Full text : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

Aufiunier  100

ilr  Ziel  zu  erreichen,  geht  am  besten  daraus
hervor,  dahß  an  einem  Tage  außer  den  anderen
Truppen  vier  neue  Divisionen  auf  einmal  eingegriffen
  haben,  und  die  Größe  ihrer  Verluste
daraus,  daß  sie  sich  zu  dem  seltenen  Schritt
genötigl  gesehen  haben,  zur  Beerdigung  der  Toten
  um  einen  kurzen  Wafsenstillstand  zu  bitten.

1  Die  Russen  in  der  Bukowina.

Budapest,  11.  Juli.  Die  Gesamtoerluste
ber  Russen  bei  den  Kämpfen  in  der  Bukowina
werden  jetzt  auf  85000  Mann  geschätzt.  Die
(Berölkerung  leidet  furchtbar  unter  der  Rohlieit
  der  Russen,  besonders  infolge  der  Brandlegungen.


Lebensmittelmangel
in  Nußland.

Wien,  11.  Juli.  Die  russischen  Blätter  beschäftigen
  sich  eingehend  mit  der  Gesahr  einer
Hungersnot.  Der  Arzl  und  Abg.  Godneo  forderl,
  daß  die  vegetarische  Kost  gesetzlich  vorge-#chrieben
  werde.  Ein  hier  weilender  schwedischer
(Journalist  erzählte,  daß  er  bei  seinem  jüngst
rerbrachten  Ausenthalt  in  Petersburg  Fleisch
weder  gesehen,  noch  gegessen  habe,  sondern  nur
Gemüse,  Suppen  und  Mcohlspeisen.  (J.)

——  "
1—
·  Cadorn  as  „Siegeszug.“

Berlin,  11.  Juli.  Die  „Vossische  Zeilung“
laßts  ich  von  ihrem  Kriegeberichterilatter  Eugen
Leuhoff  aus  dem  l.  und  k.  Kriegspressequarlier
  melden:  Wie  wenig  die  maßlosen  italienipen
  Berichte  über  den  gewaltigen  „Siegeslauf“
  nach  der  Frontverlürzung  zwischen  Eisch
und  Brenta  in  Wirklichkeit  entsprechen,  zeigen
mit  aller  Deutlichleil  die  augenklicklichen
Kämpfe.  Seit  dem  ersten  Tag,  da  nach  der
Rücknahme  der  l.  und  k.  Front  auf  der  Hochxbene
  von  Asiago  und  Arsiero  die  Italiener
zum  Angriff  vorgingen,  sioßen  sie  wieder  vergeblich
  auf  die  gleiche  Höllenlinie  vor.  Seit
drei  Wochen  schon  sind  diese  Anistürme  gegen
die  Front  jüdöstlich  der  Cimn  Dieci  im  Gang,
ohne  daß  der  Gegner  vermoch!  hätle,  die  mit
sfrhr  starken  Kräften  verteidigte  Höhenlinie  niederzuringen.
  Dabei  ist  zu  bemerken,  daß  diese
Berge  teilweise  zum  inneren  Sperrgürtel  von
Kliüago  gehören.  Nicht  einmal  diesen  hat  der
Gegner  trotz  seiner  enormen  Kraftentfaltung
Lieher  wieder  zu  erobern  vermocht.  Hier  schon
hot  sein  Vormarsch  vorläufig  aufgehört.  Die
t.  und  k.  Truppen  kegegen  nahmen  seinerzeit
diese  gleichen  Höhen,  obgleich  sie  sich  starken,
in  langer  Arbeit  angelegten  Festungen  gegenüber
  sahen,  in  einem  Anlauf.

