Full text : Geschichte der Hohenzollern.

waren  an  diesen  mörderischen  Tagen  gefallen,  50,000  verwundet;  der  groͤßere
Verlust  war  auf  Seiten  der  Franzosen,  denen  L  'Estocq  durch  seine  Geschütze
großen  Schaden  zugefügt  hatte.  Zehn  Wochen  lang  blieben  beide  Heere,  ohne
bedeutende  Bewegungen  zu  machen,  einander  gegenüber  stehen.  Napoleon
wandte  diese  Muße  in  Bezug  auf  den  großen  Krieg  zum  lebhafteren  Betrieb
der  Belagerung  Danzigs  an;  auch  capitulirte  diese  Festung,  deren  Besatzung
von  22,000  Mann  auf  9000  geschmolzen  war,  ehrenvoll  am  24sten  Mai,  indem
  sie  eben  die  Bedingungen  erhielt,  welche  Kalkreuth  1793  den  Franzosen
in  Mainz  bewilligt  hatte.

Sobald  Haugwitz  definitiv  von  der  Seite  des  Königs  entfernt  und  Hardenberg
  dem  Wesen  nach  an  seinen  Platz  getreten  war,  so  wurde  jeder  Gedanke
an  eine  Trennung  von  den  Bundesgenossen  und  ein  besonderer  Frieden  zurückgewiesen,
  da  sich  die  treulose  Gefinnung  des  kaiserlichen  Kabinettes  gegen
Preußen  zu  deutlich  herausgestellt  hatte.  Man  dachte  in  Memel  nicht  nur  an
Kampf  im  Verein  mit  den  Russen,  sondern  auch  an  selbstständiges  Auftreten
in  den  alten  Provinzen  im  Verein  mit  den  Engländern  und  Schweden  von
Stralsund  aus.  Nach  und  nach  erwachte  das  Nationalgefühl  in  den  besetzten
preußischen  Provinzen,  wie  auch  in  anderen  deutschen  Ländern.  Man  knirschte
über  die  Fremdherrschaft  und  war  geneigt,  die  Hand  zur  Abwerfung  des  lastenden
  Joches  zu  bieten.  General  Blücher,  gegen  den  Marschall  Viktor  ausgewechselt,
  erbot  sich  zu  dem  Unternehmen.

Der  erste  Schritt,  die  Landung  bei  Stralsund  mit  7000  Manm,  gelang;
allein  gerade  um  diese  Zeit  hatte  der  König  von  Schweden,  auf  dessen  ritterlichen
  Muth  wenigstens,  wenn  auch  nicht  auf  seine  Einsicht,  gerechnet  worden
war,  einen  Waffenstillstand  mit  den  Franzosen  abgeschlossen.  Diese  Fehlrechnung
entmuthigte  jedoch  den  tapferen  Führer  nicht.  Sein  Aufruf  fand  am  linken.
Elbufer  nicht  nur  in  den  preußischen,  sondern  auch  in  den  braunschweigischen
und  hessischen  Ländern  weithin  Anklang;  in  Magdeburg  war  eine  Verschwörung
zum  Ausbruch  bereit;  ein  Subsidienvertrag  mit  England  vermittelt;  der  König
von  Schweden  kündigte  endlich  den  Waffenstillstand  auf  —  da  erscholl  vom
Hauptschauplatze  des  Krieges  die  Nachricht,  daß  Alles  zu  Gunsten  der  Franzosen
  entschieden,  der  Friede  geschlossen  sei.

Wie  tapfer  sich  auch  die  Russen  bei  Pultusk  und  Eylau  geschlagen
hatten,  so  fehlte  doch  ihren  Operationen  aller  Plan  und  Nachdruck.  Bennigsen
  hatte  nichts  von  Bedeutung  zur  Rettung  Danzigs  gethan,  als  ein
erster  Angriff  auf  die  französischen  Linien  an  der  Passarge  mißglückt  war.  Im
Anfang  des  Juni  ergriff  Napoleon  die  Offensive.  Zehn  Tage  lang  wurde  mit
Unerschrockenheit  an  den  Ufern  der  Passarge  und  des  Narew  gefochten,  bis
endlich  die  Schlacht  von  Friedland  am  14ten  Juni  1807  für  Napoleon
entschied.  Uebermacht,  durch  geschickte  Führung  verstärkt,  hatte  den  Sieg  über
die  Tapferkeit  errungen.  Auch  fehlte  den  Befehlshabern  der  Russen  für  die
Sache  das  Herz.  Man  spricht  von  Intriguen  Bennigsen's  gegen  die  Fortsetzung