Full text : Die Lügen unserer Sozialdemokratie.

—  236  —

Aufruf  einverleibt.  Versöhnt  schrieb  Herr  Liebknecht  aus  Leipzig:
aͤn  der  Hauptsache  habt  Ihr  den  Nagel  auf  den  Kopf  getroffen!
Urrahl!“

Wenige  Tage  später,  am  9.  September  in  der  Frühe,  wurden
die  Mitglieder  des  Braunschweiger  Ausschusses  auf  Befehl  des
Generals  Vogel  von  Falckenstein  verhaftet  und  in  Ketten  nach  der
Festung  Lötzen  abgeführt.  Die  Herren  Bebel  und  Liebknecht  ereilte
leider  erst  am  17.  Dezember  das  Schicksal,  in  Leipzig  unter  der
Anklage  des  Hochverrathes  verhaftet  zu  werden.  Sie  fanden  inzwischen
  leider  noch  Zeit,  im  Norddeutschen  Reichstage  die  häßlichsten
  Szenen  aufzuführen,  welche  jemals  in  dieser  Körperschaft
erlebt  worden  sind.  Aber  so  empörend  diese  Szenen  sind,  welche
wir  nun  wortgetreu  nach  den  stenographischen  Berichten  darstellen
werden,  so  vernichten  sie  doch  wenigstens  endgültig  und  unwiderleglich
  die  Lüge  von  der  „Vaterlandsliebe“  der  deutschen  Sozialemokratie!


3.  Im  Winter  1870.

Gegen  Ende  November  1870  trat  der  Norddentsche  Reichstag

zu  seinen  letzten  Sitzungen  zusammen,  um  eine  Anleihe  von  hundert
Millionen  Thalern  zur  Fortführung  des  Krieges  zu  bewilligen  und
die  Versailler  Verträge  mit  den  süddeutschen  Staaten  zu  genehmigen,
und  damit  die  Grundlagen  der  heutigen  deutschen  Reichsverfassung
zu  schaffen.  Bekanntlich  erfuhren  die  Vorlagen  der  Regierung  im
Laufe  der  Verhandlungen,  aus  dem  einmüthigen  Drange  der  deutschen
  Volksseele  heraus,  nur  die  eine  —  durch  die  Zuschrift  des
Bundeskanzlers  an  den  Reichstag  am  9.  Dezember  1870  von  der
Regierung  selbst  vorgeschlagene?)  —  Aenderung:  an  die  Stelle  von
andesoberhamgt  und  Bund“  die  Worte  „Kaiser  und  Reich“
u  setzen.
In  dieser  kurzen,  fast  von  derselben  nationalen  Begeisterung
wie  im  Juli  erfüllten  Tagung  nun,  ergriff  Herr  Bebel  schon  in
der  ersten  Sitzung  am  26.  November  1870,  als  die  neue  Kriegsanleihe
  zur  ersten  Berathung  stand,  das  Wort  zu  folgender  Rede,
an  deren  Spitze  er  die  dreisten  Worte  setzte.):

„Ich  glaube  ein  ebenso  guter  Deutscher  und  ein  ebenso  guter  Patriot

zu  sein  wie  meine  Vorredner.“  Diese  vortreffliche  deutsche  Gesinnung  bethätigte
  Herr  Bebel  dann  weiter  durch  folgende  Sätze:  „Die  Verhandlungen,

*)  Sten.  Ber.  S.  151.
**)  Sten.  Ber.  S.  9—13.