Volltext : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Zweite Hälfte.

Eingabe  der  Akademie  gegen  Louparn’s  Ernennung.  369

altes  verbrieftes  Recht  ein,  sich  ihren  beständigen  Secretar  sellıst
zu  wählen;  sodann  entschuldigt  sie  sich,  dass  sie  nicht  schon  früher
der  königlichen  Anregung  entsprochen  und  Vorschläge  zur  Verbesserung
  ihrer  Einrichtungen  gemacht  habe;  sie  habe  alte  Mitglieder
  schonen,  ihren  Abgang  abwarten  wollen.  Nun  legt  sie  dar,
dass  bei  den  gesteigerten  wissenschaftlichen  Anforderungen  ein
Seeretar  nicht  mehr  genüge  —  selbst  Lrienız  könnte  heute  alle
Gebiete  der  Wissenschaften  nieht  mehr  übersehen  —,  und  bittet
um  die  Genehmigung  des  Königs,  vier  Secretare  (für  jede  Klasse
einen)  wählen  zu  dürfen,  darauf  hinweisend,  dass  sie  schon  früher
einmal  (Statut  von  1744)  vier  Seeretare  besessen  habe.  »Wenn
indess  bei  den  gegenwärtigen  Umständen  eine  solche  Umgestaltung
der  Akademie  vielleicht  nieht  thunlich  wäre,  so  dürfen  wir  hoffen,
dass  Ew.  Maj.  lieber  uns  jetzt  in  dem  gegenwärtigen  Zustande  zu

den  Tod  der  beiden  Directoren  Merıan  und  BerxotLLı  (sowie  den  des  General-Lieutenants
  vox  TesreELnorr  und  den  Weggang  TrexeLEY's)  und  fragte  an,  ob  zur
Wahl  neuer  Direetoren  geschritten  werden  dürfe.  Es  erzählte  von  dem  Einbruche
der  Franzosen  und  schilderte  die  Verluste,  welche  die  Akademie  durch  Plünderung
erlitten  hatte,  vor  alleın  den  sämmtlicher  Landkarten  -  Kupferplatten  iin  Werth  von
25000  Thlr.  und  den  der  Kunstgegenstände  im  Werth  von  68800  Thir.;  nur  der
botanische  Garten  und  das  anatomische  Museum  seien  vollkoınmen  erhalten.  Sodann
  legten  die  Directoren  den  finanziellen  Zustand  der  Akademie  dar.  Von  der
Kalenderpacht  stünden  18200  Thlr.  zur  Zeit  noch  aus;  die  öffentlichen  Kassen
zahlten  die  angewiesenen  Summnen  nicht.  Um  den  Kalenderdruck  für  das  Jahr  1808
zu  befördern,  habe  die  Akademie  9600  Thlr.  an  verschiedenen  Orten  aufgenonmen,
da  sie  ihre  eigenen  hypothekarisch  angelegten  Kapitalien  nicht  lüssig  machen  könne;
in  den  Ausgaben  habe  sie  sich  nach  Möglichkeit  eingeschränkt,  aber  mit  dem  aufgenommenen
  Gelde  auch  die  Auszahlung  der  Gehälter  wieder  regulirt  und  für  den
botanischen  Garten  und  die  Anatomie  gesorgt.  Die  Hauptsache  aber  sei,  schon  jetzt
Vorsorge  zu  treffen  und  sich  auf  den  dauernden  Ausfall  bei  den  Kalendern  u.  s.  w.
in  der  Höhe  von  jährlich  10000  Thlr.  einzurichten.  Durch  den  Tod  von  MERIAN
(er  hatte  zuletzt  2400  Thlr.  Gehalt  als  verdientes  Mitglied,  Secretar,  Director  und
Bibliothekar),  BranotıLı  und  vox  TesmPpeLnorr,  den  Abgang  TreserLEY's  und  den
Fortfall  von  zwei  kleinen  Pensionen  seien  4800  Thlr.  erledigt.  die  erspart  werden
können:  von  dem  Etat  des  botanischen  Gartens  (3835  Tlıilr.)  liessen  sich  1000  Thlr.
abstreichen,  bei  den  übrigen  Instituten  soo  Thlr.;  für  die  beiden  neuen  Directoren
(a  200  Thlr.),  den  beständigen  Secretar  (300  Thir.)  und  den  Bibliothekar  (100  Thlr.)
seien  aber  1000  Thir.  neu  einzustellen.  so  dass  sich  eine  ersparte  Summe  von
5300  Thlr.  ergiebt.  mithin  —  bei  dein  Ausfall  von  10000  Thilr.  —  ein  Deficit  von
4700  Thir.  Uın  es  zu  decken,  giebt  es  zur  Zeit  nur  einen  Weg:  die  Kalender
so  zu  fördern,  dass  sie  ihrer  Trefflichkeit  wegen  noch  mehr  gekauft  werden.  Das
Directorium  hoflt  das  zu  erreichen  und  behält  sich  vor,  später  in  dieser  Richtung
  Sr.  Maj.  bestimmte  Vorschläge  zu  unterbreiten.  Der  König  liess  unter  dem
21.  September  antworten  (Original  im  Akademischen  Archiv),  dass  die  Walıl  neuer
Directoren  bis  zu  seiner  Rückkehr  nach  Berlin  auszusetzen  sei,  dass  an  Gehältern  möglichst
  gespart  werden  müsse,  der  Etat  der  Institute  aber  nicht  zu  beschneiden  sei.