Full text : Rosenheimer Anzeiger. 64. Jahrngang (64)

Lummer  134

sahren.  Die  beiderseits  angesetlen  Kräfte  halten
einander  die  Wage.  Starke  italienische  Angrisse
vegen  unseren  Südflügel  murden  durch  Gegenstöße
  wellgemacht.  Bei  Zhiesanova  wars  dae.
altbewährte  scheesische  Jufantelieregiment  Nr.  1
durch  rasches  Zugreifen  den  in  unsere  Slellungen
eingedrungenen  Italiener  wieder  hinaus.  Zwischen
  der  Piave  und  der  Brenta  setzte  der  Feind
seine  Versuche,  die  von  uus  am  15.  Juni  gewonnenen
  Stellungen  urückzuerobern,  mit  Jähigjeit
  sort.  Sein  Hauplsloß  richtele  sich  getern
gegen  den  Naum  des  Monte  Solarol?.  Der  bis
an  unsere  Gräben  vorgetragene  Angriff  führte
zu  erbitlerten  Nahlämpfen,  in  denen  ein  Großteil
  des  Feindes  niedergemach!,  der  Rest  zurück
trieben  wurde.  Von  Vatklerien  der  Grazer  1.  und
Kralauer  53.  Feldarlillerie  Bligade  vortrefslich
unterstützt,  haben  sich,  seil  3  Wochen  salt  unnnterbrochen
  im  Kampf  siehend,  nioder  die  Schlesier
des  Bataillons  II  120  und  Voeniasen  des  4.
Regiments  besonders  ausgereichnet.  Die  Verluste
des  Gegners  sind  außerordemlich  schwer.

Auf  der  Hochfläche  der  Sieben  Gemeinden
und  an  der  Tiroler  Front  lebhafte  Artillerietätigleit.


Der  Chef  des  Generalstabs.

—

Mordgelülle  cines  amerilanischen
Offiriere.
Von  der  Westfront  wird  uns  geschrieben:
„Daß  die  weisten  und  sarbigen  Ententebrüder  sich
an  deutsch  en  Verwundeten  vergrissen  haben  und
sic  in  lierischer  Weise  mißhamellen,  im  zu  wie.
derholten  Malen  bewiesen  und  durch  Augen:en-Len
  erhärtet  worden.  Kaum  am  die  Front  gekommen,

  haben  jetzt  auch  Amerikaner,  ennächt
Offiiere,  lolonial  französisch  engtische  Niedertracht
  sich  gelehrig  en  eigen  gemacht.  Folgender

Fall  beweifst,  wie  wenig  man  in  sittlicher  Bezie
hung  auch  von  diesen  en  erwanten  hat.

Ein  (Orenadier  aus  Oberschlesen  mar  bei  einem
erfolgreichen  Erlundungre:  orürh  schmer  verwun.
det  worden.  Neben  ihm  lag  ein  durch  Vauchschuß
  vermundeter  Amerikaner.  .  Als  dieser
cine  amerilan.  Rattrouille,  bessehend  aus  einem
Osfinier  und  einem  Gemeinen,  uhen  hörte,  machte
  er  sich  bemerlber.  Der  amer#ilanische  Offi=  ier
geriet  beim  Anllick  des  deutshen  Soldaten  in
maßlose  Wut  und  versuchte  imn  blindlings  mit
seinem  Revolver  nieder’uschieim,  obwmohl  er  an
den  blulülernrömtien  Reinen  sah,  daß  es  sich  um
einen  Schwervermundeten  und  böllig  Wehrlosen
Dandelte.  Nur  den  Vilten  des  verwundelen
Ameritanerr,  der  selbm  ann  eigeren  Leibe  erfahren
und  gesehen  haite.  mie  die  DHeutschen  ihn  nach
seiner  Verwmundung  als  Kamraden  behandelt
hatten  und  dem  energischen  Auftreten  des  ande
Tren  amerilanischen  Gemeinen,  der  deutsch  sprach,

ist  es  zu  danten,  d.###der  O  ffi#r  den  bereits  er-Liobenen
  Reyolder  al  wise.  -Se  lonnien  aber  nicht
Lindern,  daß  er  kden  la  ntanfiüöhnenden  Grena.

