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ken, sich vorher Raths erholen können: sondern erst beim
Zusammenkommen erfuhr man, wovon eigentlich die Frage
seyn sollte, und so schnell man es erfuhr, so schnell sollte
man auch entscheiden. Oft geschah es, daß in der ganzen
Versammlung Niemand der Sprache mächtig war, in welcher
die Urkunden des Streits geprüft werden sollten *): man
mußte sich also mit Dolmetschern behelfen, und die Vaͤter
der Synode, welche nicht Fähigkeit geung gehabt hatten, die
entstandene Kontroverse nach ihren Gründen und Gegengründen
einzusehen, selbst auch wenn sie der Sprache mächtig gewesen
wiren, — sie waren doch oft mit den verworrensten
Kontroversen unverweilt fertig: wie der Ton von oben herab
angegeben wurde, so riefen sie alle Anathema oder Friede!
Welchen Einfluß auf eine solche Versammlung mußte sich
der schon vorher angesehenere, der mächtigere und reichere
Bischof zu verschaffen wissen, und das war doch gewiß der
Bischof der Hauptstadt. Selbst schon das Reisen auf die
Synode und der lange Aufenthalt an einem fremden Ort war
manchen der geringern Bischdfe höchst beschwerlich: solchen
Kosien waren ihre Kirchen nicht gewachsen; der geringere
mußte sich also an den vornehmern anschließen, der Arme
mußte sich gleichsam in das Gefolge des Reichen begeben,
und wie es bei der trient'schen Synode war, daß manche der
6) So gieng's nach Mansi Tom. IV. col. 509. z. B. auf der Synode
von Jerusalem im Jahr 475, auf welcher sich Pelagius
verantworten sollte. Pelagius sprach nichts als lateinisch; von
den Vätern verstund keiner lateinisch, der Dolmetscher, dessen
man sich bediente, ließ jede Parthie sprechen, was ihr gut dünkte,
und doch stritt und zankte man sich eine zeitlang miteinander.
Indeß ist das Faktum nicht ganz außer Zweifel, und wahrscheinlicher
war Orosius der Unwissende als Pelagius.