Metadata : Meyers Fach-Lexika; Lexikon der deutschen Geschichte.

Berlin.

Hi#en  der  Feinde,  mußteallerdingsgroße
ummen  bezahlen.

Die  Stadt  hob  sich  seit  Friedrich  d.  Gr.
außerordentlich  dur  ründung  einer
Industrie,  die  der  König  selbst  durch  Anlage
  der  Porzellanmanufaktur  und  mehrerer
  Seidensabriken  förderte.  Der  unglücklich-
  Krieg  von  1806  und  die  Besetzung

Stadt  durch  die  Franzosen  vermochten
  ihre  Entwickelung  nur  auf  kurze  Zeit
zu  hemmen.  Durch  die  Städteordnung
von  1808  erhielt  sie  die  Selbstverwaltung
und  1810  die  Universität.  Nach  den  Befreiungskriegen
  begann  unter  Friedrich
Wilhelm  III.  die  Verschönerung  Berlins
durch  Prachtgebäude  und  Denkmäler  aller
Art,  wie  das  neue  Schauspielhaus,  das
Museum  2c.,  welche  Schinkels  Namen  verewigt
  haben.  Nach  Rauchs  Modellen  wurden
  die  Denkmäler  der  Helden  aus  dem
Befreiungskrieg  und  dann  unter  der  Regierung
  Frieorcch  Wilhelms  IV.  das  DenkmalFriedrichs
  d.  Gr.  geschaffen.  Die  Stadt,
welche  sich  inzwischen  noch  um  die  Friedrich-Wilhelmstadt
  erweitert  hatte,  zählte
1840:  332,000  Einw.  und  war  der  Sitz
einer  lebhaften  Eisenindustrie  geworden.
Seit  der  Eröffnung  der  ersten  Eisenbahn
  (von  B.  nach  Potsdam)  datiert  der
Aufschwung  im  Handel,  in  dem  die  Stadt
neben  Hamburg  die  erste  Stelle  in  Deutschland
  einnimmt.  Unter  Friedrich  Wilgeim
  IV.  entstanden:  das  Opernhaus,  das

euc  Museum,  mehrere  Kirchen  und  Kasernen,
  das  Denkmal  Friedrich  Wilhelms  III.
im  Tiergarten  2c.  Bei  der  Thronbesteigung
Wilhelms  I.  Ftrugdie  Einwohnerzahl  der
Stadt  schon  525,000  Seelen,  a  gedinge
noch  nicht  die  Hälfte  derer,  welche  sie  1
ählt.  In  den  letzten  20  Jahren  sind  im
eichbild  der  Stadt  neue  Stadtteile  entstanden
  und  umliegende  Orte  einverleibt
worden.  Von  neuern  Bauten  sind  zu
erwähnen:  das  Rathaus,  die  Börse,  die
Nationalgallerie,  die  Bank,  die  Münze,
mehrere  Bahnhöfe  und  zahlreiche  Privatgeblude
  von  Denkmälern:  das  Siegesenkmal,
  die  Reiterstatue  Friedrich  Willms
  III.,  die  Denkmäler  der  Königin
Uise,  Schillers,  Goethes  und  Steins.  Vgl.
Streckfuß,  B  seit  500  Jahren,  Geschichte
und  Sage  (1863—65,  4  Bde.;  2.  Aufl.

4

1879);  Derselbe,  B.  im  19.  Jahrhundert
  (1867—69,  4  Bde.);  Woltmann,
Die  Baugeschichte  Berlins  bis  auf  die  Gegenwart
  K  .

B.  ist  denkwürdig  durch  den  13.  Juli
1878  daselbst  abgeschlossenen  Berliner
Frieden.  Zur  Revision  des  Friedens
von  San  Stefano,  welchen  Rußland  einseitig
  mit  der  Türkei  3.  März  1878  abgeschlossen
  hatte,  wurde  13.  Juni  in  B.
auf  Anregung  Osterreichs  ein  Kon  —
der  “m  E  4  Europas  eröffnet.  zür
Bismarck  führte  den  Vorsitz,  nächst  ihm
vertraten  Deutschland:  Minister  v.  Bülow
und  Fürst  Hohenlohe,  Botschafter  in  Paris;
  Osterreich:  Graf  Andrässy,  Graf  Kaͤ-rolyi,
  Botschafter  in  B.,  und  Baron  Haymerle;
  Frankreich:  Minister  Waddington,
Graf  Saint-Ballier,  Botschafter  in  B.,  und
Staatsrat  Desprez;z  England:  Lord  Beaconsfield,
  Lord  Salisbury  und  Lord  O.
Russell,  Botschafter  in  B.;  Italien:  Minister
  Graf  Corti,  Graf  Launay,  Botschafter
in  B.,  und  Marchese  Curtopassi;  Rußland:

ürst  Gortschakow,  Graf  Schuwalow,  Botcafterin
  kondon,und  voro  Oubril,  Botschafter
  in  B.;  die  Türkei:  Karatheodori
Pascha,  Mehemed  Ali  Pascha  und  Saadullah
  Bei,  Botschafter  in  B.  Resultat  der  Verhandlungen
  war  der  Berliner  Fricde,
welcher  13.  Juli  unterzeichnet  wurde.  Das
Für  entum  Bulgarien  ward  auf  das  Geiet

  im  Norden  des  Balkans  beschränkt,
wurde  als  dem  Sultan  tributpflichtig  erklärt
  und  sollteeinen  angemessenen  Teil  der
türkischen  Staatsschuld  übernehmen.  Im
Süden  des  Balkans  sollte  eine  türkische
Provinz  Ostrumelien  eingerichtet  werden,
deren  selbständige  Verwaltung  ein  christlicher
  Gouverneur  führen  sollte.  Rumänien,
  Serbien  und  Montenegro  wurden
für  unabhängig  erklärt;  ersteres  erhielt
statt  Bessarabiens,  das  an  Rußland  fiel,
die  Dobrudscha,  Serbien  einen  Strich  an
der  obern  Morawa  mit  Nisch,  Montenegro
einen  Teil  der  Herzegowina  und  Podgoritza
  nebst  Antivari.  Osterreich  Ubernahm
die  Verwaltung  von  Bosnien  und  der
Herzegowina  auf  unbestimmte  Zeit,  doch
wurde  der  Türkei  die  Souveränität  daselbst
  belassen.  Rußland  erhielt  Bessarabien
  und  in  Asien  einen  Teil  von  Arme-