Der Ausschank selbsterzeugter Getränke in der Rheinpfalz. 193
zwar am Schlüß dieser Entscheidung ausdrücklich betont, daß es nicht zu erörtern
sei, was aus ihr für den Ausschank selbsterzeugten Bieres und
Weines folge, „da es sich nicht um diese Getränke handelt“. Allein für denjenigen,
der nur ein wenig zwischen den Zeilen zu lesen versteht und der die
große Neigung des Verwaltungsgerichtshofs kennt, eine Materie ex fundamento
zu erledigen, ergibt sich ohne weiteres, daß der Verwaltungsgerichtshof heute
gegen seine frühere Stellungnahme bedenklich geworden ist, ja vielleicht sogar,
daß er nur aus dem Grund, weil sonst eine Plenarentscheidung notwendig geworden
wäre, es unterlassen hat, den Satz, den er für den Branntwein ausgesprochen
hat, auch für Bier und Wein auszusprechen. Der gegenwärtige
Augenblick muß daher demjenigen, den die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs
in Bezug auf den Branntwein schon unbillig erscheint, sehr geeignet erscheinen,
mit seinen Bedenken hervorzutreten, da er dadurch vielleicht auch verhindert,
daß eine gleiche Entscheidung hinsichtlich des Bieres und Weines ergeht,
resp. daß sie von den untern Verwaltungsbehörden aus der Branntweinentscheidung
abgeleitet wird, wodurch natürlich das Urteil des Obersten Landesgerichts
illusorisch gemacht würde.
I.
Da es sich bei dem ganzen Streit im wesentlichen nur darum handelt, ob
bestimmte Gesetzesbestimmungen in der Pfalz in Geltung getreten sind, bezw.
noch gelten, erscheint es unbedingt notwendig, die wenigen in Betracht kommenden
Gesetzesstellen im Wortlaut vorzuführen.
Das erste bayerische Gesetz, welches das Gewerbewesen betraf und für
das ganze Koönigreich Bayern Geltung erlangte, ist unbestrittener Maßen
das Gesetz vom 31. Januar 1868. Lautet doch sein Art. 34:
„Gegenwärtiges, durch das Gesetzblatt und Kreisamtsblatt der Pfalz
zu verkündendes Gesetz tritt mit dem 1. Mai 1868 für den ganzen Umfang
des Königreichs in Wirksamkeit.“
In diesem Gesetz besagt jedoch Art. 8 Ziff. 4: ·
,,NutaufGrnndeinerKonzessiondürfenbetriebenwerden...........
die Gast= und Schankwirtschaft, dann der Kleinhandel mit geistigen
Getränken dies seits des Rheins.“
Außerdem hat Art. 9, soweit er von Interesse ist, folgenden Wortlaut:
4 „Art. 9.
Von der Regel des Art. 8 treten folgende Ausnahmen ein, und zwar
in Bezug auf die
Mit dem 1. Januar 1873 trat nun allerdings in Bayern durch § 1 I des
Reichsges., betr. die Einführung der GewO. des Nordd. Bundes in Bayern vom
12. Juni 1872, die GewO. als Reichsgesetz in Kraft und damit auch § 33, wonach
derjenige, der eine Gastwirtschaft, Schankwirtschaft oder den Kleinhandel
mit Branntwein betreiben will, dazu der Erlaubnis bedurfte; allein § 1 II brachte
folgende Ausnahme: „Insoweit bisher in Bayern der Betrieb der Gast- und
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