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von welchem man vielleicht gar nichts erfahren hat, durch die statusartige
Entscheidung der Schuldfrage, mit welcher es abschlösse, maassgebend gemacht
werden sollen für die Rechte der Inländer? —
Inzwischen hat denn auch der Appelfhof zu Aix im Sinne der ersten
Instanz entschieden. Wie die Zeitungen meldeten, hat die obsiegende Partei
im Hafen von Marseille ein Schiff pfänden lassen, welches der Geschäftsnachfolgerin
der Florio gehört, und ein diplomatischer Konflikt stand in Aussicht.
Aergerlich sind immer dergleichen Vorfälle in der europäischen Familie
und einem begeisterten Verfechter der Ideen des internationalen Privatrechts,
wie Herrn CLuUNET, darf man es nicht verübeln, wenn er mitunter
dem bestehenden Rechte etwas (rewalt anthut, um eine friedliche Lösung zu
finden. Der Fall ist aber gar nicht dazu angethan, um die von ihm eingeschlagene
Richtung auf umfassendere Anerkennung ausländischer Urtheile
zu empfehlen. Vorläufig ist es nun einmal so, dass die italienischen Gerichte
in dubio die Franzosen verurtheilen und die französichen Gerichte die Italiener.
Halten wir also unsere Grenzen hübsch geschlossen. Wünschenswerth
wäre es dagegen, dass offene Konflikte dieser Art vermieden würden, welche
nur dazu dienen, die Gerichte des so nothwendigen Scheines der Unparteilichkeit
zu berauben. Es bedürfte einer vernünftigen Vertheilung der gerichtlichen
Zuständigkeit zwischen den Kulturstaaten. Wesshalb ein Gerichtsstand
in Marseille gegen in Italien wohnende Italiener und wegen eines
Anspruches, der auf italienischem Gebiete entstanden ist? Solange Bestimmungen
"aufrechterhalten werden, wie die des Code civil art. 14, wonach der
Franzose einfach jeden Ausländer vor das französische Gericht laden kann,
sind zwiespältige Entscheidungen und bedenkliche Machtproben geradezu
herausgefordert.
Strassburg. Prof. Dr. Otto Mayer.
Conrad Bornhak: Geschichte des preussischen Verwaltungsrechts
I. Band (1884) VI u. 434 S u. II. Band (1885) VI u. 366 S. Berlin.
Julius Springer. 16 M.
Das ganze Werk ist auf drei Bände berechnet; der dritte für das nächste
Jahr in Aussicht gestellte Band soll die Geschichte des preuss. Verwaltungsrechts
vom Jahre 1808 bis zum Erlass der neuen Verwaltungsgesetze behandeln,
während von den bereits erschienenen Bänden der erste die Zeit von
der Gründung der Markgrafschaft (1134) bis zum Regierungsantritt Friedrich
Wilhelms I, der zweite die Zeit bis zum Frieden von Tilsit, also das preuss.
ancien regime, zum Gegenstand hat. Trotzdem sonach das Werk noch nicht
vollendet vorliegt, erscheint doch eine Anzeige und kurze Besprechung desselben
veranlasst, nicht bloss um desswillen, weil die beiden erschienenen
Bände bereits ein in sich abgeschlossenes, selbstständiges Ganze bilden, sondern
vor allem aus dem Grunde, weil eine jede Bearbeitung der Geschichte des
Verwaltungsrechts geeignet ist, in hohem Grade das Interesse und die Aufmerksamkeit
aller derjenigen zu erregen, welche sich theoretisch oder praktisch
mit dem Öffentlichen Rechte zu beschäftigen haben.
Der in den letzten beiden Jahrzehnten eingetretene Aufschwung in der
wissenschaftlichen Behandlung des Verwaltungsrechts hat zunächst zur Folge
gehabt, dass das geltende Recht der verschiedenen staatlichen Verwaltungszweige
eingehender als dies früher der Fall war, behandelt wurde. Wie alle
derartige Erscheinungen auf dem Gebiete der Theorie niemals ganz spontan
und zusammenhangslos auftreten, so ist auch der Aufschwung der