##  Kän#ei  mm  Delllties

Der  russische  Rüdzug  in  Persien.
LHaag,  11.  Juni.  Der  Petersburger  Korrxespondent
  des  „Daily  Telegraph“  meldet,  daß
die  Russen  in  der  Richtung  von  Bagdad  etwa
130  Kilometer  zurückgeagugen  sind.  Die  Türken
  haben  augenscheinlich  gegen  die  Russen  das
ganze  Heer,  das  für  einen  Einfall  in  Acgypten
  bestimmt  war,  ins  Feld  geitellt,  serner  das
Aurkische  Heer,  das  in  Bulgarien  stand  und
schließlich  eine  Truppenmacht,  die  auf  130  000
(Mann  geschätzt  wird  und  die  seinerzeit  vor
Saloniki  stand.  Die  Russen  wären  nicht  so
vlötzlich  diesem  Drucke  gewichen,  wenn  nicht
die  übergroße  Hitze,  die  jetzt  in  Mesopotamien
berrscht,  die  Kriegsoperationen  unmöglich  gemacht
  hätte.

Perschieden  Nachrichten.

Karlsruhe,  11.  Juli.  Die  letzte  Viehzählung
  in  Baden  hat  ein  erfreuliches  Ergebnis
gehabt,  der  Rindviehbestand  hat  weiter  zugenommen
  und  der  Schweinebestand  hat  sich  um
insgesamt  22  000  Stück  vermehrt.

Dresden,  11.  Juli.  Folgende  originelle
Warnung  hat  der  Pächter  eines  Wiesengrundstückes
  in  Chemnitz  angebracht:  „Wer  in  die
Wiese  läuft,  zertrilt  Fleisch  und  Butter  und  unterstüggt
  den  Feind.  Er  wird  gepfändet  und  bestraft,
  entweder  sofort  mit  ungebrannter  Holzasche
  oder  durch  Anzeige  und  Buße  von  3  Mk.
fürs  Rote  Kreuz.  Bei  Felddiebstahl  erfolgt
Strasantrag.  Wer  Hunde  in  die  Wiese  lausen
läßt,  wird  gleichfalls  geahndei.  Der  Beljitzer.“

Wien,  11.  Juli.  Nach  Blättermeldungen  aus
Niener-Neustadt  richtete  eine  Windhose  gestern
nachmittags  in  der  Vorstadt  Josephsstadt  grohe
  Verheerungen  an.  Dächer,  Häuser  und  Fakrikanlagen
  wurden  durch  die  Gewalt  des  Orkans
  vollständig  weggerissen.  Einige  leichtere
Gebäude  wurden  gänzlich  weggefegt.  Die  Fenster
  wurden  zertrümmert  und  zahlreiche  Personen
  in  die  Luft  geschleudert  und  piele  verletzt.
iInsgesamt  wurden  31  Personen  getötet  und
über  100  verletzt.  *Qe·

„Budapest,  11.  Juli.  In  Vascar  Veszprener
Komitat  (Ungarn)  wurden  infolge  Unachtsamkeit
  spielender  Kinder  durch  einen  Brand  in
wenigen  Stunden  32  Wohnhäuser  samt  Neben- 



 

——.  —

gebäuden  eingeäschert.  Die  Kirche,  die  durch  lnommen.  Weiter  wurde  ein  Gesetzentwurf  über

