Full text : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Zweite Hälfte.

Die  Historiker  und  Philologen.  643

bedeutenderen  Freunde  BuTTmann  und  SCHLEIERMACHER  haben  sie,
dem  Antriebe  folgend,  den  F.  A.  Worr  gegeben  hatte,  zu  Ehren
gebracht.  Die  anderen  Sprachen  —  mit  Ausnahme  des  Französischen!
  —  besassen  überhaupt  noch  keine  Vertreter  in  der  Akadeniie,
und  selbst  die  Pflege  der  Muttersprache  blieb,  obwohl  HERTZBERG
für  sie  zeitweilig  eine  eigene  Abtheilung  eingerichtet  hatte  (s.  oben
S.  5ogff.),  vernachlässigt;  denn  noch  gab  es  in  Preussen  keinen  Germanisten,
  ja  noch  nicht  einmal  Grundsätze  und  Metlıoden  der  wissenschaftlichen
  Behandlung  der  deutschen  Sprache.

Die  Naturwissenschaften  waren  in  den  Jahren  1786-1806  ungleich
  besser  in  der  Akademie  vertreten  als  die  Geisteswissenschaften.
Von  streng  methodischer  Sprachforschung  in  ihrer  Mitte  lässt  sich
überhaupt  nicht  reden,  von  Geschichtsforschung  nur  in  bescheidenen
Grenzen.  Aroys  Hırr  (1796-1837)  suchte  die  Kunstwissenschaft
im  Sinne  WIncKELMANN  Ss  und  GOETHE'S  zu  pflegen,  wenn  auch  mit
manchen  Seltsamkeiten  und  Einseitigkeiten  und  bald  von  tüchtigeren
Kennern  überholt.  Eine  ganze  Reihe  von  Abhandlungen  hat  er  in
den  Jahren  1797-1803  in  die  akademischen  Schriften  eingerückt,

weichungen  unterbrechen  ınuss,  um  selbst  zu  sprechen,  spricht  sogleich  auch  hier
sein  Herz«.  Nirsunr  (Lebensnachrichten  I  S.494  vom  März  ı811)  hat  ihn  also
charakterisirt:  »SpaLnıne  ist  ein  so  ausserordentlich  guter,  so  positiv  guter  Mensch,
wie  man  es  nur  sein  kann;  sein  Talent  ist  ursprünglich  einseitig,  in  seinen  eigenen
Werken  wie  in  seinen  Untersuchungen  und  Studien  zu  sehr  auf  die  Worte  gewandt,
  und  dies  hielt  ihn  ab,  nicht  [sic]  in  die  Tiefe  zu  gehen«.  Nach  Spaupıng's
Tode  schrieb  er  (1  S.498  vom  14.  Juni  1811):  »Ihm  danke  ich  auch  die  Bekanntschaft
  meiner  andern  philologischen  Freunde,  so  wie  er  es  war,  der  mich  zu  den
Vorlesungen  bestimmte,  und  durch  Beides  hat_er  sehr  entschieden  auf  mein  folgendes
  Leben  eingewirkt.  Er  war  ein  äusserst  liebenswürdiger  Charakter,  von  einer
ganz  seltenen  rücksichtslosen  Liebe  für  alles  Ausgezeichnete.  Er  war  dem  Alter
nach  der  Mittelpunkt  unserer  Gesellschaft,  um  den  sich  allmählich  Alles  angeschlossen
  hatte:  ein  Jeder  fühlt  es,  dass  ihr  Band  durch  seinen  Tod  aufgelöst  ist.
Sein  Umgang  war  immer  wohlthätig.  Dem  Allgemeinen  der  Wissenschaften  hätten
hier  andre  von  meinen  Freunden  zu  grösserem  Verlust  sterben  können;  mir  konnte
init  keinem  von  ihnen  so  viel  sterben«.

ı  Hier  sind  Basrıpr,  Biester  (eine  sprachgeschichtliche  Abhandlung  von
ihm  in  den  Abhandlungen  ı812/13)  und  etwa  noch  Drxına  zu  nennen.  Über  den
letzteren,  der  trotz  seiner  Vielschreiberei  ein  freilich  sehr  geringes  litterarisches
Verdienst  in  Anspruch  nehmen  kann,  vermisst  man  noch  eine  Monographie.  BasrıpE
ist  jüngst  von  ALFrEd  SchuLze  gewürdigt  worden  (Archiv  für  das  Studium  der  neueren
  Sprachen  Bd.C,  H.3.4  S.311ff.).  »Die  Anerkennung«,  so  fasst  Schutze  sein
Urtheil  zusammen,  »wird  man  ihm  nicht  versagen  dürfen,  dass  er  sich  nicht  nur
auf  die  Höhe  des  Wissens,  die  seine  Zeitgenossen  auf  dem  Gebiete  französischer
Sprachforschung  einnahmen,  durch  eigenen  Fleiss  emporgeschwungen,  sondern  hier
und  da  auch  darüber  erhoben  hat.«

41°