614 Die wissenschaftliche Bedentung der Akademie (1786-1812).
genügend bearbeitet worden sind', ein deutliches Zeichen, dass in
Deutschland die strengen naturwissenschaftlichen Studien im Rückgang
waren, oder doch den Aufschwung nicht mitgemacht hatten, der
sieh in anderen Ländern zeigte. Gekrönt wurde (1794) die Bearbeitung
eines ballistischen Themas (Ronpe, Ingenieur-Lieutenant in Potsdam)
und in demselben Jahr eine meteorologische Abhandlung von
/xıaus (Rostock). Den Preis für eine chemische Arbeit — die Fragestellung
zeigt, dass die deutsche Chemie zurückgeblieben war —
erhielt im Jahre 1791 WIEDEMANN (Württemberg): das Thema hatte
gelautet: »S’il est effectivement demontre qu’il n’existe dans la
nature que eing espcces de terres Cleömentaires? Si elles peuvent
etre transmuces Vune dans llautre? et Jans ce cas comment cette
mutation peut-etre operce?« Eine zweite chemische Arbeit über die
Beziehung von Elektrieität und Hefeprocess (zuerst gestellt für 1801)
wurde 1803 gekrönt. Wrep£ (Berlin) erhielt den Preis. Schon vorher
(1799) hatte Senraper (Berlin) den doppelten Preis erhalten für die
J.ösung der zuerst für das Jahr 1797 gestellten botanisch - chemischen
Aufgabe, welche »prineipes terreux« sich im Getreide befinden
und wie sie hineingelangen.
Der Eıuer’sche Preis (s. oben S. 352) ist zweimal ertheilt worden.
Zwar hat die Aufgabe, durch welches chemische Mittel man bei
der Gerberei die Eiehenrinde ersetzen könne, keine genügende Bearbeitung
gefunden; aber die Frage nach der Thierernährung wurde
von Pastor Grossmann (Sintzlow) im Jahre 1788 zur Befriedigung
gelöst, und im Jahre 1So5 wurde Kausen (Militsch) der Preis für
eine Abhandlung über den Milzbrand zuerkannt. Da der König, von
WorrLner bestimmt, sich für die Lösung praktisch - wirthschaftlicher
Fragen interessirte, so wurde zweimal eine ausserordentliche Preisaufgabe
(100 Ducaten) in dieser Richtung gestellt: Ȇber die beste
! So das Thema, ob die Menschen und Thiere verkehrt sehen und wie das
richtige Bild zu Stande kommnt (für 1789 fl.), ferner eine Aufgabe über die Obliquität
der Ekliptik, die, immer wieder verschoben (zuerst für 1798 gestellt), zuletzt mit
dem dreifachen Preise ausgeschrieben wurde; ebenso eine Aufgabe über die Anwendbarkeit
des Mariorrre’schen Gesetzes auf alle elastischen Flüssirkeiten oder nur
auf die luftigen (zuerst für 1805), weiter Themata über Elektricität in ihren Eintluss
auf Magnetismus (für 1508), über den Stossheber (für 1810, verschoben bis
1812). über Interpolationsmethoden. Für 1813 wurden Aufzaben über Polarität
und über das Vorrücken der Nachtgleichen ausgeschrieben. Gleich nach dem Rewierungsantritt
Frievrıen Wirnern's 1]. hatte der alte Curator von REpErN einen
Preis von 100 Ducaten für die Lösung des Attractionsproblems ausgesetzt und die
Akademie demgemäss ein umständliches Ausschreiben entworfen. Näheres über das
Schieksal dieser Preisaufeabe ist nieht bekannt geworden.