Full text : Handwörterbuch der Preußischen Verwaltung. Erster Band (A-K). (1)

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der  Journale  für  den  betreffenden  Monat  und
zugleich  für  den  verflossenen  Teil  des  Etatsjahres
  nachgewiesen  werden.

III.  Behandlung  der  Einnahmen  und
Ausgaben.  Alle  zur  Verrechnung  gelangenden
  Einnahmen  müssen  der  G.  durch  die
Etats  und  sonstigen  allgemeinen  Vorschriften
oder  durch  besondere  Orders  überwiesen  sein;
andere  werden,  sofern  nicht  mit  Sicherheit  zu
ersehen  ist,  daß  sie  der  G.  nicht  gebühren,  in
Asservation  genommen,  und  es  wird  der  zuständigen
  Stelle  hierüber  Anzeige  gemacht.
Jede  Einzahlung  in  bar  oder  durch  Anrechnung
  muß  mittels  Lieferzettels  oder  durch  das
Begleitschreiben  deklariert  werden.  Die  Deklaration
  gelangt  von  dem  Buchhalter  mit
Quittungsentwurf  an  den  Rendanten,  dann
an  den  Kassierer  und  nach  Leistung  der  Zahlung
  an  den  Rendanten  zurück,  der  die  nacheinander
  vom  Buchhalter,  Kassierer  und  Rendanten
  vollzogene  Quittung  aushändigt.  Einzahlungen
  durch  Anrechnung  bilden  zugleich
ein  Einnahme=  und  ein  Ausgabegeschäft;  die
Quittungen  über  sie  vollzieht  nur  der  Buchhalter
  und  der  Rendant.  Ausgaben  dürfen
nur  auf  Grund  der  Etats,  allgemeiner  oder
spezieller  Anweisungen  oder  von  Assignationen
oder  Requisitionen  mit  der  G.  im  Abrechnungsverkehr
  stehender  Kassen  und  nicht  vor  dem
Fälligkeitstermine  erfolgen.  Sie  müssen  durch
Quittung  bzw.  Posteinlieferungsschein  und
außerdem  durch  die  erforderlichen  Justifikatorien
belegt  werden.  Die  Identität  des  Empfängers
zu  prüfen  ist  die  G.  berechtigt,  aber  nicht  verpflichtet.
  Besoldungen  und  Remunerationen  sowie
  sonstige  Zahlungen  bis  2000  M.  weist  nur
der  Buchhalter,  andere  dieser  und  der  Rendant
an.  Wegen  des  Giroverkehrs  (.  d.

IV.  Kassenabschlüsse  und  c-revisionen.
Die  erstern  haben  den  Zweck,  einen  summarischen
  Uberblick  über  die  Bestände  und  eine
systematische  Ubersicht  des  Standes  jedes  einzelnen
  Verwaltungszweiges  und  der  Gesamtverwaltung
  zu  gewähren.  Rendant  und  Oberbuchhalter
  bewirken  täglich  nach  den  Hauptjournalen
  den  Tagesabschluß,  tragen  ihn  in
ein  „Tagesabschlußbuch“  ein  und  erstatten  nach
Feststellung  der  Ubereinstimmung  mit  dem

assenbestande  dem  FM.  Bapport.  Der  Monatsabschluß
  erfolgt  in  der  Regel  vier  bis
fünf  Tage  vor  dem  Letzten  jedes  Monats  in
den  Istspalten  sämtlicher  Kassenbücher  durch
Hinzurechnung  der  Hauptbeträge  der  Vormonate
  zu  den  Summen  für  den  letzten  Monat.
  Der  Jahresabschluß  erfolgt  am  15.  Juni;
dabei  werden  auch  die  Manuale  vollständig
abgeschlossen  und  für  die  einzelnen  Verwaltungen
  Jahresabschlüsse  aufgestellt.  Die  ordentliche
  Revision  der  G.  findet  in  der  Regel
für  die  beiden  ersten  Monate  jedes  Quartals
am  letzten,  für  den  letzten  Quartalsmonat  am
vorletzten  Werbtage  des  Monats  statt;  die
Finalrevision  wird  nach  Bestimmung  des

urators  entweder  mit  einer  Monatsrevision
verbunden  oder  an  einem  besonderen  Tage  abgehalten
  (ogl.  Kassenrevisionen,  und  im
übrigen  die  Artikel  Etats=  und  Rechnungswesen
  des  Staates,  sowie  die  Kassen  betreffenden
  Artikel.

 

Generalstab  der  Armee  —  Generalsuperintendent.