dier  mit  Furrit  ten  von  seiner  Bahre  heruniersließ
  und  ihn  bohnlachend  seinem  Schicsal  überließ.
  Am  Abend  murde  dann  der  Grenadier  durch
eine  deutsche  Offitierspatron#e  in  die  eigenen
Linien  #urüdgeholl,  doch  war  #eine  Verwundung
durch  die  unme#ichliche  und  robe  Vehandlung  so
verschlimmert.  dan  sein  Vein  im  Feldlar##rel  amputiert
  werden  miutte.“
Die  ..  Baradlonq“  Mörder  und  die  2ahlreichen
sramösischen  Qnäler  mehrloser  Deutscher  haben
in  diesem  ..  eensennn  aur  Amceika  einen  würdigen
  (Genossen  erhatt
[Munitiane  Frrrleien  in  Grenoble.
Henf.  5.  v.  (Tel.  Union).  Das  Lyoner
Blall  „„Progres“  meldet  die  Explosien  eines
Munitionsdepot  in  Grenohle.  Da  der  enlilandene
  Brand  bieher  nichl  gelöset  werden  konnte.
stehen  weitere  Eiplosionen  an#rennender  Lager
bevor.

De  Broksamanon  bes  neuen
Snttans.

*  Konstantinopel  „4.  7.  Mit  großer
Feierlichleit  fand  heute  Vormiltag  die  Prollamierung
  der  Sulians  Mohammed:  VI.  im  Palast
  Top  Karu  att.  Um  1.)  Uhr  50  Minuten
trat  der  Sulian  in  den  Thronfnal  ein,  in  dem
bereits  der  Thronfolger,  Prin;  Abdul  Medjid--Effendi,
  die  laiserlichen  Prin'en,  der  Großmefir,
der  Scheich  ül  Fslam,  die  Minister,  das  Parlament
  und  der  Knedive  versommelt  waren.  Nach.
dem  der  Sullan  einen  Angenbück  auf  einem  Ses.
sel  neben  dem  Threue  Platz  genommen  hatle.  be-Kann
  die  Jerenie  onic,  wobei  die  Anwesenden  das

Satschk,  da  eine  Hand  des  Padischah  darilellt,
küssen.  Nach  dieser  Zeremonie  nahm  der  Sullan
auf  dem  Throne  Platz.  Abgeardnete  aus  dem
Vordkaulasus  und  Aserbaidscan  wohnten  der
Feier  bei.

Auf  die  Feier  solgte  die  Beisetzung  der  Leiche
Mohammeds  V.,  die  zu  den  Waschungen  nach
dem  Palast  Top  Kapn  gebracht  worden  war.
Der  Sultan  folgte  dem  mit  bunten  Decken  reich
behangten  Zarge  bis  an  das  Tor  des  Palastes.
Dann  begab  er  sich  auf  seiner  Yacht  nach  Ejub,
wohin  die  Leiche  auf  einem  Motorboott  geschafft
wurde.  Dort  fand  die  Beisetzung  in  dem  von
Mohammed  V.  errichteten  Grabmal  statt.

 

Wose#  u#t

Maudsch#s
Ein  Börsenstreik!
*  Verlin,  5.  Juli.
Man  schreibt  und:  In  dieser  schweren  Zeil.
in  welcher  das  deutsche  Voll  mit  einer  Steuerlast
  von  über  vier  Milliarden  Mark  bepackt
wird  sollte  man  so  viel  Gemeinsinn  von  allen
Gruppen  unseres  Volles  erwarten,  dahz  sie  mit

u  ihrem  Teile  beitragen  helfen,  um  dem  Reiche
die  dringend  nöligen  Mittel  bereilinflellen.  Man
sollte  dan  um  so  mehr  von  den  Kreisen  erwarten,
  welche  gerade  die  Kriegs-„Konjunktur“
benutzen  lonnten,  um  nicht  gerade  unbedentende
Gewinne  an  ihre  Seile  zu  bringen.  Das  Schauspiel,
  melches  aber  in  diesen  Tagen  die  Börse
bielel,  ist  erbärmlich.  Der  Zentrumsabgeordneie
(Cröber  halle  im  Reichetagsausschuß  einen  Antrag
  geslellt,  welcher  den  Börsenstempel  beraufsellte.
  Die  Annahme  dieses  Antrages  hat  in
Vörsenkreise#  chl  nur  zu  den  schärfften  Proleĩten
  geführt.  einige  Börsen  haben  es  sogar  serlig
  gebracht,  ihren  Verlehr  völlig  ein  ustellen.
alio  zu  Nreilen.  Es  merden  jetzt  in  allen
Teilen  des  Reiches  enlrüstete  Proteilversammlungen
  abgehalten,  und  der  Prolest,  der  gegen
diesen  Reich'  tagsbeschluß  in  S#ne  geietzt  wird.
crinnert  an  die  trübsten  Zeiten  der  steuerlichen

