34 II. Die Vorbedingungen für das höhere Lehramt.
und Lysias. Das Thema der Hausarbeit ist auf den Kreis dieser Autoren nicht
beschränkt. — In Hessen verlangt man außer der Lektüre der Gymnasialschriftsteller
auch solche von Plautus, Terenz, Äschylos, Euripides, Aristophanes. —
Geht hier die Spezialisierung schon soweit, daß von Platon „die zugänglicheren
Dialoge“ gelesen sein müssen, so ist man in Württemberg noch
weiter gegangen: sogar einzelne Reden und Bücher von alten Autoren werden
genannt! Ohne Bezeichnung von Büchern werden hier nur genannt: Catullus,
Horatius, Homer, und Sallustius, Jugurtha und Catilina (also die Fragmente der
Historien nicht). Sonst aber liest man: Cicero pro Milone, actio in Verrem II,
1, 4 de signis, orator, Brutus, disputationes Tascul. I und de legibus I; Plato
Phädon und Phädrus, Demosthenes Olynthische und Philippische Reden, Äschylus
Perser, Sophokles Ödipus R. und Antigone (mehr nicht!), Euripides Iphigenia
Taurica.
Einzelne Bücher sollen gelesen sein von: Livius XXI—XXV. Taeitus Annales
I. II. XIV—XVI, Historiee I, IV, V. Germania, Dialogus. Vergilius Äneis
I. DO. IV— VI. Bucolica (also ganz), Georgica aber nur lib. I; von Propertius
nur das letzte Buch, von Herodot I., VII, VIII, von Xenophon nur die Memorabilien,
von Thucydides Buch I, II, VI. und von Plautus Miles gloriosus und
Mensechmi; freilich trotz dieser Spezialisierung ist der Kreis doch weiter als
im benachbarten Bayern, wo Stellen aus den vorzüglichsten Klassikern der
Schule, namentlich aus Horaz, Cicero, Tacitus, Homer, Sophokles und Demosthenes
(Staatsreden) vorgelegt werden; die künstlichste Interpretation des „namentlich“
wird weder Äschylus noch Catullus, Propertius, Plautus zu den Schulklassikern
rechnen können.
Auch im Königreich Sachsen sind einzelne Autoren namhaft gemacht,
aber nur in den Forderungen für die zweite Stufe, „im Lateinischen jedenfalls
Cäsar, Sallust, erhebliche Partien aus Livius, von Cicero die wichtigeren
Reden und einige seiner übrigen Schriften, von Vergil mindestens die Äneis,
von Ovid die Metamorphosen sowie Elegien von ihm und andern Elegikern;
im Griechischen Homer und Herodot, von Xenophon die Anabasis und
größere Stücke aus den Memorabilien und der Hellenika, ferner die Reden
des Lysias sowie von Platon wenigstens die Apologie und den Kriton“. Dies
Maß für Sekunda in Sachsen übersteigt die bayerischen Postulate!
Überall wird Fertigkeit oder einige Übung im Lateinsprechen vorausgesetzt,
Bekanntschaft mit den philologischen Hilfswissenschaften sowie, was sehr wichtig
ist, Bekanntschaft mit der strengen Methode philologischer Kritik und Exegese
(wissenschaftliche Schulung in der Methode der Erklärung); daß in Bayern bei
der zweiten Prüfung noch Archäologie besonders betont wird, ist schon gesagt.
Soviel über die klassische Philologie und ihre Bedeutung in den Staatsprüfungen
Deutschlands und Österreichs. Kürzer können wir uns schon über
die neueren Sprachen fassen. Zunächst ist zu bemerken, daß nur Bayern eine
ganz bestimmte Zahl von Schriftstellern vorgeschrieben hat, welche gelesen sein
müssen schon zur ersten Prüfung. 8 47. Die Literaturerscheinungen, deren
Lektüre in Bayern vorgeschrieben ist, sind: a) im Französischen: Corneille: