Finanzen: Wehrbeitrag u. Vermögenszuwachssteuer. 8 172. 297
Der erstere scheidet aus dem Kreise der eigentlichen Steuern aus, da er
nur einmal und nur zu einem bestimmten Zwecke erhoben wird (8 137
Abs. 1), und die Vermögenszuwachssteuer fügt sich — wie zum Teil schon
die Erbschaftssteuer (§ 156) — der allgemeinen Einteilung der Steuern
in direkte und indirekte (8 137 Abs. 2) nicht ein, weil sie zwar wie die
indirekten Steuern von einem Vorgang abhängig ist, jedoch wie die direkte
unter unmittelbarer Schätzung der Steuergegenstnde festgestellt wird. Der
Wehrbeitrag soll die einmaligen und die ersten dauernden, die Vermögens
zuwachssteuer dagegen die weiteren dauernden Ausgaben decken.
Gegen diese Regelung sind erhebliche Bedenken geltend zu machen:
1. Sie durchbricht die Jahrzehnte hindurch bewährte Grundlage der Reichs
verfassung, die das Reich auf die Zölle und Verbrauchsteuern verweist
(§ 152 Abs. 1), die direkten Steuern dagegen den Einzelstaaten beläßt
und dadurch eine scharfe Grenze zwischen der Finanzhoheit des Reichs und
der der Einzelstaaten gezogen hat. "
2. Sie greift in empfindlicher Weise in die Finanzen der Einzelstaaten ein,
indem sie das Vermögen und das Einkommen der Reichsangehörigen
unmittelbar für Zwecke des Reichs heranzieht, ohne Rücksicht darauf,
daß diese Steuerquellen bereits in starkem Maße zur Erfüllung der
Kultur= und Wirtschaftsaufgaben der Einzelstaaten in Anspruch genommen
sind.
. Sie beschreitet bei der Deckung des erheblichen Mehrbedarfs einseitig den
Weg der direkten Besteuerung und verschiebt damit das bestehende Ver
hältnis zwischen direkten und indirekten Steuern, wic es bei starker
Heranziehung ohne Uberlastung der Steuerpflichtigen nicht entbehrt werden
kann (8 137 Abs. 2, 3) und tatsächlich von allen größeren Kulturstaaten
beobachtet wird.
4. Sie entzieht im Wehrbeitrage der wirtschaftlichen Tätigkeit beträchtliche
Mittel. Die allmählige Ergänzung würde bei gesunder Weiterentwicklung
nicht ausgeschlossen sein. Hier tritt aber die gleichzeitig eingeführte
Vermögenszuwachssteuer hindernd in den Weg, dic die Ersparnisse trifft
und dadurch auf Kapitalbildung und Boden= und Betriebsverbesserungen
in Landwirtschaft, Gewerbe und Handel lähmend einwirkt (8137 Abs. 4).
Unserer wirtschaftlichen Entwicklung erwächst daraus eine ernste Gefahr.
.
§ 172.
b) Der Wehrbeitrag, der eine Milliarde Mark einbringen soll,
bildet eine einmalige Abgabe von dem Vermögen und dem Einkommen.
Durch ihn wird die Aufnahme einer größeren Anleihe umgangen, die in
die eben beseitigte Schuldenwirtschaft (8 176 Abs. 62) zurückgeführt haben
würde.:)
) Wehrbeitrags G. 3. Juli 131 13 (8. 1087), des preuß. Fin Min. 8.
(RGB. 505). AusfBest. des BR. 6. Nov. Nov. 13 (Berl. b. Decker).