Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1887. (21)

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§.  40.

In  der  schriftlichen  Prüfung  erhält  der  Prüfling  je  eine  Aufgabe  der  in
Anlage  II  beziehungsweise  Anlage  III  mit  einem  *  bezeichneten  Gegenstände.

§.  41.

Während  der  schriftlichen  Prüfung  ist  durch  geeignete  Maßnahmen,  namentlich
durch  stete  Aufsicht  über  die  Prüflinge  und,  wenn  deren  gleichzeitig  mehrere  sind,
durch  Absonderung  derselben  von  einander  dafür  Sorge  zu  tragen,  daß  sie  keinerlei
fremde  Hülfe  und  außer  nautischen  Tafeln  und  Ephemeriden  keine  Bücher  und
Schriften  benutzen.  Den  ihm  angewiesenen  Platz  darf  ein  Prüfling,  wenn  er
nicht  als  zurückgetreten  angesehen  werden  will,  nur  mit  besonderer  Erlaubniß
verlassen.

§.  42.

Jedem  Prüfling  wird  von  der  Kommission  ein  foliirtes  Prüfungsheft  behändigt.
  Nachdem  er  seinen  Namen  darauf  vermerkt,  hat  er  in  dasselbe  zunächst
einen  von  einem  Kommissionsmitgliede  zu  beglaubigenden  Auszug  aus  den  Nachweisen
  über  sein  Alter  und  seine  Fahrzeit,  sodann  die  Lösungen  der  Aufgaben
nebst  allen  vorzunehmenden  Berechnungen  etc.  mit  Tinte  einzutragen.  Während
der  schriftlichen  Prüfung  darf  der  Prüfling  außer  dem  Prüfungshefte  anderes
Papier  zum  Schreiben  oder  Rechnen  nicht  benutzen.

§.  43.

Für  jeden  Gegenstand  der  schriftlichen  Prüfung  (Anlagen  II  und  III)  läßt
der  Reichskanzler  eine  größere  Anzahl  Aufgaben  entwerfen,  welche  unter  Beifügung
der  Lösungen  der  Rechnungsaufgaben  den  Prüfungskommissionen  zugesandt  werden.

Die  Aufgaben  werden  nach  den  Gegenständen  zu  Bündeln  vereinigt  und
äußerlich  deutlich  bezeichnet.  Der  Prüfling  zieht  aus  jedem  dieser  Bündel  je  eine
Aufgabe  und  trägt  dieselbe  sammt  der  von  ihm  bearbeiteten  Lösung  in  das  Prüfungsheft
  ein.  Das  Ergebniß  dieser  Lösung  wird  von  einem  Kommissionsmitgliede
im  Hefte  sofort  nochmals  niedergeschrieben  oder  sonst  festgestellt.  Auch  wird  im
Hefte  die  Zeit  vermerkt,  zu  welcher  die  Lösung  der  Aufgaben  begonnen  und
beendet  ist.

§.  44.

Die  beiden  Navigationslehrer  beurtheilen  die  von  den  Prüflingen  bearbeiteten
Lösungen  der  schriftlichen  Aufgaben  unter  kurzer  Andeutung  der  gefundenen  Fehler
mittelst  schriftlicher  Randbemerkungen  in  den  Prüfungsheften  und  ertheilen  jeder
Lösung  eine  der  Zensuren:  „Genügend“  oder  „Nicht  genügend".  Wenn  die
Navigationslehrer  sich  über  eine  Zensur  nicht  einigen,  so  hat  die  Prüfungskommission
  dieselbe  nach  Stimmenmehrheit  festzustellen.

Ist  der  Vorsitzende  der  Prüfungskommission  Nautiker,  so  kann  die  Landesregierung
  ihm  die  Revision  der  von  den  Navigationslehrern  ertheilten  Zensuren
und  deren  endgültige  Feststellung  übertragen.