Interessenlämpsfe.  In  einer  Zeit,  da  jeder  einelne
  im  Volle,  und  gerade  die  mitlleren  Schichten,
  sehr  flarle  Opfer  auf  sich  zu  nehmen  haben
und  in  Würdigung  der  vaterländischen  Not  auch
verständnisvoll  auf  sich  nehmen,  miniet  es  doch
eigenartig  an,  daß  die  Vörse  für  ihre  Spekulationen
  eine  besonders  bevoruugte  Siellung  beansprucht.
  Was  soll  man  aber  erst  darn  sagen.
nenn  gerade  diese  Kreise  mit  einer  Maßnahme
drohen  und  sie  durchsetzen,  welche  gerade  im
Kriege  zu  den  verpöntesten  Drudmitteln  gehören.
  Man  lann  nur  die  Hosfnung  aussprechen,
  daß  der  Reichstag  sich  von  den  in
die  Wege  geleileten  Manövern  nich!  beeinslus—
sen  läßt  und  seine  Entscheidungen  nach  PFflichtmäßigem
  Ermessen  und  vor  allem  nach  dem
überragenden  Grundsatz  der  ausgleichenden  Gerechtiglein
  trifftl.

Die  Beurlaubungen  für  die  Landwirtschaft.



Abg.  Diernreilter  (gtr.)  hat  in  der  Kammer
  der  Abgeordneten  solgende  kurze  Aufrage
ein  (gebracht:  Mit  Kriegoministerialerlaß  vom
15.  Jannar  1918.  die  Regelung  des  Urlaubsrsens
  betressend,  wurde  befliumt,  daß  der

Landwirkschaft  für  die  zeit  der  wichtigen  Arbeiten
  jeder  Art  jeder  beim  Feld-  und  Besazungeheere
  nicht  unbedingt  benötigte,  zu  diesen
  Arbeiten  brauchbare  Mann  zur  Verilgung
gesellt  werden  uß.  In  Abschnitt  1  Jiff.  3
isi  bierm  solgendes  ausgeführt:  „Wahrend  beim
Veloheere  für  die  Möglichleit  und  den  Um
sang  der  Beurlaubungen  nur  laktische  u.  Transportrucksichten
  aurschlaggebend  sein  sollen,  müse
sen  beim  VBesatzung:  heer  alle  Rücssichten  ausgenommen
  auf  Sicherung  der  Ausbildung  und
des  Nachschubes  hinter  die  Forderung  zurücktreien,
  die  Ernie  vormbereiten  und  sicherzusiellen.“
  Jit  der  lgl.  Staatsregierung  belannt,

daß  ins  bosondere  leim  Besatzungoheer  in  der
Urlanb-  rerleilung  nicht  überall  das  Eunlgegenkommen
  gereigt  wird,  das  zur  Sicherung  der  Ernte
im  ZInteresse“  der  Volls=  und  Heeresernährung
nolwe:  ldig  ist  und  daß  vielfach  Gesuche  um  Beurlaubungen
  selbit  von  g.  v.  Mannschaften  trotz
Befürwortung  der  Wirtschaftssiellen  der  itell—
verlretenden  Generallommandos  aus  Gründen,
die  mitl  der  Ausrbileung  und  Sicherung  des  Nachschuber
  nilht  im  uusammenhange  siehen,  unberücssichtig!
  gel.  n  werden?  Jil  die  lgl.  Staatsregierung
  bereil,  Anordnungen  in  treffen,  welche
den  allgem-inen  Volling  des  Kriegeministerialcrlasser
  ###a  15.  Janar  1918  gewährleisten?

