Der Bruch mit dem Kaiser. 299
bündnisse gegen ihn gebildet und in verwüstendem inneren Kriege
hatte man seinem Vorschreiten zu immer größerer Gewalt Schranken
setzen wollen. Aber immer war er als Sieger aus dem Kampfe
hervorgegangen, oft von der Autorität des Kaisers selbst unterstützt.
Aber seine Gegner ruheten nicht, und immer wieder brach der alte
Hader aus: und die Erzbischöfe von Cöln, und von Magdeburg
waren denn auf die Dauer selbst für einen Mann wie Heinrich den
Löwen gefährliche Gegner. So kam es denn, daß seit dem großen
Fürstenbündniß, das sich im Jahre 1168 gegen Heinrich gebildet
hatte, die Waffen nur kurze Zeit ruheten und Sachsen fast fortwährend
der Schauplatz innerer verwüstender Kämpfe war. Mit
der Erbitterung wuchs auch die Zahl seiner Gegner, und gerade in
den Jahren 1174 und 75 hatte der Herzog schwere und nicht ganz
glückliche Kämpfe zu bestehen gehabt.) Ganz Sachsen war in wilder
Gährung gegen ihn, es drehzte ein sehr schwerer, zugleich entscheidender
Kampf.
Daß dem Herzoge in einem solchen Augenblicke des Kaisers
Hülfsgesuch und vie Aufforderung zu einem neuen Zuge nach Italien
höchst ungelegen kam, ist begreiflich. Ebenso begreiflich ist es, daß
er sich der Erfüllung dieser Pflicht zu entziehen suchte, zumal da sie
gegen sein eigenes Interesse zu laufen schien. Wenigstens wollte
er sich dann einen hohen Preis zusichern lassen, einen Preis, der
ihm den ungestörten Besitz Sachsens sichern und die Kraft geben
sollte, alle seine Gegner im Zaume zu halten. Von diesem Gesichtspunkte
aus wird es erklärlich, warum ihm an dem Besitze
Goslars so viel gelegen war, daß er nur um diesen Preis des
Kaisers Aufforderung nachkommen zu wollen erklärt haben soll.
Goslar war der Schlüssel zu Obersachsen, dem Sitze seiner erbittertsten
Gegner.
Aber wenn dies alles den Sachsenherzog wenig geneigt machen
mußte, den Kaiser durch einen neuen Zug nach Italien zu unterstützen,
so genügt es — wie es uns scheinen will — doch noch
nicht, um den Bruch hinreichend zu erklären; vielmehr scheinen alle
fiei# pro donativo ad hoc ex-)
Bgl. oben p. 285.
petit. — Ann. Argentin. ibid.
2) Otto Sanblas. ap. Böhmer,
)
Fontes III, 604: Dux itaque Ienricus
utpote solus hoc tempore ad subveniendum
imperio potentia et opulentia
idoneus Goslariam ditissimam
Saronie eivitatem iure benep.
79: Qui (se. dux) — non aliter
imporio amminiculari posse nisi
Goslarie oppidum in beneficium sibi
daretur.
1176.