11. Hannöversche Verfasgung 1840. 209
Durch ein Gesetz kann die 8treitige und freiwillige Gerichtsbarkeit
der KonsisStorien den weltlichen Gerichten beigelegt werden.
Den Gemeinden und Einzelnen 8ollen die in Hingicht der
im ersten Abgatze dieses S8 erwähnten Verhältnisse ihnen zu-Stehenden
Rechte ungekränkt erhalten werden. .
Sollten für das ganze Königreich oder ganze Landegteile
neue Kirchenordnungen erlaSsen oder in wesentlichen Grundsätzen
derselben und namentlich in der Liturgie Veränderungen gemacht
werden, So ist darüber mit einer vom Könige zugammenzuberufenden
Versammlung von geistlichen und weltlichen Personen, welche
teils vom Könige bestimmt, teils von den Geistlichen und Gemeinden
in den betreffenden Landesteilen auf die Sodann durch
Verordnung zu bestimmende Weise gewählt werden, zu beraten.
S 67. Bekennt Sich der König oder der Regent nicht zur
evangelisSchen Kirche, 80 werden die Rechte der Kirchengewalt
einstweilen von den vereinten evangelischen Staatsministern ausgeübt.
Zur BSicherstellung des Rechtszustandes der evangelischen
Kirche Sollen Sodann über die Art und Weise der Ausübung der
Kirchengewalt die erforderlichen Anordnungen mit Zustimmung
der allgemeinen Ständeversammlung getroffen werden.
8 68. In der römisch -katholischen Kirche gebührt den
Bischöfen oder Administratoren der Diözesen HildeSheim und Osnabrück
die Ausübung der Kircheugewalt in Gemäggheit der VerfasSung
dieser Kirche.
Die im 8 64 namhaft gemachten Rechte der Staatsgewalt
werden auch in Hingicht der Verwaltung des Vermögens der einzelnen
römisch-katholischen Kirchen und der kirchlichen und milden
Stiftungen vom Könige unmittelbar oder mittelbar durch die von
ihm dazu bestellten Behörden ausgeübt.
8 69. Alle allgemeinen Anordnungen der römisch-katholischen
Kirchenbehörden, welche nicht rein geistliche Gegenstände betreffen,
können nur nach vorher erfolgter ausdrücklicher königlicher Genehmigung
verkündigt und vollzogen werden.
Betreffen jene Anordnungen reine Glaubens-, kirchliche Lehrund
DisSziplinargachen, 80 Sind Sie vor deren Bekanntmachung
behuf Ausübung des Oberaufsichtsrechts (8 64) dem Könige zur
Einsicht vorzulegen.
8 70. Alle amtlichen Kommunikationen mit dem päpstlichen
Stuhle und mit auswärtigen Kirchenversammlungen müssen dem
Könige zur Eingicht vorgelegt werden.
Die vom päpstlichen Stuhle oder von auswärtigen Kirchenversammlungen
an die römisch-katholische Kirche im Königreiche,
an ganze Kirchengemeinden oder an einzelne Personen in den-Selben
zu erlassenden Bullen, Breven, Reskripte, Beschlüsse oder
Sonstige Schreiben bedürfen vor ihrer Verkündigung oder Behändigung
des königlichen Placet, wenn Sie nicht rein geistliche Gegenetände
betreffen. Wenn diegselben rein geistliche Gegenstände be-A)tmann,
Urkk. z. dtsch. Verfass.-Geach, 1808--1866. 14