160 Abschluß der Konvention von Paris.
waltung und durch eine freiheitliche Entwicklung seiner Gesetzgebung
zu einem auch innerlich verbundenen Gliede unseres großen Vaterlandes
zu machen.“ Der Truppeneinzug, zu welchem die Reichstagsmitglieder
besonders eingeladen waren, fand am 16. Juni beim
herrlichsten Wetter statt. Es war ein Tag, so erhebend, wie Deutschland
nur wenige gesehen. Das ganze deutsche Volk feierte dieses
Fest mit, der errungenen Güter eingedenk. Die Trophäen, welche
die bekränzten Soldaten vorbeitrugen, wiesen auf die glorreichen
Schlachtfelder hin, die riesige Germania, welche vor dem Schloß
aufgestellt war, hatte ihre Kinder Elsaß und Lothringen wieder gefunden,
und die Reichstagsabgeordneten, welche dem keaiserlichen
Feldherrn zujauchzten, waren demselben die sprechenden Zeugen der
endlich errungenen deutschen Einheit.
Sobald der Pariser Aufstand bewältigt war, wurde der Rückmarsch
mehrerer Armeekorps angeordnet. Das 5. und 7. Korps,
das Gardekorps, das sächsische und ein bairisches, die 17. (Schleswig-Holsteiner
und Mecklenburger) und die württembergische Division
sollten zuerst den französischen Boden verlassen. Bei dem Truppeneinzug
war das Gardekorps in seiner Gesamtheit, das Königsgrenadierregiment,
dessen Chef der Kaiser ist, durch ein aus den
3 Bataillonen des Regiments kombinirtes Bataillon und die sämtlichen
übrigen Truppentheile des deutschen Heeres durch Deputationen
in der Weise vertreten, daß von der gesamten Infanterie, Kavallerie
und Artillerie ein kombinirtes Bataillon, eine kombinirte Escadron
und eine kombinirte Batterie gebildet wurden. Außerdem nahmen
an dem Einzug eine Abtheilung Landwehr und Deputationen der
militärischen Behörden der deutschen Heere theil, wie der Militärlazarethe,
der Militärseelsorge, der Feldintendanturen, der Feldpost,
der Feldtelegraphie u. s. w. Es waren etwa 40,000 Mann, und
in ihnen waren sämtliche Bestandtheile des deutschen Heeres, in
ihnen war „das deutsche Volk in Waffen"“ vertreten. Auch diesen
Tag benutzte der Kaiser dazu, die großen Männer, welche das deutsche
Heer in die Schlacht und zum Siege geführt hatten, auszuzeichnen:
Kriegsminister v. Roon wurde in den Grafenstand erhoben, Graf
Moltke zum Generalfeldmarschall ernannt, andere Generale mit anderen
Auszeichnungen beehrt. Das Fest begann um 11 Uhr mit
einer Heerschau auf dem Tempelhofer Feld, fand seinen Höhepunkt
in dem Zuge durch die reich geschmückten Straßen und endigte mit