Full text : Europäischer Geschichtskalender. Vierter Jahrgang. 1863. (4)


90                    Deutschland.

19.  Nov.  (Coburg-Gotha).  Herzog  Ernst  ist  der  erste,  der  den

















Erbprinzen  von  Augustenburg  als  Herzog  von  Schleswig-  Holstein
anerkannt  hat.  Herzog  Friedrich  nimmt  seinen  Sitz  vorläufig  in
Gotha  und  bildet  ein  Ministerium.

20.  „  (Oesterreich).  Der  Abg.  Rechbauer  interpellirt  im  Reichsrathe
  die  Regierung  wegen  Schleswig-Holstein.

„   „  (Hamburg).  Eine  schleswig-holsteinische  Volksversammlung  ist
von  der  Polizei  dreimal  aufgelöst  worden  und  wird  erst  geduldet,
da  sie  sich  von  der  Altona  benachbarten  Vorstadt  St.  Pauli  auf
die  andere  Seite  Hamburgs  zurückzieht.

21.  „  (Bundestag).  Der  dänische  Gesandte  zeigt  die  Thronbesteigung
  Christian  IX.  an,  der  badische  Gesandte  legt  seine  Vollmacht
für  Friedrich  VIII.  vor;  verschiedene  Regierungen  stellen  Anträge
in  der  schleswig-holsteinischen  Frage.  Anzeige,  Vollmacht,  Anträge
werden  dem  holsteinischen  Ausschuß  überwiesen.

„  „  (Holstein).  Eine  Anzahl  Mitglieder  der  holsteinischen  Ritterschaft
  erklärt  in  einer  Versammlung  zu  Kiel  ihre  Zustimmung  zu
der  Eingabe  der  Ständemitglieder  vom  19.  Nov.  an  die  Bundesversammlung.


       Die  Mehrzahl  der  Beamten  in  Holstein  verweigert  den  von  ihnen
geforderten  Huldigungseid  für  Christian  IX.

22.   „  Die  Bewegung  für  Schleswig-Holstein  fängt  an,  ganz  Deutschland
  zu  ergreifen.  Zahlreiche  Volksversammlungen  sprechen  sich  in
energischen  Resolutionen  für  die  Rechte  der  Herzogthümer  aus.
Ueberall  werden  Comite's  eingesetzt  und  Geldsammlungen  veranstaltet,
  hie  und  da  auch  die  Organisation  von  Freiwilligen  vorbereitet.


23.  „  (Preußen).  Die  Abg.  Stavenhagen  und  Virchow  bringen  Namens

  der  beiden  liberalen  Fractionen  im  Abg.-Hause  einen  Antrag
bezüglich  Schleswig-Holsteins  ein.

24.  „ (Holstein).  Neue  Versammlung  holsteinischer  Ständemitglieder
in  Hamburg.  Die  Kieler  Eingabe  vom  19.,  Nov.  an  den  Bund
wird  einstimmig  gutgeheißen;  dieselbe  erhält  nachträglich  38  Unterschriften.



„  „ (Württemberg).  Beide  Kammern  treten  nach  anderthalbjähriger
  Vertagung  wieder  zusammen  und  beide  sprechen  sich  sofort
und  einstimmig,  die  I.  Kammer  durch  eine  Adresse  an  den  König,
die  II.  Kammer  durch  eine  Resolution,  für  die  Rechte  der  Herzogthümer
  Schleswig-Holstein  und  für  die  legitime  Erbfolge  in  denselben
  aus.

„    „  (Hessen-Darmstadt).  Beide  Kammern  erklären  sich  einstimmig
  für  Wahrung  der  Rechte  Schleswig-Holsteins,  die  erste  in
allgemeinen  Ausdrücken,  die  zweite,  indem  sie  die  Regierung  ersucht,
durch  Anerkennung  des  Herzogs  Friedrich  das  Recht  und  die  In-