den  Brand  sehr  beschädigt  wurde,  mußte  gesperrt
werden.  *  .  .  s
Die  Ernteaussichten.
Berlin,  10.  Juli.  Das  Kriegsernährungsamt
  hat,  wie  Berliner  Blätter  berichten,  Nachrichten
  über  den  Stand  der  Ernte  aus  verschiedenen
  Landesteilen  eingezogen.  Die  Nachrichten
  lauten  weit  überwiegend  sehr  günftig.
(Die  im  allgemeinen  der  Entwidlung  der  Feldfrüchte
  vorteilhafte  Wilterung  hat  die  Nachleile,
  die  aus  der  Bestellung  der  Felder  mit
unzureichenden  Gespannen  und  Düngemitteln
hervorgehen.  fast  überrall  wetigemacht.  Die
Heu=  und  Klee-Ernte  hat  in  den  meisten  Bezirken
  reiche  Erträgnisse  ergeben.  Sie  ist  zwar
durch  Regengüsse  aufgehalten  worden,  eine  erheblicke
  Schädigung  der  Beschaffenheit  ist
aber  dadurch,  von  einzelnen  kleinen  Bezirken
abgesehen,  nicht  eingelreten.  Mit  dem  Schnitt
der  Wintergerite  ist  schon  begonnen  worden.
Der  Roggen  lommt  in  wärmeren  Bezjirken  zur
Neise.  Macht  das  Erntewetter  leinen  Strich
durch  die  Rechmung,  so  können  wir  mit  Sicherheit
  auf  eine  reichliche  Mittelernte,  jedenfalle
auf  eine  solche  Ernte  rechnen,  die  an  Rauhsutter,
  Brotgetreide  und  Futtergetreide  erheblich
  über  die  vorjährige  Mißernte  hinausgeht.
Sind  erst  die  allernächsten  Wochen,  wo  die
alten  Vorräte  nalurgemäß  immer  mehr  zur
Reige  gehen.  überwunden,  so  kann  auf  eine
erhebliche  B.serung  der  gesamten  Versorgung
gerechnei  werden.  Am  schwächsten  wird  auch
im  neuen  Erntejallre  noch  die  Versorgung  mit
Fleisch  und  Fell  bleiben.  Es  sind  aber  alle
Vorlelrungen  getrofsen  worden,  um  durch
gleichmäßige  Verteilung  der  vorhandenen
Fleischmengen  die  Verbraucher  regelmäßig  und
glatt  versorgen  zu  können.  Eine  Herabsetzung
  der  Preise  ist  daneben  selbstverstänolich
erwünscht  und  muß.  wo  es  angeht,  herbeigeführt
  werden.  Da  es  vor  allem  auf  möglichste
Ausdelbnung  der  Erzeugung  ankommt,  muß  in
der  Preispolitik  Vorsicht  und  besonders  Steligleit
  walten.  Unbedentende  Preisermäßiguna#n,
  denen  nachber  notgedrungen  wieder  eine
Preisethöhung  folgt,  müssen  unbedingt  vermieden
  werden.

Münchever  Neuiakeilen

München.  11.  Juli.  Aus  dem  Krankenhaus
I.  d.  J.  kommt  die  Mitteilung,  daß  dort  die
älteste  Frau  Münchens,  Frau  Kordula  Burger,
im  Alter  von  1061  Jahren  entichlies.  Die
Todesursache  ist  in  der  sortschreitenden  Altersüchwäche
  zu  erbliden,  die  am  15.  Juni  die
Uebernahme  ins  Krankenhaus  notwendig
machte.  Alo  Frau  Burger  am  11.  Jannar
1910  öbhren  100.  Geburtstag  beging,  gingen
ihr  von  allen  Seiten,  darunter  vom  Prinzregenten,
  dem  Justizministerium,  eine  Fülle  von
[Aufmerksamkeilen  zu.  Papst  Pius  ließ  damals
[Frau  Burger  ein  geweihtes  silbernes  Kreuz
n#berreichen.  Ein  Vetter  der  Verstorbenen  ist
Reichstagsabgeordneter  Irl  (Erding).

nünchen.  11.  Juli.  In  der  vergangenen
Nacht  verschied  der  Privatier  Johann  Schwarz,
der  nahezu  40  Jahre  dem  Münchener  Gemeindetollegium.
  darunter  längere  Zeit  als  dessen  erster
  Vorfland,  angehörte  und  außerdem  eine
Wahlpreriode  lang  Vertreter  des  Neichstagswahlkreises
  München  1  und  Mitglied  der  Kammer
  der  Abgeordneten  war.  Schwarz  gehörte
auch  bis  zu  seinem  Hinscheiden  dem  Oberdayer.
Landrat  an.  Auf  charitativem  Gebiete  hat  er
Uesonders  für  die  Ausbreitung  der  Ferienkolonien
  gewirkt.

 

 

