verordnung  über  den  Verkehr  mit  Gerste§  17  Abs.  2  Ziff.  2  der  Ver-41