Eingabe der Akademie gegen Louparn’s Ernennung. 369
altes verbrieftes Recht ein, sich ihren beständigen Secretar sellıst
zu wählen; sodann entschuldigt sie sich, dass sie nicht schon früher
der königlichen Anregung entsprochen und Vorschläge zur Verbesserung
ihrer Einrichtungen gemacht habe; sie habe alte Mitglieder
schonen, ihren Abgang abwarten wollen. Nun legt sie dar,
dass bei den gesteigerten wissenschaftlichen Anforderungen ein
Seeretar nicht mehr genüge — selbst Lrienız könnte heute alle
Gebiete der Wissenschaften nieht mehr übersehen —, und bittet
um die Genehmigung des Königs, vier Secretare (für jede Klasse
einen) wählen zu dürfen, darauf hinweisend, dass sie schon früher
einmal (Statut von 1744) vier Seeretare besessen habe. »Wenn
indess bei den gegenwärtigen Umständen eine solche Umgestaltung
der Akademie vielleicht nieht thunlich wäre, so dürfen wir hoffen,
dass Ew. Maj. lieber uns jetzt in dem gegenwärtigen Zustande zu
den Tod der beiden Directoren Merıan und BerxotLLı (sowie den des General-Lieutenants
vox TesreELnorr und den Weggang TrexeLEY's) und fragte an, ob zur
Wahl neuer Direetoren geschritten werden dürfe. Es erzählte von dem Einbruche
der Franzosen und schilderte die Verluste, welche die Akademie durch Plünderung
erlitten hatte, vor alleın den sämmtlicher Landkarten - Kupferplatten iin Werth von
25000 Thlr. und den der Kunstgegenstände im Werth von 68800 Thir.; nur der
botanische Garten und das anatomische Museum seien vollkoınmen erhalten. Sodann
legten die Directoren den finanziellen Zustand der Akademie dar. Von der
Kalenderpacht stünden 18200 Thlr. zur Zeit noch aus; die öffentlichen Kassen
zahlten die angewiesenen Summnen nicht. Um den Kalenderdruck für das Jahr 1808
zu befördern, habe die Akademie 9600 Thlr. an verschiedenen Orten aufgenonmen,
da sie ihre eigenen hypothekarisch angelegten Kapitalien nicht lüssig machen könne;
in den Ausgaben habe sie sich nach Möglichkeit eingeschränkt, aber mit dem aufgenommenen
Gelde auch die Auszahlung der Gehälter wieder regulirt und für den
botanischen Garten und die Anatomie gesorgt. Die Hauptsache aber sei, schon jetzt
Vorsorge zu treffen und sich auf den dauernden Ausfall bei den Kalendern u. s. w.
in der Höhe von jährlich 10000 Thlr. einzurichten. Durch den Tod von MERIAN
(er hatte zuletzt 2400 Thlr. Gehalt als verdientes Mitglied, Secretar, Director und
Bibliothekar), BranotıLı und vox TesmPpeLnorr, den Abgang TreserLEY's und den
Fortfall von zwei kleinen Pensionen seien 4800 Thlr. erledigt. die erspart werden
können: von dem Etat des botanischen Gartens (3835 Tlıilr.) liessen sich 1000 Thlr.
abstreichen, bei den übrigen Instituten soo Thlr.; für die beiden neuen Directoren
(a 200 Thlr.), den beständigen Secretar (300 Thir.) und den Bibliothekar (100 Thlr.)
seien aber 1000 Thir. neu einzustellen. so dass sich eine ersparte Summe von
5300 Thlr. ergiebt. mithin — bei dein Ausfall von 10000 Thilr. — ein Deficit von
4700 Thir. Uın es zu decken, giebt es zur Zeit nur einen Weg: die Kalender
so zu fördern, dass sie ihrer Trefflichkeit wegen noch mehr gekauft werden. Das
Directorium hoflt das zu erreichen und behält sich vor, später in dieser Richtung
Sr. Maj. bestimmte Vorschläge zu unterbreiten. Der König liess unter dem
21. September antworten (Original im Akademischen Archiv), dass die Walıl neuer
Directoren bis zu seiner Rückkehr nach Berlin auszusetzen sei, dass an Gehältern möglichst
gespart werden müsse, der Etat der Institute aber nicht zu beschneiden sei.