191
Stempel-Papier. Auch diese Tare ist holländischen
Ursprungs. Da die vereinigten Niederländer bei ihrem Kriege
mit Spanien in die äußerste Finanznoth kamen und nicht
wußten, woher Geld nehmen, so setzten sie eine große Prämie
aus, wer das einträglichste und am wenigsten drückende
neue Steuer-Projekt erfinden könne. Unter den mehreren Entwürfen,
die einliesen, gefiel am besten der Impost van besegelde
brieven, und was sonst in solchen Fällen sehr selten
ist, gleich der erste Entwurf umfaßte das alles, worauf nachher
das Projekt des Stempel-Papiers sich erstreckte. Es sollte
nämlich keine Bittschrift von den Staaten oder irgend einem
Magistrate, oder irgend einem Richter angenommen werden,
sie sey denn auf Steimpel-Papier geschrieben. Keine Urkunde
irgend einer Art, es sey Quittung, gerichtliches Aktenstück
oder etwa für ein Gericht brauchbares Aktenstuͤck sollte gültig
seyn, wenn nicht nach Beschaffenheit und Werth des Inhalts
gewisse Stempelgebühren dafür bezahlt worden.
Man stellte vor, die Abgabe sey an sich gering. Der
arme, gemeine Mann komme selten in den Fall, sie zahlen
zu müssen, desto häufiger aber der wohlbabende und reiche;
und was man etwa von bekrügerischer Nachmachung desselben
oder anderen Gefahren fürchte, kdnne vermieden werden.
Von Michaclis 1787 bis Michaelis 1788 warf die
Stempel-Tare ab 1,278,214 Pf. 18 S. 4 D., und noch
wirst sie doch das nicht ab, was man von ihr theils erwartete,
theils aber auch was sie billig abwetfen könnte. 3. B.
Hut-Stempel wirft nicht mehr ab, als 25,196 Pf., und
ist auf 150,000 berechnet worden. Der Handschuh-Stempel
ist ouf 50,000 Pf. berechnet worden, und trug nur 10,730 Pf.;
und so auch bei einigen andern Artikeln. Hier muß also dem
Betrug noch besser gesteuert werden; so wie dagegen bei dem
Quittungen-Stempel die ganze Einrichtung sehr ver-