—

heusscher  —

*  Berlin,  5.  Juli.

Nach  Eröffnung  der  Sitzung  werden  zunächst
eine  Reihe  lleiner  Anfragen  erledigt.

Das  Haux  trilt  hierauf  in  die  dritte  Lesung
  des  Etats.

Zunäch't  mird  der  Antrag  Dr.  Arendt  D.

.  durch  Hammelsprung  angenommen.  Der  Anltrag
  verlangt,  daß  bei  der  Beschlagnahme  von
Lurllinlen  zuerst  bei  den  öfsentlichen  Gebäuden
der  Aufeng  gemacht  werde.
Sodaunn  wird  der  Antrag  des  Rcichsheeres  beralen.
  Vor  Beginn  der  Debatte  ermahnt  Präsident
  Fehrenbach  die  Redner  zur  möglichsten
Küree  in  ihren  Aneführungen.

Abg.  Dr.  Wirth  Gtr.  ĩordert  für  die  einge-#ogenen
  jüngsten  Jahrgänge  genügend  Schlasen#reit.
  und  eine  Mittagserholungspause.

Abn.  Slücklen  (Sor  erhebt  gegen  das  neue
Arbeit«  dienstgesetz  schwere  Bedenien.  Dieses  Gesetz
  wurde  ein  reine-  Polieigesct.  Seine  Parlei
lehne  das  Gesetz  ab.  Der  Nedner  wendet  sich  gegen
  den  Buchenlaubtabak,  den  doch  der  Herr
Kriegeminister,  aber  außerhalb  des  Neichotages
einmal  rauchen  möge.  Zum  Aufklärungodicust
sollten  auch  ae  saldemolraten  herangczogen  werden.
  „Jeder  Soldat  sollte  mit  der  Erreichung  des
48.  Lebendjahres  automatisch  entlassen  werden.

Abg.  Dr.  Müller-Meiningen  (Fr.  Fp.).
Bei  einer  Aenderung  des  Militärstrafrechtes  muß
auch  das  militärische  Strafoerfahren  im  Felde  reformiert
  werden.  Die  im  Felde  Verurleilten
müssen  das  Recht  zur  Berufung  und  Redvision
erhalten.

 

WMidbg.  Held  (Natlb.),  tritt  mächst  daf#r  ein,
daß  27  die  im  Felde  Ausgezeichneten  unbedingt
ein  besonderes  Kampff#eichen  zum  Eisernen  Kreuze
verliehen  werden  müsse.  In  Bezug  auf  die
Landsturmärzte  müsse  auf  die  Zioilbevölkerung
Rücksicht  genommen  werden.  Erntebeurlaubungen
müssen  rechteitig  und  in  größtmöglichem  Umfange
  erfolgen.

Kriegeminister  v.  Stein:  Die  aus  Rußland
Hurückkehrenden  Kriegegefangenen  sind  natürlich
mieder  an  der  Front  zu  verwenden.  Mit  Rußland
haben  wir  Frieden  und  keine  weiteren  Verpflichlungen.
  Anders  ist  es  England  und  Frankreich
gegenüber  der  Fall  bei  den  ausgetauschten  Gefangenen.


Abg.  Korfanty  (Pole):  Bei  dem  Bergarbeiterstreik
  in  Oberschlesien  ist  nicht  nur  soforlige
  Mitarssierma  der  Betriebe  erfolgt,  die  Arbeiter
  wurden  sogar  durch  Hunger  zur  Arbeit
getrieben.  Sie  werden  ausgesaugt  und  ausgeplündert.
  (Präsident  Fehrenbach  biltet  den
Nedner,  sich  en  mähigen.  Abg.  Ledebour  (U.
Sor  )  ruft:  Sachlicher  Eingriff  in  die  Debatte!

Präsident  Fehrenbach  ruft  den  Abg.
Lodeboal.  auf  einen  abermaligen  Zwischenruf  zur
Ordnung.)  In  Polen  ist  alles  verwüstel;  die
Maschinen  sind  ruiniert  und  der  Viehstand  ist
vernichtet.  Wir  enthalten  uns  der  Abstimmung
über  den  Etat.

