IV. Die Teilung Polens und der Baseler Friede. 319
bitterte und erzeugte eine Gärung, die niederzuhalten dauernder
harter Druck notwendig war.
Trotz alledem konnte Friedrich Wilhelm nicht zum Ent—
schlusse kommen: unbeständig schwankte er zwischen den sich
bietenden Möglichkeiten in Ost und West. Niedergedrückt von
all diesen Widerwärtigkeiten, zudem körperlich leidend, tief
verstimmt durch die Einstellung der englischen Zahlungen, die —
längst erwartet — eben damals erklärt und durch Zweifel an
der Bundestreue Preußens begründet wurde, und von den
Ministern bestürmt mit trostlosen Schilderungen der finanziellen
Erschöpfung, hatte er erst am 8. Oktober Möllendorff endlich
erlaubt, unter Umständen über den Rhein zurückzugehen. Unter
dem Eindruck der russischen Siege in Polen und der Aussicht
auf neues Entgegenkommen der Seemächte, fiel er alsbald wieder
in die alte Kriegslust zurück. Diese wieder zu ertöten, war das
Ergebnis nur allzu geeignet, zu dem die Beratungen einer
Ministerkommission über die Finanzlage führten. Die kom—
petentesten Staatsbeamten konstatierten dabei einstimmig, außer
einem im Inlande aufzunehmenden Darlehen von Scheidemünze,
welche staatliche und landschaftliche Kreditinstitute bei Kapital—
anlagen ausschlossen, und gesteigerter Ausprägung von Groschen
und Kreuzern sei keine Hilfsquelle mehr vorhanden, die für die
Beschaffung der zur Fortführung des Krieges nötigen Mittel
irgend Ertrag verheiße. Angesichts der so erklärten Leistungs—
unfähigkeit des Staates erneuten die Minister den „patriotischen
Wunsch, der König möge seinen bis jetzt so glücklichen Unterthanen
je eher je lieber den zur allgemeinen Wohlfahrt und
Glückseligkeit so notwendigen Frieden unter zweckmäßigen Be—
dingungen zu verschaffen geruhen“. Das ganze Volk sei erfüllt von
dem Wunsche nach Frieden und Ruhe, widerstrebe aber ganz besonders
dem französischen Kriege, während es für die Dämpfung
der polnischen Unruhen eher Opfer zu bringen bereit sein werde.
Eben in diesen Tagen nun wurde der König durch Möllendorff,
der, zum Rückzug nach Westfalen angewiesen, doch Bedenken
trug, die Rheinlande ganz ungeschützt zu lassen und
daher wenigstens einen Waffenstillstand zu vereinbaren wünschte,
von der geheimen Anknüpfung unterrichtet, die dazu mit Frank-