Generalstab  der  Armee  besteht  aus  den
Generalstäben  bzw.  Generalstabsoffizieren  bei
den  höheren  Truppenverbänden  (Armeekorps,
Divisionen,  sowie  Gouvernements  usw.)  und
dem  großen  Generalstab.  Während  erstere  zur
Unterstützung  der  betreffenden  Truppenbefehls--haber
  bestimmt  sind,  hat  letzterer  die  Aufgabe,
Bachrichten  über  fremde  Armeen  ufw.  einzuziehen
  und  zu  sammeln,  Feldzugspläne,  sowie
  den  Aufmarsch  der  Armee  im  Mobilmachungsfalle
  vorzubereiten,  auch  das  militärische
  Transportwesen  zu  leiten  (s.  Linienkommissionen),
  die  Geschichte  früherer
Feldzüge  zu  erforschen  und  zu  behandeln,  die
Landesaufnahme  (s.  Landesvermessung)  zu
bewirken  und  für  den  Kriegsbedarf  das  erforderliche
  Kartenmaterial  zu  sammeln  und
herzustellen.  Der  große  Generalstab,  welcher
für  diese  verschiedenen  Zweche  in  Abteilungen
zerfällt,  ist  dirett  dem  Kaiser  untergeordnet
und  steht  unter  Leitung  der  Chefs  des  Generalstabes,
  sowie  des  Generalquartiermeisters
als  seines  Vertreters.

Generalsuperintendent.  Die  Kirchenordnungen
  des  16.  Jahrh.  erwähnen  eine  „Obersuperattendenz“,
  einen  allgemeinen  oder  G.,
dessen  Aufgabe  zunächst  die  Ordination  der
neuen  Geistlichen  und  die  unmittelbare  persönliche
  Aufsicht  über  deren  Lehre,  Amtsführung
und  Wandel  sein  sollte  (s.  Schön,  Ev.  Kirchenrecht
  S.  13,  15,  29).  Doch  hatte  sich  das  Amt
nicht  gleichmäßig  und  nicht  überall  entwickelt
(s.  Schön  S.  19,  28  ff.).  Die  allgemeine  Wiederherstellung
  und  Einführung  in  den  östlichen
Provinzen  erfolgte  durch  die  AE.  vom  7.  Febr.
und  29.  Aug.  1828,  die  Bek.  vom  2.  Jan.  1829
(v.  Kamptz  13,  66)  und  die  Instr.  vom  14.  Mlaie
1829  (das.  13,  279).  Aufgabe  der  G.  ist  die
persönliche  Beaufsichtigung  des  ev.  Kirchenwesens,
  um  anregend,  belehrend,  helfend,
vermittelnd  zu  wirken.  Im  besonderen  sollen
sie  achten  auf  Lehrart  der  Geistlichen,  Reinheit
  und  Würde  des  Gottesdienstes,  kirch—
lichen  Geist,  Wandel  der  Kirchenbeamten,
Beschaffenheit  der  Elementar=  und  anderer
Bürgerschulen,  religiöse  und  kirchliche  Tendenz
  der  gelehrten  und  höheren  Schulen.
Sie  haben  die  Revisionen  der  Superintendenturen
  vorzunehmen,  sollen  der  Diözesangeistlichteit
  dabei  näher  treten;  sie  weisen  die
Superintendenten  ein,  nehmen  an  allgemeinen
Versammlungen  teil,  sie  wirken  bei  den  Prüfungen
  mit  und  sorgen  für  gründliche  Fortbildung
  der  Geistlichen.  Zu  ihren  besonderen
Amtsgeschäften  gehört  die  Ordination.  Sie
sind  als  G.  dem  Ev.  Oberkirchenrat  unmittelbar
  untergeordnet,  sind  Mitglieder  der  Konsistorien
  und  nehmen  den  ersten  Rang  nach
dem  Präsidenten  ein.  Bei  Besetzung  von  kal.
Patronatsstellen  haben  sie  eine  entscheidende
Stimme.  Die  G.  sind  in  den  älteren  Provinzen
  Mitglieder  der  Generalsynode  (Gen-SynO.
  vom  26.  Jan.  1876  §  2  Ziff.  3);  in  den
neuen  Provinzen  Mitglieder  der  entsprechenden
  Gesamtsynoden.  Der  G.  von  Berlin  ist
Mitglied  der  Berliner  Stadtsynode  (Kirch  G.
vom  17.  Mai  1895  —  KWVWBl.  37  —  Art.  I
§  2  Ziff.  1);  s.  auch  Rhein  WestfKirch  O.  8§  148.
Für  die  Prov.  Westfalen  und  die  Rhein-