Volltext : Geschichte der Hohenzollern.

Hafen  von  Pillau  seiner  Lage  nach  fuͤr  den  Schiffbau  äußerst  passend  sei,  und
daß  ein  zweites  Saardam  daraus  gemacht  werden  könnte.  Friedrich  Wilhelm
nahm  mit  großer  Bereitwilligkeit  die  Vorschläge  des  sachverständigen  Mannes
an,  ließ  den  Hafen  von  Pillau  reinigen,  einen  Kanal  hineinleiten,  und  ein  Jahr
darauf  ein  Commerz=  und  Admiralitäts-Collegium  als  leitende  Verwaltungs-Behörde
  errichten.  Die  Seezölle,  Maaß  und  Gewicht  wurden  in  Pillau,  Königsberg
  und  Memel  nach  den  in  Danzig  üblichen  Einrichtungen  festgestellt.

Schon  kostete  die  neue  Einrichtung  monatlich  3200  Thaler  ohne  die  Besoldung
  des  Admiralitäts-Collegiums,  welche  jährlich  4800  Thaler  betrug,  und
noch  war  keine  Aussicht  auf  Ertrag  vorhanden;  da  bot  sich  für  das  brandenburgische
  Seewesen  eine  günstige  Gelegenheit  zur  weiteren  Ausdehnung  in  den
schon  oben  erwähnten  Kreuzzügen  gegen  die  Spanier,  welche  die  schuldigen
Subsidien  noch  nicht  berichtiget  hatten.  Es  ist  oben  erzählt  worden,  mit  welchem
  Glück,  namentlich  aber  mit  welchem  Ruhme  sich  die  brandenburgische
Streitkraft  auch  auf  dem  ihr  unbekannten  Elemente  bekundete;  es  war  eine
Probe,  was  selbst  auf  diesem  Gebiete  geleistet  werden  konnte.  Stets  neben  dem
Ruhme  auf  den  praktischen  Nutzen  bedacht,  suchte  er  die  mit  so  keckem  Muthe
entwickelte  Seemacht  zur  Erweiterung  des  Handels  und  zum  Erwerb  von  Colonien
  anzuwenden.  Von  Portugal  aus  fuhr  die  brandenburgische  Flotte  nach
den  Gewässern  von  Guinea.  An  der  Goldküste  zwischen  Arim  und  dem  Vorgebirge
  der  drei  Spitzen  sah  man  brandenburgische  von  starken  Schanzen
gedeckte  Niederlassungen  entstehen;  Bündnisse  mit  drei  Negerhäuptlingen  wurden
abgeschlossen;  die  schwarzen  Majestäten  erkannten  den  großen  Kurfürsten  als
ihren  Schutz=  und  Oberherrn  an  (1681).

Von  Groß-Friedrichsburg  aus  (so  hieß  die  neue  Anlage),  eröffnete  sich
ein  so  lebhafter  Verkehr  mit  dem  Innern  des  Landes,  daß  die  Holländer  alle
nur  mögliche  Schwierigkeiten  entgegensetzten,  und  als  dieses  dennoch  nicht  fruchtete,
  wenigstens  durch  Verträge  einigen  Vortheil  davon  zu  ziehen  suchten.  Schon
im  folgenden  Jahre  kam  eine  afrikanische  Handelsgesellschaft  zu  Stande.  Es
wurden  fürs  Erste  50,000  Thaler  eingezahlt,  und  dabei  festgestellt,  daß  jeder
Theilnehmer  wenigstens  200  Thaler  gebe,  und  nach  Verhältniß  seines  Beitrags
Gewinn  und  Verlust  zu  erwarten  habe;  der  Kurfürst  trat  für  seine  Person  mit
8000  Thalern  bei.  Zu  ihrem  Hauptort  wählte  die  Compagnie  Emden,  welches
damals  sich  in  den  Händen  des  großen  Kurfürsten  befand,  da  er  bei  Gelegenheit
  des  Streites  zwischen  der  regierenden  Fürstin  von  Ostfriesland  mit  ihren
Ständen,  als  Director  des  westphälischen  Kreises,  im  Auftrage  des  Reiches  hier
eingegriffen  und  den  Greetsiehler  Hafen  besetzt  hatte  (1682).  Emden  war  willig
der  Compagnie  beigetreten,  und  deshalb  ein  höchst  geeigneter  Mittelpunkt  für
die  neue  Unternehmung.  Sogleich  wurde  der  Gesellschaft  eine  umfassende  Bewilligung
  ertheilt,  in  welcher  der  Kurfürst  unter  Anderem  versprach,  eine  Festung
an  der  afrrikanischen  Küste  zu  bauen,  sie  zu  armiren  und  achtzehn  Monate  zu
erhalten,  wogegen  die  Compagnie  nach  Verlauf  von  vier  Jahren  ihre  Miliz  selbst