Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1897. (31)

einer  Gruppe  stehen  blieb  und  mich  mit  den  Leuten  unterhielt,
blieben  sie  ungeniert  liegen,  antworteten  aber  sehr  höflich  und  mit
der  unerschütterlichen  Ruhe,  die  für  ihre  Rasse  charakteristisch  ist.
Sie  gestanden  offen  zu,  daß  sie  mit  der  Behandlung,  die  sie  erfuhren,
  und  mit  ihrer  Kost  zufrieden  seien.  Einer  von  ihnen
fand,  man  könne  es  im  Kriege  gar  nicht  besser  haben.  Das
einzige,  was  ihnen  nicht  gefiele,  wäre,  daß  sie  im  Saal  nicht
rauchen  dürften.  Ein  deutscher  Offizier,  der  neben  uns  stand,
erklärte  ihnen,  der  Saal  sei  feuergefährlich,  nicht  zum  wenigsten
wegen  des  trockenen  Strohs,  und  die  Deutschen  wünschten  nicht,
daß  ihre  englischen  Gefangenen  hier  verbrännten.

In  einem  großen,  gemütlichen  Zimmer  im  ersten  Stock  wurden
drei  Offiziere  gefangen  gehalten,  ein  Hauptmann  und  ein  Leutnant,
beide  Engländer,  und  ein  französischer  Leutnant.  Jeder  von  ihnen
hatte  sein  gutes,  reinliches  Bett  und  im  übrigen  Tisch  und  Stühle
und  andere  notwendige  Möbel.

Der  englische  Leutnant  war  ein  feiner  und  angenehmer  junger
Mann,  der  Sohn  eines  angesehenen  Londoner  Kaufmanns.  Sein
Vater  stand  in  Geschäftsverbindung  mit  Deutschland,  und  er  selbst
war,  ich  glaube,  in  Hamburg  gewesen,  um  Deutsch  zu  lernen.
Der  Krieg  hatte  alle  seine  Pläne  auf  den  Kopf  gestellt.  „Aber
wir  hatten  doch  keine  andere  Wahl  und  mußten  mit!“  meinte  er.

50.  Die  englische  Lüge.

ar  zu  gern  hätte  ich  noch  gesehen,  wie  es  den  Indern  in

dem  nebligen  Herbst  von  Artois  und  Flandern  erging.
Aber  die  indischen  Gefangenen  der  Zitadelle  von  Lille  hatte  man
eben  nach  Osten  abgeschoben,  um  neuen  Scharen  Platz  zu  machen.
Ich  selbst  hatte  einmal  erfahren,  wie  es  sich  rächt,  Inder  in  ein  kälteres
Klima  zu  verpflanzen.  Auf  meiner  letzten  Reise  nach  Tibet  hatte
ich  zwei  Radschputen  aus  Kaschmir  mit.  Als  wir  in  die  Berge
hinaufkamen,  waren  sie  dem  Erfrieren  nahe,  und  mein  Karawanenführer
  Muhamed  Isa  erklärte,  sie  seien  so  nutzlos  wie  junge
Hunde.  Ich  mußte  fie  deshalb  verabschieden.  Ahnlich  erging  es

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