selbstverständlichen Wunsch unserer Regierung, für unser deutsches
Vaterland Vorteile aus den Kolonien zu ziehen, habe ich
nie vergessen, daß unsere Kolonien die Heimat sind von Menschen,
denen wir unseren Schutz versprochen haben, für die wir
sorgen müssen. Diesen Standpunkt habe ich als Gouverneur
meinen Beamten eingeschärft und habe ihn später als verantwortlicher
Leiter unserer Kolonialverwaltung für sämtliche deutschen
Kolonien als Leit= und Grundsatz aufgestellt. Es ist aber
praktisch nicht viel gewonnen, wenn man die Aufgaben des
Kolonisators deduktiv aus dem Rechtsverhältnisse zwischen
Kolonie und Mutterland und aus den Postulaten der christlichen
Weltanschauung herleitet. Wer nicht jahrelang unter den Eingeborenen
gelebt und Anteil genommen hat an ihren Leiden und
Freuden, wessen Herz nicht für sie schlägt und wer nicht das Gefühl
der Nächstenliebe auch für tieferstehende, anders denkende
und fühlende Menschen empfindet, der wird die Freudigkeit und
Begeisterung nie verstehen, mit der der berufene Kolonisator und
Missionar an seine Arbeit geht. In diesem Zusammenhang wird
der Sinn der Worte klar werden, die ich im Reichstag und in
öffentlichen Reden wieder und wieder ausgesprochen habe:
Kolonisieren ist Missionieren!
Auf diesem schwierigen Gebiete der Eingeborenenbehandlung
ist der Missionar der treueste Mitarbeiter und Bundesgenosse der
Kolonialregierung. Er liefert der Regierung unermüdlich wertvolles
Material für die pspchologische Erforschung der Eingeborenen
und bereitet bei ihnen durch Lehre und Unterweisung das
Verständnis für die Maßnahmen vor, die die Regierung im Interesse
der Eingeborenen und zur Aufrechterhaltung von Ruhe
und Ordnung und für die Entwicklung des Landes in gesundheit-43