erwiesen sich als Verschlimmerungen älterer Impetigo. Ein Kind übertrug die Impetigo
auf seine gleichzeitig mit ihm geimpfte Schwester. Bei 4 Kindern konnte
die Quelle der nichtvaccinalen Ansteckung nachgewiesen werden — Eltern oder Geschwister
waren erkrankt. Alle 11 Fälle heilten in kurzer Zeit.
Todesfälle in Folge der Impfung wurden nicht festgestellt. Zwei Kinder erlagen
einem akuten Magen= und Darmkatarrh; das eine erkrankte am Tage nach der Impfung
und starb nach zweitägiger Krankheit am 15. Juli 1899, das andere starb am 14. September
1899, am 6. auf die Impfung folgenden Tage, nach kurzer Krankheit an Durchfall,
nachdem es schon früher an Darmkatarrhen gelitten hatte. Ein Kind starb am 5. April
1899, am 7. Tage nach der Impfung, an einer Bronchopneumonie. Am 5. Tage nach
der Impfung erkrankte ein Kind fieberhaft und starb an Krämpfen; da seine Geschwister
gleichzeitig an Masern erkrankten, so ist es möglich, daß die gleiche Krankheit bei dem
Geimpften im Anzuge war. In keinem der Fälle hat eine ursächliche Beziehung zwischen
der Erkrankung und der Impfung nachgewiesen werden können.
Aus Straßburg i./E. wurde berichtet, daß nach der Impfung mit Lymphe von
Kalb Nr. 3 krankhafte Erscheinungen auftraten.
Nach Metz berichtete ein Impfarzt über vielfach beobachtete unangenehme, entzündliche
Reizerscheinungen; ein Privatimpfarzt meldete, daß die Lymphe stark virulent war, jedoch
Entzündungen heftiger Art ausblieben.
7. Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen.
In Königsberg i. Pr. wurde ein Kalb mit Variolastoff ohne Erfolg geimpft. Zehn
Tage darauf wurde dieses Kalb mit Kälberlymphe geimpft; es entwickelten sich sehr spärlich
früh eintrocknende Pusteln.
In Berlin wurde eine Reihe von Untersuchungen im ersten Theile des Berichtsjahres
in Gemeinschaft mit dem Vorsteher der wissenschaftlichen Abtheilung des Instituts
für Infektionskrankheiten vorgenommen; über dieselben ist bereits durch letzteren Bericht erstattet
worden. Diese Untersuchungen haben später eine gewisse Erweiterung erfahren, doch
hält der Vorstand der Anstalt die Ergebnisse noch nicht für genügend geklärt, um sie der
Oeffentlichkeit zu übergeben.
Im Sommer sind die früheren Versuche, durch tägliches Aufgießen von Desinfektionsflüssigkeit
auf die Impffläche eine Verminderung der Keime der Lymphe zu erreichen, fortgesetzt
worden. Zuletzt wurde statt des Alkohols die billigere Sublimatlösung verwendet,
die überdies den Vortheil bietet, daß das Sublimat sich mit dem Eiweiß der Lymphe verbindet
und unwirksam wird, so daß eine Schädigung der Wirksamkeit während der Aufbewahrungszeit
der Lymphe nicht zu erwarten ist. Bei täglich einmaligem Begießen wurde
eine Lymphe gewonnen, die nach der Herstellung und zwar in einer Mischung von 1 Theil
Impfstoff zu 9 Theilen Zusatzflüssigkeit 1920 Bakterienkeime im cem enthielt.
Ueber einen Fall, in dem die Impffläche unter einem Kollodiumverbande gehalten
und die gewonnene Lymphe centrifugirt wurde, wird Folgendes erwähnt:
Vor der Abnahme der Lymphe wurde zuerst eine Desinfektion mit erwärmter Sublimatlösung
und dann eine ausgiebige Abspülung mit sterilem Wasser vorgenommen. Die nachher
centrifugirte Lymphe wurde im Institut für Infektionskrankheiten einer Untersuchung unterzogen.
Aus einem auf einmal in den Nährboden gebrachten eem frischer Lymphe kamen
nur 2 Kolonien zur Entwickelung, von denen die eine, oberflächliche, überdies wahrscheinlich
aus einem Luftkeime entstanden war. Mit dieser centrifugirten Lymphe sind in einer Zeit