General  v.  Scheüuch:  Ich  habe  jetzt  Unterredungen
  mit  Vertretern  der  oberschlesischen
Bergarbeiterschaft.  Dabei  wird  mehr  herauskommen,
  als  menn  ich  auf  den  Vorredner  eingehend
antworte.  Uns  leitet  dabei  nur  der  deuische
Standpuult.

Abg.  Dr.  Haas  (F.  VBp.):  In  England  werden
  deutsche  Kriege  gesangene  abscheulich  behandelt.
  Hoffentlich  schreitet  die  englische  Regierung
  energisch  gegen  die  Schuldigen  ein;  sonst
muß  von  unserer  Heeresleitung  das  Erforderliche
geschehen.

Oberstleutnant  v.  Fransecki:  Auf  Englano
mird  der  nötige  Druck  ausgeübt.  Genügl  unser
Prolest  gegen  die  Behandlung  der  Kriegegesangenen
  in  den  sraglichen  Gesangenenlagern
nicht,  so  wird  mit  aller  Strenge  vorgegangen
werden

Rach  weiteren  kenerlungen  wird  der  Heeresclat
  bewilli

Die  beiden  Grihnnese  werden  in  2.  und
soforliger  3.  Lesung  angenommen.

Beim  Marineetat

ergreift  Slaatssekretär  v.  Capelle  das  Wort  und
erllärt,  daß  der  Plan,  ein  besonderes  Deck-Offiier-Korpo
  zu  bilden,  ermogen  wird.  Der  U-Bootskrieg
  gehe  weiler  und  werde  vollen  Erfolg
haben  (Beifall).  Unwahr  sei  die  englische  Behauptung,
  daß  mehr  Ul.  Boote  verloren  gehen,
als  gebaut  würden.

Ohne  Auosprache  werden  weitere  Einzel-Etats

bewilligt.
Beim  Postetat

beichwert  sich  Abg.  Emmel  (Soz.)  darüber,
daß  für  Mühlhausen  jeder  Privatpaketverkehr
eingestellt  sei.  Irgend  einen  Zweck  habe  die  Maßnahme
  nicht;  sie  werde  als  Schilane  empfunden.
Staatsselretär  Rüdlin:  Die  Maßnahme
trifft  gan;  Oberelsaß  und  ist  eine  militärische
Anorduung.

Vis  auf  den  Etat  der  Rei
der  allgemeinen  Finanwerwalt
in  3.  Lesung  genehmigt.

Sschener  Kenisteiten.
*  #ünchen.  6.  Juli.
Aus  dem  Theatervorhang  des
Künsilertheaters  wurde  der  größere  Teil
des  Vorhanges  herausgeschnitten  und  geslohlen.
Der  Wert  des  gestohlenen  Teiles  ist  3000  Mk.

Eine  Lebenemüdr.  Die  22  jährige  Tochter
  der  Gutobesitzerin  Fanni  Frank  in  Torf
Eisenstein  bei  Zwiesel  hat  aus  bis  jetzt  unbekannten

  Gründen  ihrem  jungen  Leben  freiwillig
ein  Ende  bereitet.
Brwerisches  bertunt.

Hfaffenhofen  a.  Inn,  5.  Juli.  Stiftung
einer  Mission.  Obwohl  der  H.  H.  Jubilar,
Kammerer  und  Pfarrer  Allmer  gebeten  hatte,
man  moge  von  jeder  Ehrung  seiner  Person  durch
Geschenke  absehen,  stellten  ihm  doch  die  beiden
Bürgermeister  von  Westerndorf  und  Marienberg
  einen  durch  Sammlung  aufgebrachten  namhaften
  Geldbetrag  zur  freien  Verfügung.  Der
H.  H.  Jubilar  nahm  die  Spende  dankend  an
und  bedauerte  nur,  daß  ein  großer  Teil  seiner
Pfarrangehörigen  infolge  des  Krieges  nicht  anwesend
  sein  konnte.  Um  auch  ihnen  einen  Nutgen
und  eine  Freude  vom  Jubilämm  zukommen  zu
lassen,  erklärte  H.  Kammerer,  die  überreichte
Geldspende  zur  Abhaltun  einer  Vollsmission
mit  Nachmission  nach  Rückkehr  der  Krieger  vom
Felde  verwenden  zu  wollen.  Damit  ist  auch  ein
längst  gehegter  Wunsch  der  Pfarrei  seiner  Erfüllung
  nähergebracht.
Kiefersfelden,  5.7.  Tas  herrliche  Sommerfrischleridyll
  dexitalien.  Kriegsgefang
  enen  in  heiligen  Land  Tirol  wird  nun
ein  jähes  Ende  nehmen  müssen,  denn  die  Bezirksbauptmannschost
  Kufstein  hat  das  freie  Herumaufen
  der  Katzelacher  abgestellt,  ihnen  den
Besuch  der  Gasthäuser  verbolen  und  die  Wirte

