Metadata : Das Buch von unsern Kolonien.

Der  Hottentotten-Aufstand.

Anfang  Oktober  1904  traf  über  Kapstadt  die  Nachricht  ein,  daß  im
Süden  unseres  Schutzgebiets  sich  dieselbe  Tragödie  abgespielt  hätte  wie
im  alten  Damaraland.  Die  Lichtnachrichten  von  Gibeon  hatten  plötzlich
aufgehört.  Hendrik  Witboi,  auf  dessen  Treue  Oberst  Leutwein  sich  ganz
fest  verlassen  zu  können  glaubte,  und  der  seit  zehn  Jahren,  seit  dem
Frieden  zu  Naukluft  im  September  1894,  sich  für  den  leutseligsten  Freund
der  Deutschen  ausgegeben  hatte,  zeigte  uns  plötzlich  sein  wahres,  in
Gegensätzen  sich  bewegendes  Wesen.  Schriftlich  kündete  er  den  Unsern
den  Krieg.  Selbst  der  Bezirkschef  von  Gibeon,  Hauptmann  v.  Burgsdorff,
hatte  dies  für  unglaublich  gehalten.  Er  ritt  sofort  meilenweit  allein,
von  Gibeon  nach  Rietmont,  um  den  greisen  Hendrik  zu  besuchen,  ihm
Vorstellungen  zu  machen.  Aber  in  dessen  Werft  wurde  er  hinterrücks
erschossen,  und  der  Mörder,  der  später  in  der  Müste  elendiglich  verschmachten
  sollte,  wurde  von  Hendrik  belobigt.  Gerade  der  Umstand,
daß  zehn  Jahre  des  Friedens  verflossen  waren,  gibt  nun  zugleich  die
Erklärung  für  Hendriks  Verhalten  ab.  Denn  diese  Zeitspanne  spielt  bei
den  Kaffern  eine  große  Rolle.  „Die  Zeit  hat  sich  erfüllt,“  so  schrieb
Hendrik  selbst,  „wo  er  große,  lang  gehegte  Entschlüsse  auszuführen  sich
anschicken  müsse.“

Die  Witbois  stammen  aus  der  Kapkolonie,  aus  kühlerem  Klima  und
zeichnen  sich  durch  eine  hellere  Hautfarbe  aus.  Daher  ihr  Name
(Witboois,  auch  Witbois,  Hellfarbige).  Die  Engländer  nennen  die
eiger  im  allgemeinen  Boys,  Jungen.  Es  sind  fanatische  Christen;  sie
würden  fanatisch  sein,  auch  ohne  ihr  Christentum.  Man  sagt  am  Kap,
kein  Weißer  könnte  verstehen,  was  in  einem  Kaffernschädel  vor  sich  geht.
Um  eben  jene  Zeit  kam  nun  ein  Stammesgenosse  Klas  Shepherd,  genannt
Stürmann,  zu  dem  betagten  Häuptling,  und  predigte  ihm  und  allen  den