Full text : Archiv für öffentliches Recht.Siebenter Band. (7)

354  Der  König  von  Württemberg.  Das  Schreiben  an  Flemming.  Rastatt.

der  andre  die  Eitelkeit  und  Beschränktheit  des  Gr.  Buol,  welche  jene  Furcht  mit  großen
Worten  bemänteln  will.  Auch  vom  Kaiser  hatte  er  keine  bessere  Meinung  wie  vom  Gr.
Buol;  von  einer  Vertheidigung  Oestreichs  in  Italien  gegen  Frankreich,  ein  Thema,  das
er  anregte,  wollte  er  nichts  wissen;  er  erzählte,  daß  Baiern  dagegen  in  Turin  vertraulich
  habe  mittheilen  lassen,  ganz  Deutschland,  jedenfalls  aber  Baiern,  werde  für  Oestreich
einstehn,  wenn  es  in  Italien  angegriffen  werde;  er  fand  es  einfältig,  Oestreich  durch  solche
Demonstrationen  zu  ermuthigen;  für  Holstein  hat  er  gar  kein  Interesse.  Der  Prinz  war
verdrießlich,  daß  er  von  E.  E.  keine  Abschrift  Ihres  eigenhändigen  Schreibens  an
Flemming  vom  30.  v.  M.  erhalten  habe;  ich  sagte  ihm,  daß  E.  E.,  da  der  Inhalt  Sr.  K.
H.  bekannt  und  mit  dem  Prinzen  verabredet  sei,  wohl  nicht  glauben  würden,  noch  eine
Abschrift  schicken  zu  sollen;  er  berief  sich  aber  auf  „besondre  Verabredung“  dieser  Sendung.
  Ehrerbietigst  verharre  ich    ...

387.  Bericht  vom  8.  Juli  1858  an  Minister  v.  Manteuffel,
betr.  die  Betreibung  der  Abstimmung  in  der  Rastatter  Frage  durch  Preußen.
—  Vgl.  Poschinger  III  Nr.  170.

388.  Immediatbericht.

[Ausfertigung.]
9.  Juli  1858.

Vor  der  gestrigen  22.  Bundestagssitzung  befragte  mich  Graf  Rechberg,  ob  ich  damit
  einverstanden  sei,  daß  die  Abstimmung  wegen  Verweisung  unseres  Rastatter  Vorschlages
  an  die  Militärkommission  noch  ausgesetzt  bleibe.  Während  er  bisher  diese  Angelegenheit
  als  eine  dringliche  betrieb,  in  vertraulichen  Gesprächen  mit  den  Anhängern
Österreichs  jeder  Beschleunigung  das  Wort  geredet  und  veranlaßt  hat,  daß  sogar  in  dem
Vortrage  der  Mehrheit  des  Ausschusses  die  Dringlichkeit  der  Entscheidung  als  besonderes
  Motiv  für  die  Ablehnung  der  Begutachtung  durch  die  Militärkommission  ausdrücklich
  hervorgehoben  wurde,  erklärte  mir  Graf  Rechberg  jetzt  zum  ersten  Male,  daß
die  Sache  nicht  dränge  und  nicht  ersichtlich  sei,  weshalb  wir  den  Streit  darüber  ohne  Not
fördern  sollten.  Ich  erwiderte  ihm,  daß  ich  bisher  keine  Anweisung  hätte,  die  Sache  in
Erinnerung  zu  bringen,  und  daher  meinerseits  die  Abstimmung  in  der  Sitzung  nicht
monieren  würde.  Die  Äußerungen  der  zu  Österreich  haltenden  Gesandten  der  Mittelstaaten
  sind  indessen  bisher  weit  entfernt,  diesem  zögernden  Verhalten  Österreichs  eine  versöhnliche
  Auslegung  zu  geben.  Sie  behaupten  vielmehr,  und  namentlich  geschieht  dies  in
der  Besprechung  mit  der  außerdeutschen  Diplomatie,  daß  man  uns  nur  Zeit  lassen  wolle,
uns  in  unsere  Lage  zu  fügen;  denn  daß  wir  in  nicht  zu  langer  Zeit  nachgeben  würden,  sei
unzweifelhaft.  Ich  habe  dem  gegenüber  in  vertraulichen  Besprechungen  mit  großer  Bestimmtheit
  versichert,  daß  wir  in  unserer  bisherigen  Haltung  auf  jede  Gefahr  hin  verharren
  und  auch  die  unbestimmte  Verlängerung  des  gegenwärtigen  Zustandes,  vermöge
dessen  Österreich  sich  im  widerrechtlichen  Besitz  der  Festung  befindet,  nicht  zulassen  würden.
Ich  glaube  auch  wiederholt  die  Überzeugung  a.  u.  aussprechen  zu  dürfen,  daß  unsere  Gegner
nachgeben  werden,  wenn  wir  fest  bleiben,  indem  Österreich,  wenn  seine  Entschlüsse  unwandelbar
  feststünden,  schon  vor  vierzehn  Tagen  ohne  Zögern  mit  der  Abstimmung  vorgegangen
  sein  würde.   ….