Kriegstogung  des  baner.  Landiaas

HMünchen.  11.  Juli.  Die  Kammer  der  Abgeordneten
  machte  am  Dienstag  so  ziemiich
Schluß  mit  ihren  Arbeiten.  Zunächst  wurde  die
Frage  des  Sleuerzuschlages  erledigt.  Bekanntlich
  hat  die  Kammer  der  Reichsräte  zum  Etat
der  direkten  Steuern  lecchlossen.  in  das  Finanzgesetz
  solgende  Bellimmung  ausmuehmen:  „Die
K.  Slaatsregierung  i#t  ermächtigt,  bei  den  Normalsteuerbeträgen
  bis  zu  1  Mark  und  in  den
Steuerstusen  2  15  der  Einkommensteuer  den
die  Normalfteuer  nack  dem  Einkommiensteuergesetz
  vom  12.  August  1910  übersteigenden  Betrag
außer  Erhebung  zu  lasen.“  Der  Finanzausschuß
der  Abgeordnetenlammer  hat  hiem  beschlossen,
dem  Beschluß  der  Kammer  der  Reichsräte  beizutreten,
  jedoch  der  neuen  Bestimmung  folgende
Vorschrift  anzufügen:  „Die  K.  Staatsregierung
  ist  weiter  ermächtigt,  in  den  Steuerstusen
16—24  der  Einkommensteuer,  den  die  Normalsteuer
  nach  dem  Einlommensteuergesetz  vom  14.
August  1910  überfteigenden  Betrag  zur  Hälfte
außer  Eihebung  zu  lassen.“  Dieser  Antrag  wurde
  heute  von  Abg.  Dr.  v.  Casselmann  begründet.
  Anderseits  begründete  der  soz.  Abg.  Dr.
Frhr.  v.  Haller  seinen  Antrag  auf  völlige  Freilassung,
  auch  der  Einkommensteuer,  von  2100
lick  3000  Mark  von  den  Zuschlägen.  Die
Worte#:  „Die  Staatlsregierung  ist  ermächtigt“
sollen  gestrichen  werden,  es  solle  damit  festgesetzt
werden,  daß  die  Regierung  verpflichtet,  nicht  ermächtigt
  sei,  nach  den  Beschlüssen  des  Landtags
zu  verfahren.  Unter  Ablehnung  des  soz.  Antrages
  wurde  der  Antrag  des  Ausschusses  ange- 



die  Aenderung  des  Kriegszustandsgesezes  in
der  Pfalz,  der  von  allen  Parteien  eingebracht
war,  einstimmig  angenommen.  Ferner  wurde
der  in  der  letzten  Sitzung  zurüchgestellte  soz.
Antrag  zum  Bergwerk  Stockheim  abgelehnt.  Es
solgte  noch  die  Interpellalion  Gebhart  über
die  Verurteilung  wegen  geringfügigen  Verfehlungen
  gegen  die  Beflimmungen  der  Generalkommandos
  usw.  und  über  die  dazu  beantragte
Begnadigung.  Der  Jullizminister  erwiderte  in
seiner  Antwort,  daß  die  Staatsgewalt  in  die
Rechtsrflege  nicht  eingreisen  lönne.  Eine  allgemeine
  Begnadigung,  wie  sie  die  Interpellalion
wünsche,  sei  wohl  ausgeschlossen.  Bei  Bemesfung.

Strafe  würden  alle  Umstände  genau  erwogen.
  Minister  von  Soden  stellte  ferner  fest,
daß  von  schikanöser  Behandlung  keine  Rede
sein  könne.  An  die  Stelle  der  Anzeigen  sollte
mehr  Belehrung  treien.  Schließlich  vertagte
man  sich  auf  Mittwochnachmittag,  un  dan  den
Reil  der  Arbeiten  zu  erledigen  und  die  Rüdäußerungen
  der  Kammer  der  Reichsräte  enlgegenzunehmen.
  4

Die  Höchsspreise  füe  Obft
und  Genüse.

München.  11.  Juli.