schulden=  und  den
ung  wird  der  Etat

 

 

 

 

Sonntag,  7.  Juli  10918

perständigt,  daß  sie  den  Herren  Neellanss  weder
Speise  noch  Trank  verabreichen  dürfen.
Frauenchiemsee,  5.  7.  Einkleidung.
Am  Nachmittag,  des  28.  Juni  nahm  der  HH.
Abt  von  Metten,  Willibald  Adam  O.  S.  B.,
nach  der  feierlichen  monastischen  Vesper  in  der  all“
ehrwürdigen  Kiche  von  Frauenwörth  die  Ein
kleidung  eweier  Chorkandidatinnen  vor.

Traunstein,  5  5.7.  Todesfall.  Aus  München
  kommt  die  Nachricht,  daß  Herr  Magistratsrat
  und  Krankenhausverwaller  Guido  Schnepf
nach  einer  Halsoperation  verschieden  ist.  Seine
Verdienste  um  das  Wohl  der  Stadt  sichern  ihm
ein  dauerndes  Andemken.

Traunstein,  5.  7.  Zur  Behebung  der
Brenumaterialnot  wurde  von  den  städt.
Kollegien  der  Stadt  Traunstein  das  sog.  Preisingmoos
  Lei  Knappenfeld  mit  einem  Flachenansmaß
  von  rund  100  Tagwerk  (bisher  im  Besitz
  der  Gewerklschaft  Achtal)  läuflich  erworben.
(Die  Ausbeutung  hat  bereits  begonnen  und  verspricht
  bei  der  vorzüglichen  Güte  des  Torses  schon
für  heuriges  Jahr  sich  ein  recht  guler  Erfolg.

Trostberg,  5.  7.  Ein  Skandal.  Im  hiesigen
  Wochenblatt  läßt  der  französische  Zivilgefangene
  Rene  Dupont  gegen  „einige  Hrauen  von
1.  Trostberg“,  die  das  Gerücht  verbreitelen,  er  halmit
  seiner  früheren  Hausfrau  die  Flucht  ergriffe.
eine  geharnischte  Erllärung  los.  Der  Schluß
der  sehr  dentlichen  Erklärung  lautet  also:  „Ich
warne  diese  Weiber,  ihre  Lästerrungen  besset  im

Zaume  iu  halten,  da  ich  sonst  gezwungen  wäre,

gegen  sie  Sachen  ans  Tageslicht  zu  bringen,
welche  nur  reine  Wahrheit  enthalten  und  über
welche  die  Einwohner  von  Trostberg  sehr  über
rascht  sein  werden“.  In  Trostberg  scheinen  ja
saubere  Sachen  vorgekommen  zu  sein,  da  man  sich
von  einem  gesangenen  Fram'osen  eine  derarlige
Sprache  gefallen  lassen  muß!

ustting,  5.  7.  Einbruch.  Vom  Samslag
  auf  Somtag  wurde  in  das  Mühlgebände
des  Josef  Berger  in  Brandmühle  eingebrochen
und  dort  Mehl  und  zwei  wertvolle  Treibriemen
geüohlen.  Für  dessen  Ermittlung  sind  300  Mark

VBelohnung  ausgesetzt.  Im  vorigen  Jahre  wurde
dem  Besitzer  im  Sägewerk  ein  Niemen!  im  Werte
von  900  Mark  gestohlen.  «

LIka
*  Rosenheim,  6.  Juli.

