§ 108. Die Landwirtschaft. 311
vom 20. Mai 1898, R.-G.-Bl. S. 810) und Gesellschaften mit beschränkter Haftung (Reichsgesetz
vom 20. April 1892 und Einf.-G. zum H.-G.-B. vom 10. Mai 1897 Art. 11) veranlassen
nur in einzelnen Beziehungen eine Tätigkeit der Verwaltung oder Verwaltungsrechtspflege
¹).
Hinsichtlich des Bankwesens ²) ist das Reichs-Bankgesetz vom 14. März 1875 (R.-G.=Bl.
S. 177) mit Novelle vom 7. Juni 1899 (R.-G.-Bl. S. 311) und Verordnung vom
3. Sept. 1900 (R.-G.-Bl. S. 793), ferner das Hypothekenbankgesetz vom 13. Juli 1899
(R.-G.-Bl. S. 375) maßgebend. Durch das erstere Gesetz wurde Bayern ermächtigt, bis zum
Höchstbetrage von 70 Millionen Mark die Befugnis zur Ausgabe von Banknoten für die in
Bayern bestehende Notenbank (die Hypotheken= und Wechselbank in München) zu erweitern
oder diese Befugnis einer andern Bank zu erteilen, sofern sich diese den reichsgesetzlichen
Bestimmungen (§ 44 des Gesetzes von 1875 und Art. 7 der Novelle von 1899 über die
Beschränkung der Diskontierung) für die Privatnotenbanken unterwerfe. Von dieser Befugnis
hat Bayern zu Gunsten der bayerischen Notenbank in München Gebrauch gemacht,
welche von der bayerischen Hypotheken= und Wechselbank auf Grund eines Vertrags mit der
bayerischen Staatsregierung vom 20. März 1875 ³) gegründet wurde ⁴).
Nach Reichsgesetz vom 22. Juni 1896 (R.-G.-Bl. S. 157) ⁵) bedarf die Errichtung
einer Börse der Genehmigung der Landesregierungen. Die unmittelbare Aussicht über
die in München und Augsburg bestehenden Börsen wurde den dortigen Handelskammern
übertragen, daneben sind Staatskommissäre (z. Z. die Fiskalräte der Kreisregierung) aufgestellt.
Die 5 Mitglieder des Ehrengerichtes werden von der Handelskammer gewählt,
die Kursmakler durch das Ministerium des Innern im Benehmen mit den Ministerien der
Justiz und der Finanzen bestellt und entlassen.
2. Titel.
Die Perwaltungstätigkeit in bezug auf die einselnen Erwerbszweige.
§ 108. Die Landwirtschaft. Die Entlastung des bäuerlichen Grundbesitzes
in Bayern ⁶) hat sich erst seit dem Jahre 1848 vollzogen. Die VI. Beilage zur
Verfassungsurkunde, das Edikt über die gutsherrlichen Rechte und die gutsherrliche Gerichtsbarkeit,
hatte die gutsherrlichen Rechte, weit entfernt, sie zu beseitigen, vielmehr neu
geregelt. Im übrigen begnügte sie sich damit, die Grundlasten „nach dem Einverständnisse
der Beteiligten“ für ablösbar zu erklären, die Umwandlung der ungemessenen Frohnden
1) Vgl. in betreff der Hilfskassen: V. O. vom 1. November 1884 (Weber XVI S. 696;
dazu 701); Erwerbs= etc. Genossenschaften: V. O. vom 24. Juli und Ges. vom 28. November 1889
(G. V. Bl. S. 409, 581); Gesellschaften mit beschränkter Haftung: Ges. vom 22. Mai 1892 (G.V. Bl.
S. 119), in gewissem Umfange gilt noch das bayerische Ges. vom 29. April 1869 (G. Bl. S. 1153 ff.)
in der Fassung des Art. 161 des Ausf.G. z. B.G.B.
2) H. v. Poschinger, Bankgeschichte des Königreichs Bayern, 3. u. 4. Lieferung, Erlangen
1875, 1876. Ueber die in Bayern bestehenden wichtigeren Banken s. Krais d. a. O. III
S. 182 f. Geib, Handbuch II S. 542. Ueber die k. Bank in Nürnberg s. oben S. 154. Piloty
in den Bl. f. adm. Pr. I. S. 53, weitere Literaturangaben s. bei Laband, Staatsrecht
III Bd. S. 129 ff.
3) Abgedruckt Annalen des Deutschen Reichs 1875 S. 1021 ff.
4) Vgl. G.V. Bl. 1875 S. 363, 635, 642, 668, R.G.Bl. S. 390. v. Seydel, Staatsrecht
III S. 344.
5) Geändert durch Art. 14 des Einf.G. z. H. G. B. vom 17. Mai 1897 (R.G.Bl. S. 437).
Min. Bek. vom 21. Nov. 1896 (G.V. Bl. S. 633 u. 634); Bek. des R. K. vom 9. Okt. 1896 (Weber
XXIV S. 152) und 11. Dez. 1896 (R.G.Bl. S. 763). Min. Bek. vom 19. Okt. u. 21. Nov.
1896 (J. M. Bl. S. 334, 372) über die Börsenregister. Bek. v. 14. Dez. 1899 (F.M. Bl. 1900 S. 2).
— E. Tischer, der Begriff und die Errichtung einer Börse. — Wörterbuch des deutschen Verwaltungsrechtes
3. Erg. Bd. S. 32 ff.
6) Bezüglich der Pfalz und der Anwendbarkeit des Ablösungsges. vom 4. Juni 1848 auf
dieselbe s. Hock, Haudbuch der gesamten Finanzverwaltung im Königreiche Bayern II S. 707 ff.