Lossarp wird Secretar. Vorgeschichte der Universität Berlin. 563
neu aufgenommen wurde, um nicht wieder zu verschwinden.
Am 10. August 1807 standen die beiden Halleschen Professoren
SchmALz und Frorırp vor ihrem Könige in Memel und baten
ibn, die Universität Halle nach Berlin zu verlegen. Der König
sicherte die Gründung einer ganz neuen Universität in Berlin zu.
Damals sprach er das herrliche Wort, der Staat müsse durch geistige
Kräfte ersetzen, was er an physischen verloren habe (s. oben)'. In
jenen lagen verkündete FıcutE, »eine bessere Zeit müsse Kraft und
Entschiedenheit in That und Wort zum Bessern leiten und ein neues
Leben des Geistes gründen, das den Waffen des Feindes unzugänglich
und unzerstörbar sei; von aussen her möge man nichts günstiges
ınehr erwarten, in uns selbst und der eigenen That sollten
wir die neue hoffnungsvolle Zeit säen«. Und schon bevor ScHMmALz
und Frorıer in Memel erschienen, sandte FE. A. WoLr unaufgefordert
seine berühmten Vorschläge an den Geheimen Kabinetsrath Bevxe
zur Begründung eines grossen wissenschaftlichen Instituts in Berlin
an Stelle der beiden verlorenen Universitäten Halle und Erlangen
(3. August 1807)’. »Indem ich bloss an das dachte, was jetzt für
den Staat in litterarischer Hinsicht zu thun möglich und leicht
ist, fand ich, dass sich aus der Noth ein ganzer Chor von Tugenden
machen liesse.«e Die Akademie sollte nach Woır's Ab-!
Da der König die förmliche Verlegung der Universität Halle aus politischen
Gründen abgelehnt, aber ein neues Lehrinstitut in Berlin versprochen hatte, so
arbeitete Schmaız auf Befehl eine Denkschrift in diesein Sinne aus und reichte sie
aın 22. August 1807 ein. Schwerlich ist sie ohne Beeintlussung von BrvymE entstanden.
Es heisst in ihr unter Anderem: »Die Vereinigung (der in Berlin zu errichtenden
Universität) mit der Akademie der Wissenschaften, welche so erst nützlich
werden würde, kann wohl als schon entschieden angesehen werden«. Ferner
& 1: »Die Berlinische Akadeınie nimmt das Lehrinstitut in sich auf, und das Ganze
erhält oder behält den Namen Königliche Akademie der Wissenschaften«. & 3: »Vor
der Hand theilen sich dann die Mitglieder der Akademie in lehrende und nicht
lehrende, bis die letzteren allmählich abgingen und jedes Mitglied zugleich Lehrer
wäre, ausser wo Ehren halber und ohne Besoldung einzelne ausgezeichnete Männer
zu Mitgliedern der Akademie ernannt würden«. $6: »Zu den bisherigen vier Klassen
der Akademie, welche als allgemeine Klassen bleiben, komınen noch eine theologische,
eine staatswissenschaftliche (juristische), eine medicinische als besondere
Klasse«. 87: »Ausser der Lehranstalt bleibt aber die Akademie ein Institut zur
Erweiterung der Wissenschaften, wie sie bisher sein sollte, und sie hält zu deın
Ende nach wie vor ihre Donnerstags -Sitzungen und Vorlesungen, und zu dem Ende
werden die Mitglieder der drei besonderen Klassen auch in eine der vier allgemeinen
Klassen versetzt, um in dieser in ihrer Ordnung mitzulesen«, u.s.w. Man
sieht, es ist auf eine vollkommene Verschmelzung des neuen Lehrinstituts mit
der Akademie abgesehen.
2 Abgedruckt bei Körke, S.153 ff., vergl. Körre, F.A.Worr, 2. Theil S.2 30 ff.
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