Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1889. (23)

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§.  20.

Durch  das  Statut  kann  für  einen  bestimmten  Zeitraum,  welcher  zehn  Jahre
nicht  überschreiten  darf,  festgesetzt  werden,  daß  der  Gewinn  nicht  vertheilt,  sondern
dem  Reservefonds  zugeschrieben  wird.  Bei  Ablauf  des  Zeitraums  kann  die
Festsetzung  wiederholt  werden;  für  den  Beschluß  genügt,  sofern  das  Statut  nicht
andere  Erfordernisse  aufstellt,  einfache  Stimmenmehrheit.

§.  21.

Für  das  Geschäftsguthaben  werden  Zinsen  von  bestimmter  Höhe  nicht  vergütet,
  auch  wenn  der  Genosse  Einzahlungen  in  höheren  als  den  geschuldeten  Beträgen
  geleistet  hat.

Auch  können  Genossen,  welche  mehr  als  die  geschuldeten  Einzahlungen  geleistet
  haben,  im  Falle  eines  Verlustes  andere  Genossen  nicht  aus  dem  Grunde  in
Anspruch  nehmen,  daß  von  letzteren  nur  diese  Einzahlungen  geleistet  sind.

§.  22.

Eine  Herabsetzung  des  Geschäftsantheils  oder  der  auf  denselben  zu  leistenden
Einzahlungen  oder  eine  Verlängerung  der  für  die  letzteren  festgesetzten  Fristen  kann
nur  unter  Beobachtung  der  Bestimmungen  erfolgen,  welche  für  die  Vertheilung
des  Genossenschaftsvermögens  im  Falle  der  Auflösung  maßgebend  sind.

Das  Geschäftsguthaben  eines  Genossen  darf,  solange  er  nicht  ausgeschieden
ist,  von  der  Genossenschaft  nicht  ausgezahlt  oder  im  geschäftlichen  Betriebe  zum
Pfande  genommen,  eine  geschuldete  Einzahlung  darf  nicht  erlassen  werden.

Gegen  die  letztere  kann  der  Genosse  eine  Aufrechnung  nicht  geltend  machen.

§.  23.

Für  die  Verbindlichkeiten  der  Genossenschaft  haften  die  Genossen  nach  Maßgabe
  dieses  Gesetzes.

Wer  in  die  Genossenschaft  eintritt,  haftet  auch  für  die  vor  seinem  Eintritt
eingegangenen  Verbindlichkeiten.

Ein  den  vorstehenden  Bestimmungen  zuwiderlaufender  Vertrag  ist  ohne
rechtliche  Wirkung.

Frauen  können  in  Betreff  der  durch  ihre  Mitgliedschaft  übernommenen  Verpflichtungen
  sich  auf  die  nach  Landesgesetzen  für  sie  geltenden  Rechtswohlthaten
nicht  berufen.

Dritter  Abschnitt.
Vertretung  und  Geschäftsführung.

§.  24.

Die  Genossenschaft  wird  durch  den  Vorstand  gerichtlich  und  außergerichtlich
vertreten.