Im  Veirat  für  das  Ernährungswesen  beichäf
tigte  man  sich  am  10.  Juli  mit  den  Höchttorei
sen  fur  Olst  und  Gemüse.  Zunächst  wurden
Mitteuungen  über  die  Entwicklung  des  Kir
schenhandel#  seit  Erlaß  der  Höch#preisieslset:
zung  hiefür  gemach:t.  Der  Beirat  gab  der  Meinung
  Ausdruck,  daß  an  den  Bestimmungen
kleinerlei  Aenderungen  vorgenommen  werden  sol
len.  Ete#  wurde  eine  Sonderregelung  für  von
außerlaverischen  Gebieten  eingeführte  Kilschen
nich!  für  zweckmäßig  erachtet.  Auf  Anfrage  aus
dem  Beirat  wurde  bekanntgegeben,  daß  bereils
Erbebungen  über  den  Bedarf  der  Kommualrerbände
  an  Obu  und  Gemüse  im  Gange  find,
und  daß  die  Großhändler  veraulaß,  werden.
ihre  Lieferungsverträge  der  Baner.  Landesstelle
für  Loüst  und  Gemuse  bekanntzugeben.  Nach
Alschluß  dieser  Erhebungen  lönne  die  Lindessielle
  bei  der  Verteilung  der  bayerischen  Ernte
an  Obn  und  Gemüse  auf  die  eimeinen  Kommu
nalverbände  mitwirken.  Die  Kommunalverb  inde
  sollen  berechigt  jein,  sich  jelbit  zu  rersorgen;
ihre  Maßnahmen  sind  jedoch  an  die  Zuttimmung
  der  Landesstelle  gebunden.  Von  der  Feistsennug
  von  Höchsipreisen  für  Frühzwelshgen
und  Edelrflaumen  (Mirabellen.  Reincelanden)
wurde  algeiehen,  einmal.  da  es  sich  nicht  um
ausgielige  Mengen  handle,  sodann  weil  biese
Arten  nicht  ale  Vollsob#  anzusprechen  sind.
Die  Bestimmung  von  Höckstpreisen  für  ip#e
zZwetschgen  und  für  Bauern-Pflaumen  soll
rorbehalten  bieiben,  bis  die  Erhebungen  über
die  Ernte  und  die  Einfuhr  aus  Nackhbargebicte-.
algeschlossen  sind,  somie  bis  gellärt  #t,  ob
Höchstpreise  für  das  Reichsgeliet  erlaisen  werden.
  Das  gleiche  gilt  für  zwiebeln.  HöchUpresse
fur  frische  Pilze  wurden  nicht  für  angängig  erachlet,
  weil  die  Arten  zu  rerschieden  sind,  weil
imerhalb  derselben  Art  die  Qualität  der  Ware
zu  ungleich  ist  und  die  große  Masse  des  Volles
in  der  Regel  Pilze  nicht  kauft,  sondern  selbit
sucht.  Hinsichtlich  der  Frülkartoffeln  herrschte
Uebereinstimmung,  daß  die  Beteiligung  des
Kieinhandels  für  den  Auflauf  beibehalien  wer
den  soll,  und  einer  Verbrauchsregelung  für
Karlosfeln  erst  in  einiger  Zeit  näbergelreten
werden  kann.  Eine  Herabf#etzung  der  Höôh#preise
für  Frühkartoffeln  in  dringend  angezeigl,  sie
wird  demnächit  durch  das  Kriegsernährungsamt
in  Berlin  erfolgen.  Dara  schloß  sich  die  Erörterung
  über  Maßnalmen  fur  die  Preiwelbeer=:ernte.
  Es  bestand  Uoebereinstimmung  über  die
Höhe  der  setmee  den  Preise,  über  Pflücktermine,
  samie  daruber.  daß  das  Kiumen
und  Rüffeln  nicht  zugelassen  werden  sie.  Die
Vorschristen  hierüler  werden  in  kurte:  Zeit  erlassen
  werden.