Beförderung.  Der  Gefr.  Alois  Göhinger,
  Sohn  des  Schneidermeisters  Al.  Götzinger  v.
Schloßberg,  seit  Januar  1917  im  Folde  stehend,
wurde  für  tapferes  Verhalten  vor  dem  Feinde
eum  Unteroffsizier  besördert.  Das  Eiserne  Kr.
2.  Kl.  wurde  ihm  schon  früher  verliehen.
Jäher  Tod.  Oekonom  Karl  Mair  von
Schloßberg  besuchte  seinen  Sohn  in  einer  Kaserne
in  München.  In  dem  Augenblick,  als  er  ihm  die
Hand  zum  Gruße  reichte,  wurde  er  vom  Schlage
gerührt  und  war  sofort  eine  Leiche.  Der  im  51.
Lebensjahre  siehende  Mann  bintenlaht  eine  Wiiwe
  an  zahlreicher  Familie.  K.  1.

ochwasser.  Während  Auen  vormittag
de  Inn  mit  3,50  Meier  seinen  höchsten  Sland
aufwies  und  nachmittags  rasch  siel,  stieg  die
Mangfall  bis  nachmiltags  4  Uhr  in  bedrohlicher
Weise.  Infolge  Zurückstauung  krat  der  Kalten.
bach  über  die  Ufer,  sämtliche  Gärten  und  Wiesen
bis  zu  1:  Meter  und  mehr  unter  Wasser  setzend.
Die  ganze  Gegend  der  K#ingertanosrafe  glich
einem  See.  Fur  die  Jugend  war  diese  Ueberschwemmung
  ein  „Ereignis“,  denn  alle  möglichen
Gegenitände  wurden  hervorgeholt,  um  damit  auf
dem  „See“  zu  gondeln.  Bei  der  Bahnunterführung
  an  der  Kufiteiner  straße  muhßte  ein  Notsteg
gemacht  werden,  da  ein  anal,  weil  überfülkt
die  Unterführung  in  einen  20  entimeter  tiefen
See  verwandelte.

Eine  Besserung  der  Wetterlage  in
mumehr  hier  und  in  der  Jungegend,  wo  man
tagelang  von  ununterbrochenem  Regenwetter
heimgesucht  war,  eingetreten.  Seit  gestern  Mittag
hat  der  Regen  aufgehört  und  die  Sonne  komm
wenn  auch  nur  leicht,  zum  Durchbruch.  Nach  denl
der  Landeswetterwarie  eingelaufenen  Nachrich,
ten  wird  in  Bälde  ein  vorübergehender  Witlterungeumschiag
  eintreten.  JIn  der  Pfalz  ist  auch
bereits  ein  Umschwung  eingetreten.  Auch  in
Nordbayern  und  im  Maingebiet  sind  Lücken  in
der  Bewölkung  zu  verzeichnen;  die  Niederschlägch
haben  teilweise  nachgelassen,  teilweise  ganz  ausgesetzt.
  Ob  die  Besserung  anhält  wird  sich  erst  noch
zeigen  müssen.

Abschluß  der  Ludendorffspende.
Nachdem  das  Ergebnis  der  Ludendorff-Samm
lung  bis  zum  8.  Juli  abgeschlossen  sein  muß,  ergeht
  an  die  Sammelstellen  das  höfliche  Ersuchen
die  eingegangenen  Beträge  sofort  an  den  Kassier
Herrn  Apotheker  Rieder  hier,  abliefern  zu  wol
leu.  Aus  dem  gleichen  Grunde  wollen  auch  etaa
dem  Zweck  noch  zugedachte  Spenden  sofort  3
den  genannten  Herrn  oder  Postscheckkont?  Nr.
6653  einbezahlt  werden.

Kartoffelversorgung  der  Stadt
In  letzter  Zeit  wurde  das  Gerücht  verbreitct,  dem
Kommunal-Verband  stünden  nicht  mehr  genü
gend  Kartoffeln  zur  Verfügung,  um  bis  zum  Ein
treffen  der  ersten  Frühkartoffeln  ausmreichen
Dieses  Gerede  entbehrt  jeder  Begründung,  han
jedoch  leider  zur  Folge,  daß  an  der  Verkaufs
stelle  ein  außerordentlicher  Andrang  herrschte
Um  diesem  zu  3  begegnen  und  das  Anstehen  zu
vermelden,  findet  die  Abgabe  bis  auf  meiteres