— 133 —
§. 17.
Für das Aufgebotsverfahren zum Zwecke der Kraftloserklärung einer auf
den Inhaber lautenden Schuldverschreibung oder Schatzanweisung ist dasjenige
Amtsgericht ausschließlich zuständig, in dessen Bezirke die Reichsschuldenverwaltung
ihren Sitz hat.
Durch Anordnung des Reichskanzlers kann die Anwendung der Vorschrift
des Abs. 1 für einzelne Theile der Anleihe im voraus ausgeschlossen werden.
Ueber die Ausführung einer solchen Anordnung hat der Reichskanzler dem Reichstage,
wenn dieser versammelt ist, sofort, anderenfalls bei dessen nächster Zusammenkunft
Rechenschaft abzulegen.
§. 18.
Soll eine Schuldverschreibung oder Schatzanweisung für kraftlos erklärt
werden, so muß die öffentliche Bekanntmachung des Aufgebots und des Ausschlußurtheils,
unbeschadet der Vorschriften der §§. 1009, 1017 der Civilprozeßordnung,
auch durch einmalige Einrückung in eine in Hamburg, eine in Leipzig, eine in
Frankfurt a. M. und eine in München erscheinende Zeitung erfolgen; die Bestimmung
und die Veröffentlichung dieser Zeitungen im Deutschen Reichsanzeiger
sind jährlich durch den Reichskanzler zu veranlassen.
§. 19.
Die Reichsschuldenverwaltung hat jährlich amtliche Listen der im abgelaufenen
Rechnungsjahre für kraftlos erklärten Schuldverschreibungen und Schatzanweisungen
durch den Deutschen Reichsanzeiger und die im §. 18 bezeichneten
Blätter sowie durch Aushang auf der Börse in Berlin und den Börsen der im
§. 18 bezeichneten Orte zu veröffentlichen.
Die Reichsschuldenverwaltung kann noch andere Veröffentlichungen veranlassen.
§. 20.
Dieses Gesetz tritt mit dem Tage der Verkündigung in Kraft. Der §. 6
des Gesetzes vom 9. November 1867 (Bundes = Gesetzbl. S. 157) und das Gesetz
vom 12. Mai 1873 (Reichs = Gesetzbl. S. 91) sowie der §. 3 des Gesetzes vom
23. Februar 1876 (Reichs = Gesetzbl. S. 24) treten außer Kraft.
Im §. 16 Abs. 2 des Bankgesetzes vom 14. März 1875 (Reichs = Gesetzbl.
S. 177) werden die Worte: „welcher zu diesem Zwecke ein vom Kaiser ernanntes
Mitglied hinzutritt“ gestrichen.
Die nach Maßgabe des §. 3 des Gesetzes vom 23. Februar 1876 gewählten
Mitglieder der Reichsschulden = Kommission sowie das auf Grund des
§. 16 des Gesetzes vom 14. März 1875 vom Kaiser ernannte Mitglied werden
für die Zeit, für welche sie gewählt oder ernannt sind, vollberechtigte Mitglieder
der Kommission.
Reichs = Gesetzbl. 1900. 26