Auch  im  Magistrat  der  Sadt  München  leschäfligte
  man  sich  mit  der  aleichen  Frage.  Dort
wurde  bekantgegeben:  Die  Festsetzung  der
Höchstpreife  für  Kirschen  auf  30  und  33  Pfg.
#lro  Piund  Ut  für  München  U#zwixkt.  daß  die
Süßlirschen  vom.  Maikt  völlig  verschwunden
sind.  Sachlenner  erllären,  daß  um  diesen  Preis
bei  nur  8  Pfg.  Spannung  für  Groß--  p.  Kleinhandel
  Kirschen  nach  München  nicht  mehr  gebracht
  werden  können.  Baden  hat  Ausfuhrverlot;
  in  Württemberg  in  der  Gesiehungspreis
4%  Pfg.  Die  bay-r.  Kirscheuproduktion  (Frankken
  und  Lindau)  sind  nicht  ergiebig  genug  für
den  Bedarf.  Im  Frieden  war  München  von
Italien  und  Tirol  verjorgt.  Diese  Erjahrungen
habe#ndie  gemeindlichen  Stellen  bisher  veranlaßt,
  von  einer  Obstpreiefestietzung  fir  den
Münchener  Markt  abzusehen.  Der  Magistrat
ersucht  die  Staatsregierung,  bei  Regelung  und
Festsetzung  der  Okstpreise  die  Stadt  München
rom  Erlaß  örtlicher  oder  von  der  Gellung  der
Landeshöchstpreise  zu  entbinden.  Die  Kontrollorganisation
  wird  dafür  sorgen,  daß  Auswüchse
des  Handels  tunlichst  hinlangehalten  werden.
Ein  weiterer  Magistratsbeschluß  ersucht  aus  den
gleichen  Erwägungen  die  Staatsregierung,  auch
lbeim  Gemüse  die  Stadtgemeinde  vom  Erlaß
von  Höchstpreisen  zu  entbinden.

 

v  1

 

Donnerstag,  13.  Juli  1916

Bayerische  Nacheschlen.

Dinkelsbühl.  11.  Juli.  Der  Stadtmagistrat
  hat  den  Voranschlag  der  Kämmerefkasse
mit  je  247  447.86  Mark  Einnahmen  und  Ausgaben
  ausgesellt.  Das  Gemeindekollegium  hat
in  seiner  Sigung  vom  4.  Juli  den  Voranschlag
  nach  den  Ansätzen  des  Magistrats  geprüft
  und  genehmigt.  Bei  einem  Umlagen-Steuersol!
  von  53  658  Mark  wurde  zur  Dekkung
  des  Fehlbetrages  von  86  000  Mark  uner
  Annahme  von  4400  Mark  Nachlässen  eine
Gemeindeumlage  von  1605  Prozent  der  Staats-Lteuer
  beschlossen.

Bamberg.  11.  Juli.  Die  K.  Reglerung  von
Oberfranten  weist  in  einem  amtlichen  Erlaß  auf
die  großen  Schwierigkeiten  hin,  die  die  Beschaf
fung  von  Schlachtvieh  fur  die  Zivilbevollerung
ereiten  Die  Landwirte  wollen  trotz  der  hohen
Vielpreie  ihr  schlachtreise:  Vieh  nicht  abgeben.
Aebnliches  wird  auch  aud  Niedertayern  gemel
det.

 

Grenzlaude.

Uufstein,  11.  Juli.  Die  Kasseekarte  ist  am
9.  Juli  in  Tirol  und  Vorarlberg  in  Kraft  ge
treien.  Wie  schon  mietgele'lt.  darf  von  nun  ai-Kaffee
  an  unminelbare  Verbraucher  nur  mehrt
gegen  Abgabe  der  ent'prechenden  Zahl  von  Ab
schnitten  algegeben  merden.  Für  die  Verkläufer
#ron  Kassee  gelten  die  Kafseekartenabichnitte
ale  Auswei  fü-  den  nech'iiten  Bezug  von  Kaffe-.
Kinder  unter  4  Jahren  erhalten  teine  Kaffeekar
len.  Die  Kaffeckarte  gilt  für  3  Wocken  und
für  den  Bemg  von  einem  Viertel  Kilo  gebrann
ten  Kaffee  für  di:  Person.

Innsbruck.  11.  Juli.  Genern  mitlegs  wur
de  der  Tiroler  Literat  Anmton  Dörrer  von  der
biesigen  Unireriität  zum  Doktor  der  Philosophie
promoriert.  Dr.  Amon  Dörrer  hat  sich  schorn
früh  einen  Namen  gemacht  durch  seine  erfolg
reiche  Erneuerung  der  Erler  Passionsspiele,  dsa
wie  durck  seine  melrfach  aufgelegten  Bücher
uler  die  Tiroler  Volkoschaufrifle  Andr.  Hofer
im  Drama.  Karl  Domanig.  die  lirolische  Litera
lur  al  1303  usm.  Derzeit  Fähnrich  eines  önerr.
Feldjägert  alaillons,  siehn  er  seit  Zahresfrift  an
der  ttaliensicken  Fron.  Eine  Sammlung  seiner
Feldkrriese  gibt  soeben  der  rheinichhe  Literarhisto
riler  Jolames  Mumbauer  in  Hausers  Volklücherei
  (Saarleuis,  hberaus.

