Full text : Handbuch des geltenden Öffentlichen und Bürgerlichen Rechts.

BGB.  Willenserklärung.  Vertrag.  13

erklärung  tritt  unter  Anwesenden  (wozu  auch  die  mittels  Fernsprecher
Redenden  gehören,  s.  §  147)  sofort  ein;  unter  Abwesenden  und  gegenüber
einer  Behörde  mit  dem  Zeitpunkt  des  Zugehens  der  Erklärung.  Zugehen
  bedeutet  die  Ankunft  der  Erklärung  in  der  Weise,  daß  der  Empfänger
  tatsächlich  und  rechtlich  in  der  Lage  ist,  davon  Kenntnis  zu  nehmen
(RGer.  50,  191),  z.  B.  Einlegen  in  den  Hausbriefkasten,  das  Postschließfach.
Arglistiges  Verhindern  des  rechtzeitigen  Zugehens  geht  zu  Lasten  des
Empfängers  (RG.  58,  406).  Rechtzeitiger,  d.  h.  vor  oder  gleichzeitig
mit  der  Erklärung  zugehender  Widerruf  hebt  die  Wirksamkeit  auf.  Die
Erben  sind  an  die  einmal  abgegebene  Erklärung  gebunden,  ebenso  der
Vertreter  des  inzwischen  geschäftsunfähig  Gewordenen  (§  130).  Die  einem
Geschäftsunfähigen  gegenüber  geäußerte  Willenserklärung  wird  erst  mit  dem
Zugehen  an  den  Vertreter  wirksam.  Dasselbe  gilt  vom  beschränkt  Geschäftsfähigen,
  falls  es  sich  nicht  lediglich  um  seine  Bereicherung  handelt  oder
der  Vertreter  nicht  schon  vorher  seine  Einwilligung  erklärt  hat  (§  131)  —
Das  Zugehenlassen  kann  auch  durch  Zustellung  seitens  des  Gerichtsvollziehers
oder  öffentliche  Zustellung  erfolgen  (§  132).

9.  Bei  der  Auslegung  einer  Willenserklärung  ist  der  wirkliche
Sinn  zu  erforschen  und  nicht  an  dem  buchstäblichen  Sinne  des  Ausdruckes
zu  haften  (§  133;  s.  HGB.  F  346).

10.  Der  Inhalt  des  Rechtsgeschäfts  muß  ein  erlaubter  sein;
er  darf  weder  gegen  ein  gesetzliches  Verbot,  z.  B.  ein  gegen  den  Dritten
wirksames  Veräußerungsverbot  (§  135—138)  noch  gegen  die  guten
Sitten  verstoßen,  z.  B.  Wucher  (§  138  Abs.  2);  andernfalls  ist  das  Geschäft
  nichtig.

11.  Die  Unwirksamkeit  des  Rechtsgeschäfts  bewirkt  entweder
  dessen  Nichtigkeit  oder  Anfechtung.  Die  Nichtigkeit  ist  eine  vollständige
  unheilbare;  eine  Bestätigung  des  Geschäfts  kann  es  nur  nachträglich
  durch  erneute  Vornahme  wirksam  machen;  nur  bei  nichtigen  Verträgen,
  die  von  neuem  getätigt  werden,  sollen  die  Leistungen  rückwirkend
  berechnet  werden  (§  141).  Teilweise  Nichtigkeit  macht  im  Zweifel.
das  ganze  Geschäft  nichtig,  und  das  im  nichtigen  Geschäft  etwa  steckende
gültige  Rechtsgeschäft  gilt  nur,  wenn  die  Parteien  es  bei  Kenntnis  der
Nichtigkeit  gewollt  hätten  (§§  139,  140).  Während  die  Nichtigkeit
ohne  weiteres  eintritt  und  von  Amts  wegen  berücksichtigt  werden  muß
(ausgen.  Ehenichtigkeit  §  1329),  bedarf  es  bei  der  Anfechtbarkeit
der  Erklärung  eines  Beteiligten  (§  143),  die  dann  ebenfalls  Nichtigkeit
des  Geschäfts  von  Anfang  an  herbeiführt  (§  142).  Eine  —  an  die  Form
des  Rechtsgeschäfts  nicht  gebundene  —  Bestätigung  durch  den  Anfechtungsberechtigten
  schließt  die  Anfechtung  aus  (§  144).  Über  die  Anfechtung
von  Rechtshandlungen  eines  Schuldners  außerhalb  des  Konkursverfahrens
s.  RG.  21.  7.  79  Rol.  277  in  der  durch  E.  zur  abgeänderten
KonkO.  17.  5.  98  Art.  VII  festgesetzten  Fassung.

III.  Titel.  Vertrag  (§§  145—157).

Willenseinigung  von  mindestens  zwei  Personen,  gerichtet  auf  denselben
  Rechtserfolg,  kommt  zustande  durch  den  Antrag  der  einen  Partei
und  die  Annahmeerklärung  der  anderen  Partei.,.  Der  Antrag  ist