250 Englische Revolution. Zeitalter Ludwigs XIV. 2c.
Trautmannsdorf verlor den Kopf und unterhandelte mit dem Generale
der Aufständischen, dem ehemaligen Obersten van der Mersch, der in
der größten Gefahr schwebte, von d'Alton vernichtet zu werden, und bewilligte
ihm einen zehntägigen Waffenstillstand, der auf zwei Monate
ausgedehnt wurde. Den 10. Dezember brach jedoch in Brüssel selbst die
Revolution aus; Trautmannsdorf ließ die Bewaffnung ungestört vor sich
gehen und schickte d'Alton, der schlagen wollte, mit seinen Truppen in
die Kasernen zurück. Die Folge war, daß Brüssel am 13. geräumt
werden mußte; außer der Citadelle von Antwerpen und der Provinz
Luremburg waren die Niederlande für den Kaiser verloren. Van der
Noot zog wie ein König in Brüssel ein, in dessen Kirchen das Te Deum
gesungen wurde. Aber die Parteien, welche bisher nur der Kampf gegen
den Kaiser vereinigt hatte, gingen nach dem Siege auseinander.
Die eine Partei wollte die alte Verfassung ohne Josef proklamieren;
von der ächtrevolutionären wurde die Berufung einer Nationalversammlung
verlangt, nach französischem Muster, der gemäßigtere Theil beantragte
eine Reform der Verfassung. Gegen die Partei, welche nach
französischem Vorbilde eine Nationalversammlung berufen und alles umgestalten
wollte, erklärte sich der ganze Klerus und der Adel, welcher
an dem Aufstande Theil genommen hatte. Dadurch löste sich das patriotische
Komité auf; am Weihnachtstage erklärten die brabantischen
Stände den Fürsten abgesetzt und die Stände souverän; die andern Provinzen
folgten diesem Beispiele. Am 7. Januar 1790 versammelten sich
die belgischen Generalstaaten und entwarfen am 11. Januar eine Bundesakte
in zwölf Artikeln, welche bis auf die Reservaten zu Gunsten der
katholischen Religion an die nordamerikanische Akte erinnert. Alle Unterhandlungen
mit dem Kaiser wurden abgelehnt, die Anerbietungen seiner
Bevollmächtigten abgewiesen; es war übrigens auch dem Kaiser mit seinen
in der Noth gegebenen Zugeständnissen nicht Ernst, wie aus seinen
Papieren bewiesen ist. Nun versuchte van der Mersch einen Angriff auf
Luremburg, die einzige noch kaiserliche Provinz, ward aber zurückgeworfen,
und statt seiner wurde der preußische General Schönfeld von den
Generalstaaten zum Obergeneral ernannt. Preußen setzte seine halbfeindselige
Politik fort; es wollte eine Intervention in Belgien bewerkstelligen,
dasselbe Oesterreich unter bestimmten Garantieen für die Landesverfassung
wieder unterwerfen, dagegen sollte Oesterreich Galizien wieder
an Polen abtreten, Preußen aber Posen, Danzig und Thorn wegnehmen
dürfen. Die andern Mächte willigten jedoch nicht ein, und während
sie in Berlin unterhandelten und die Belgier in feindselige Parteien
auseinandergingen, die immer erbitterter wurden, unterlag Kaiser Josef
seinen Körper= und Seelenleiden.