 

Sayerisches  Oberland

SSchtenau,  12.  Juli.  Im  Milltärlazaret:
Munchen  5  nach  saft  meijahr.  Krankheit
der  Jufanterin  Joselbh  Purainer  von  Söch
tenau.  Der  Verftorlene  is  ein  Sohn  der  Tag
löhnersfamilie  Purainer,  von  welcher  beranntlichlei
  Kriegebegien  alle  feis  Söhne  zu  den  Fah
nen  gerufen  wurden.  wei  davon  harer  schon
den  Heldentod  furs  Malerland  erlinen,  zwei
weilere  Brüder  wurden  verwundet.  Nur  der  al
teste  der  leck  Beuder.  deisen  Brust  das  Ver
dieniukreuz  und  die  gollene  Tar  #erkeitemedailir
ziert,  befindet  sicz  noch  bei  seinem  Truppenteil.
mit  dem  er  vor  zwei  Jahren  ins  Feld  gezeogen  ist.

Fischbach.  11.  Juli.  Ju  Nr.  27  des  „Ober
audorfer  Ameigers“  vom  1.  Juli  laufenden
Jahres  fleht  ein  Artikel,  der  die  Vewohner
Fischbachs  zum  öffenllichen  Einspruch  veranlaßt.
  Der  Ari#kelschreib.  offenbar  aus  Ober
Sudorf,  behandelt  die  Frage  der  Buttervorjorgung
  und  findel  es  lomisch.  daß  die  Bauern
vom  großen  Verg.  Gemeinde  Niederaudorf.
Butter  nach  Rorenkeim  und  noch  weiter  schikken,
  während,  wie  er  meint,  das  (Hhute  doch  so
nahe  liege,  nämlich  in  Okberaudorf,  wohin  die
Lieferung  zu  erfolgen  häme.  Demgegenüber
möckhten  die  Bewolner  Fischbache  melden,  daß
Fisckbach  ein  Teil  der  Gemeinde  Niederaudorf
iit  unid  daß  die  S###werarbeiter  des  Kalkwer
bhes  Fisch  bach  schon  lang't  vergeblich  um  Butler
  und  Schman  belneln.  Näher  also  als  das
.Gute“  in  Oberraudorf  läge  in  diesem  Falie
für  die  Burterl  eferamen  in  Niederaudorf  die
Veriorgung  ibrer  eigenen  Gemenndeglieder,  Wir
Tinen  also  den  Oerru  Gemeindevater,  nach  dem
Reckten  zu  sehen;  wir  bitten  in  der  Butterver
sorgung  um  meb#r  Gerechtigkeit  wie  bei  der
(Petroleum=  und  Kleieverteilung,  wobei  wir
Fischbacher  ganz  übersellen  wurden.  Der
Spruch:  „Ham  eh  taum  für  Bergbauern
H’langt“,  paßt  diesesmal  nock  weniger  als  Entschuldigung
  wie  damale,  und  daß  wir  in  solck,
ungunstiger  geographücher  Lage  sind,  dafürr
tönnen  ja  wir  nichts.  ·

Endorf,  11.  Juli.  Die  Villa  des  Herrn
Karl  Maier  dahier  giug  durch  Kauf  in  den
Besitz  des  Herrn  Viellhändlers  Heinrich  Vogl
bhier  über.  Früherer  Beiitger  war  Herr  Vorder.
mayer  aus  Rosenheim.

Prien,  11.  Juli.  Hier  werden  an  den
Schultagen  100  Kinder  mit  Suppen  unentgelt
lich  versorgt;  in  die  Kofslen  teilen  sich  der
Frauenverein  Prien  vom  Roten  Kreuz  und  die
örtliche  RKriegsfursorge  unter  Leitung  des  HH.
Varrere.  Die  saoisnshenee  für  die  Suppenanflalt
  und  andere  W.  hliah.###  -
gen  300  Mark.  "lot  !  -  erne:  mun

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