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Jeder der beiden Stadtteile besteht aber wieder aus mehreren
ungleichartigen Bestandteilen. Betrachten wir zunächst diejenigen der
inneren Stadt. Oben erwähnten wir, daß der älteste Teil der Ansiedelung
sich immer am Abhang einer Höhe befand. In Bremen, Hamburg,
Stettin und Danzig war dieser älteste Teil eine Fischerniederlassung,
die natürlich unregelmäßig gebaut und mehr einem Dorfe als
einer Stadt ähnlich war. Sie ist jetzt meist verschwunden; wo sie aber
noch erhalten ist, kennzeichnet sie sich durch enge, unregelmäßige und
winkelige Straßen. Am deutlichsten sehen wir sie noch in Danzig,
wo sie den zwischen Radaune und dem altstädtischen Graben liegenden
Teil der heutigen Altstadt bildet (Fig. 14 auf Beilage 8). Bis vor kurzem
viel deutlicher als heute nach großen Umbauungen der letzten Jahre .
hob sich auch „der Kessin*, die alte Wendenstadt Stettins in der nordöstlichen
Ecke der jetzigen inneren Stadt durch kurze und winkelige
Straßen ab!) (Fig. 12). Aeußerlich nicht mehr zu erkennen ist diese
Uransiedelung in Bremen — sie lag dort am Westrand des östlichen
Geestrückens an der Weser zu beiden Seiten der jetzigen Großen
Brücke?) — und ganz verschwunden ist sie schon auf den ältesten
Plänen von Hamburg.
Ein zweiter Teil der inneren Stadt zeichnet sich im Gegensatz
zu dem oben besprochenen durch außerordentliche Regelmäßigkeit aus.
Die Straßen haben in demselben einen fast völlig geraden Verlauf und
schneiden sich meist genau in einem rechten Winkel und in regelmäßigen
Zwischenräumen. Dieser Stadtteil ist — mit Ausnahme Hamburgs
— nicht nur ein gemeinsames Merkmal der von uns besprochenen
Städte, sondern findet sich fast in allen ostelbischen Städten Deutschlands
wieder und weist überall dieselbe Regelmäßigkeit, ja denselben
Umfang und dieselbe Gestalt, nämlich die eines Ovals von 600 m Längsund
300—400 m Querdurchmesser auf. Das Verdienst, diese auffallende
Erscheinung als eine weitverbreitete festgestellt zu haben, hat der
Straßburger Gymnasiallehrer Joh. Fritz, der in einer Programmarbeit
unter dem Titel „Deutsche Stadtanlagen* seine Forschungen niedergelegt
hat. Fritz fand jenes Oval (bei nicht vollständigem Material) in etwa
200 Städten und erklärt es in jedem Falle als eine deutsche Ansiedelung,
die nach einem bestimmten, überall gleichen Plane angelegt
ist. Dieser Plan, dessen Herkunft Fritz nicht vollständig sicher nachweisen
kann, ist nach ihm das Schema für alle Stadtgründungen vom
12.—14. Jahrhundert in dem den Slaven abgerungenen deutschen Kolonisationslande.
Seine genaue Ausführung wurde von Lokatoren überwacht:
„Reißbrett und Stift, Meßkette und Pflugschar haben bei derselben
eine Rolle gespielt.“
In den hier behandelten Städten kommt dieser „deutsche Gründungsplan“
in verschiedenen Graden der Deutlichkeit vor. Am schönsten
findet er sich ın Kiel, wo er den ganzen Raum zwischen Kleinem Kiel
und der Förde ausfüllt (Fig. 10), in Danzig, wo er die sogen. Rechte
Stadt bildet (Fig. 14) und in Königsberg (Fig. 15). In Bremen hat nur
H. Lemcke, Die älteren Stettiner Straßennamen. Stettin 1881, S. 1—2.
2) Buchenau, Bremen, Taf. 4.